Freds Weg: Altersgerechtes Arbeiten

Beim zweiten Ansetzen Lucas direkt nacheinander hat der bereits begriffen, was gespielt wird. Und da die Futtermenge der ersten Runde seinen Appetit bei weitem unterschreitet, legt er sich nun schon gieriger ins Zeug. „Gib‘ mal vorsichtig Riemen“, ruft Markus Nadja zu. Nachdem Luca auf deren Fingerzeig am ‚Anschuss‘ ordentlich loszieht, bleibt sie nun – anders als beim ersten Mal, stehen und lässt den Feldriemen durch die Hänge gleiten. Luca stört das überhaupt nicht, beharrlich arbeitet der die fünf Meter aus. Zwar nimmt auch er noch nicht alles restlos auf, zumindest aber schon mehr, also zuvor noch Fredi.

Eine neue Fährte wird präpariert. Foto: Frank Martini

Markus setzt für den Anfang auf eine Kombination von Futterbröckchen und Schweiß. Foto: Frank Martini

Wichtig, so Markus, ist: Die Feldleine sollte unverknotet sauber hinter dem Geschehen liegen. Würde der Hund, nachdem er die Sache nun im erst zweiten Anlauf so gut allein voranbringt, einen Ruck seiner Herrin im Riemen spüren, könnte dies ihn unnötig irritieren. Aber gerade jungen Hunden sollte man zumindest anfangs diese Arbeit noch so leicht wie möglich machen.

Luca wird eingewiesen. Foto: Frank Martini

Für Fredi gibt’s nun erst mal eine etwas kürzere, indes auch schon gemischte Spur mit steigenden Abständen der Futterbröckchen. Und auch er arbeitet nach Einweisung durch Annes Zeigefinger am Anschuss nun schon selbständiger, als noch zuvor.

Fred wird zur Fährte verbracht. Foto: Frank Martini

Auch Anne lässt ihn nach dem ersten Meter allein weiterlaufen und gibt Riemen. Erstaunlich, wie gleich beide Hunde trotz Altersunterschieds diese beiden Durchgänge absolviert haben. Mit einem auffälligen Unterschied: Am Ende ist Fredi sichtbar ‚platt‘, beginnt leicht zu zittern, will unbedingt wieder auf Annes Arm. Schwupps, kommt er wieder unters Jäckchen und wird von Anne ausgiebig für seinen Erfolg abgeliebelt.

Verdiente Ruhepause. Foto: Frank Martini

Grenzen erkennen – und respektieren!

„Da siehste, wie fordernd Nasenarbeit für einen Hund ist“, sagt Markus. Für ihn das sichere Zeichen, es nun nicht zu übertreiben. Nur eine einzige Spur wird nun für jeden Hund noch gelegt. Schließlich sind aller guten Dinge bekanntlich drei. Und da es nicht langweilig werden, sondern abwechslungsreich bleiben soll, steigert der Ausbilder den Schwierigkeitsgrad um einen entscheidenden Aspekt.

Nicht gucken: Luca wird so abgelegt, dass er das Legen der Fährte nicht sehen kann… Foto: Frank Martini

Er schickt die beiden Führerinnen mit  ihren Hunden erst mal weg vom Fährtenbeginn, ehe er seine Futterbox wieder zur Hand nimmt. Ein paar Meter vom ‚Anschuss‘ entfernt legt Nadja Luca mit dem Rücken zum Geschehen ab, derweil Anne dem mit Fredi im Arm den Rücken zuwendet. Erstmals also sehen die Hunde Markus beim Fährtenlegen dieses Mal nicht zu!

Fred darf auch nicht zugucken. Foto: Frank Martini

Um den Schwierigkeitsgrad insbesondere für den kleinen Fredi nun aber nicht zu weit hochzuschrauben, bleiben Fährtenlänge und –beschaffenheit nun genau so wie beim Durchgang zuvor. Mehr noch: Zum dritten Mal legt Markus die Futterspur nun mehr oder minder genau an die gleiche Stelle. Was man in späteren Ausbildungsabschnitten vermeiden würde, reicht aber für den Anfang vollauf aus. Die noch von den Vorspuren im feuchten Gras vorhandene ‚Restwittrung‘ soll den Hunden helfen, die Lücken zu überwinden und ihrer nachlassenden Konzentrationsfähigkeit entgegenwirken.

