Erschossenes Islandpferd: Gestütsbesitzer kritisiert Jäger

„Schwarzer Klumpen“ auf 182 Meter beschossen?

Im Fall des bei Walsrode erschossenen Islandpferds (JAWINA berichtete) hat sich der Besitzer des Gestüts, auf dessen Flächen sich das Unglück ereignete mit scharfer – und leider berechtigter – Kritik zu Wort gemeldet. Auf Facebook schrieb Anoush Bargh vom Gestüt Bargh:

Nun wollen wir uns einmal zu Wort melden:

Wir sind Eigentümer des Gestüts und Pensionbetriebes, auf dem sich am 1. Oktober der Vorfall „Jäger erschießt Islandpferd“ zugetragen hat. Wir lesen in diversen Foren und Medienberichten eine doch sehr lapidare Darstellung der Geschehnisse. Uns geht es nicht darum, eine Hetzjagd auf den Täter zu veranstalten und die gesamte Jägerschaft zu verurteilen, aber es sollte zum einen klar dargestellt werden, was wirklich geschehen ist und wie absurd es war. Zum anderen soll es auf die reellen Probleme des „Jagdsystems“ hinweisen.

Nun zur Sachlage:

Auf unserer Außenweide bei Schneeheide stehen seit etwa 5 Monaten fünf Islandpferde, Tag und Nacht. 80% der Weidefläche ist sehr offen, weitläufig und gut einsehbar. 20% haben einen moorigen Anteil mit partiellem Schilfbewuchs, den die Pferde gerne als Rückzugsort nutzen. Diese Weide ist bis auf den moorigen Teil zu dieser Jahreszeit kurz gefressen.

Am gestrigen Abend, gegen 20 Uhr, bekamen wir einen Anruf vom Jagdpächter, dass er auf unserer Weide ein Pferd geschossen hat, das nun vielleicht von einem Tierarzt erlöst werden müsste. Als wir zehn Minuten später eintrafen, fanden wir das bereits tote Pferd vor.
Diese Situation wurde von Polizei und Tierarzt dokumentiert und aufgenommen. Der Pressebericht der Polizei wurde bereits veröffentlicht und schildert nur sehr grob, die tatsächlichen Geschehnisse.

Es ist sehr lapidar zu sagen, das Pferd wurde mit einem Wildschwein verwechselt, ferner sollte klargestellt werden, unter welchen Bedingungen der Schuss durchgeführt wurde.
Der 65 jährige Schütze, der gleichzeitig auch Jagdpächter ist, das heißt ein extrem ortskundiger Mensch, der weiß welche Flurstücke wie bewirtschaftet werden, schoss gegen 19:30 Uhr, bei nahezu totaler Dunkelheit, bewusst in eine Pferdeweide, auf der sich seit Monaten Pferde befinden. Nicht nur dies ist grob fahrlässig, sondern auch die Tatsache, dass der Hochsitz auf dem er sich befand, 182m von dem vermeintlichen „Ziel“ entfernt war.

Wo waren da die Bedingungen für einen Schuss gegeben?

Ein Schuss auf eine Weide, auf der sich wissentlich Pferde befinden…
Ein Schuss bei starker Dunkelheit…
Ein Schuss in ein Gebiet, mit hohem Schilfanteil und schlechter Einsicht..
Ein Schuss aus dieser Distanz…

Bei diesen Bedingungen kann man nur grobe, sich bewegende Umrisse erkennen, stellten wir bei einer gestrigen Begehung mit einem Vertreter der Jägergesellschaft fest. Wichtig hier: zur Zeit der Begehung war es 18 Uhr und noch deutlich hell.

Das Ziel hätte also alles sein können.
Ein Pferd, ein Wildschwein oder einer unserer Mitarbeiter, beim täglichen Weidekontrollgang.