Wichtig ist es gerade am Anfang, bei Null oder selbst Nullkommajosef noch, den Erfolg der Hunde sicherzustellen oder zumindest nicht leichtfertig durch Überforderung zu gefährden! Und weil eben noch Fredi dran war und noch ein wenig durchgewärmt werden soll, geht es zunächst wieder mit dem halbjährigen Luca weiter. Der scheint nun sichtlich auf den Geschmack gekommen zu sein. Kaum das Markus Nadja an den ‚Anschuss‘ ruft und sie Luca diesen mit der Hand verweist, nimmt er die Nase runter und zieht langsam aber stetig los. Wenige Minuten später blickt Luca nach Aufnahme des letzten Bröckchens leicht ratlos zur Nadja zurück, die nun am Fährtenanfang zurückgeblieben ist.

Luca wird gelobt. Foto: Frank Martini

Fünf Meter Leinen liegen zwischen beiden nun schnurgerade im Gras. Ehe es nun mit Fredi weitergeht, darf der noch ein wenig auf Annes Arm verschnaufen – und Nadja kann Luca ausgiebig loben, bevor sie mit ihm das Feld räumt. Als Markus auch ihm identisch zum zweiten Durchgang eine Fährte gelegt hat, ruft er Anne heran. Und siehe da: Noch etwas wackliger als Luca, aber in gleicher Weise und mit gleichem Erfolg bringt der DK-Zwerg seine erste Spur nach Einweisung nun vollständig selbst bis ans Ende voran. An dem er sich noch verunsicherter als zuvor Luca, vor allem nun aber deutlich zitternd zeigt. „Schluss!“ ruft Markus, „für heute ist’s vollauf genug.“ Zu diesem Zeitpunkt sind wir, inklusive Begrüßung, Vorstellung, Auspacken etc. gerade einmal eine gute Stunde zusammen. Gearbeitet hat jeder Hund bis dahin in Summe vielleicht zehn Minuten. So schnell kann’s gehen!

Wichtige Einsichten

In der Kürze also liegt die Würze! Und: Das Arbeiten zu Zweien oder Dreien erleichtert die Sache ungemein und macht mehr Spaß. Wer bei diesen Anfangsübungen mangels Partner oder Unterstützer auf sich allein gestellt ist, muss einfach etwas mehr Vorbereitungszeit einkalkulieren. Also den Welpen, der noch nicht allein liegen bleiben will, wenn man ihm die erste Spur legt, eben mit einem Erdanker an den Platz bannen, ihn vor seiner ersten ‚Blindspur‘ ins Auto tragen und fünf Minuten später wieder abholen. Kleine Beeinträchtigungen oder Erschwernisse vielleicht, die man ohne Helfer nicht hätte. Die aber – und das ist entscheidend – nichts an den Möglichkeiten dieser Übung und dem Erfolg des Hundes ändern. Und der ist, gerade im Hinblick auf die nur zehn Wochen Fredis, doch schon höchst beachtlich.

Zweimal noch wollen wir uns deswegen zur Fortsetzung im alten Jahr treffen. „Der Schwierigkeitsgrad wird jetzt Zug um Zug steigen“, sagt Markus und zieht grinsend ein Kaninchen an einer Schleppleine aus der Box auf seinem Pickup. Eine Schleppe will der erfahrene Ausbilder und Verbandsrichter damit aber noch nicht ziehen. „Seht Ihr beim nächsten Mal, was dann kommt, lasst Euch überraschen“ – mit diesen Worten versenkt er die ‚Spielsachen‘ nun wieder im Pickup. Zweimal noch vor der Weihnachtszeit – ich bin ebenso neugierig, wie Nadja und Anne. Dann ist erst mal Weihnachten. Aber schon im Januar beginnt Markus neuer Kurs. Anne, Fredi, Nadja und Luca wollen da auf jeden Fall mit dabei sein – Beharrlichkeit und Konsequenz sind schließlich die Schlüssel in der Jagdhundeausbildung. Und auch Sie, liebe Leser, können sehen, wie es dann Schritt für Schritt weitergeht.

Zur Person:

Markus Koslowski, ursprünglich aus der Weimaraner-Szene, ist inzwischen auf den Kurzhaar gekommen, den neben Deutsch Drahthaar, Terriern und vielen anderen seit Jahren ausbildet und führt – zuletzt erfolgreich auf einer Hegewald einen DD. Wenn er nicht selbst geführt hat, stand er auf unzähligen unterschiedlichen Prüfungen als Verbandsrichter zur Verfügung. Genau wie Anne, seine Partnerin, die ebenfalls keine ‚Erstlingsdame‘ mehr ist. Die Liebe zur Jagd und der Hundearbeit verbindet die beiden.

Beitragsbild: Luca und Nadja. Foto: Frank Martini

Ein Beitrag von Frank Martini

Teil 1: Mit dem Welpen auf die Spur

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