Diese Geschehnisse sind tragisch, aber nun nicht zu ändern. Allerdings sollte es über grundsätzliches zu denken geben. Es kann doch nicht legitim sein, dass Schüsse auf Weiden abgegeben werden, auf denen Tiere gehalten werden.

Als gewissenhafter Pferdehalter zäunt man Weiden mit hochwertigen Materialien ein, spart Gefahrenstellen aus und sorgt somit für Sicherheit und Gesunderhaltung der Tiere auf seinen Flächen. Nur nützt dies alles nichts, wenn das Jagdrecht vorsieht, das auf diesen Flächen geschossen werden darf.

Die Risiken sind einfach sehr hoch und es ist schlicht und ergreifend unverantwortlich von diesem Recht gebrauch zu machen.

Denn welche Möglichkeiten gibt es?

1. Ein Pferd wird erschossen (Wahrscheinlichkeit gering)
2. Ein Pferd verletzt sich bei Splitterung der Munition
3. Angeschossenes Wild rennt panisch durch den Zaun, zerstört diesen und die Pferde flüchten.
4. Pferde geraten durch den Knall in Panik, durchbrechen den Zaun und flüchten.
5. Alles geht gut…

Es ist ja wohl deutlich, dass die Risikobewertung doch sehr hoch ist und grundsätzliche Änderungen der Rechtslage notwendig sind.

Ein weiterer Punkt sind die Richtlinien zur Verlängerung der Jagdscheine. Möchte man ein Jäger werden, muss vorab ein Jagdschein erworben werden. Diesen muss man spätestens alle drei Jahre verlängern. In unserem Fall ist der Jäger 65 Jahre alt. Man darf davon ausgehen, dass sich das Augenlicht und die physischen und psychischen Vorraussetzungen im Laufe der vergangen zig Jahre verändert haben.

Man sollte naiv davon ausgehen, dass eine Verlängerung des Jagdscheins auch etwas mit diesen Themen zu tun haben sollte, da es ja einen Menschen berechtig mit einer Waffe umzugehen und auf Lebewesen zu schießen.

Doch weit gefehlt !! Man muss weder einen Sehtest machen, noch werden die psychischen Voraussetzungen überprüft.

Man muss seinen Jagdschein lediglich pünktlich zum abstempeln einreichen.
Seit letztem Jahr gibt es eine Neuerung, bei der ein jährlicher Schießnachweis ausschließlich für die Teilnahme an Treibjagden benötigt wird.

Sollte so eine Überprüfung nicht für die grundsätzliche Jagd gelten?
Wie will man so Sicherheit gewährleisten?

Man sollte den Fall zum Anlass nehmen, um über diese Punkte zu diskutieren und das System zu ändern.
Das in unserem Fall dem Jäger die Jagderlaubnis entzogen werden soll und Schadensersatzansprüche gestellt werden, ist sicherlich notwendig und berechtigt, allerdings löst es nicht das grundsätzliche Problem. Wir hoffen, dass dieser Fall dazu beitragen wird, dieses in den Fokus zu rücken. Anoush Bargh

Gestütsbesitzer: „Es geht nicht darum, Jagd oder Jäger grundsätzlich zu verurteilen.“

Anoush Barghs Facebook-Post. (Screenshot)

Man muss leider sagen: Wenn sich der Abschuss des Islandpferds so zugetragen hat, wie er von Anoush Bargh geschildert wird, ist seine Kritik absolut gerechtfertigt – wenn auch vielleicht nicht seine Schlussfolgerungen. Im Gespräch mit JAWINA betont der Gestütsbesitzer, dass es ihm nicht darum gehe, Jagd und Jäger grundsätzlich zu verdammen. Er sei mit vielen Jägern befreundet und bezweifle nicht die Notwendigkeit der Jagd. Doch so gehe es halt nicht.

Schon bei der dürren Schilderung des Vorfalls im Polizeibericht (auf der der JAWINA-Beitrag beruht), konnte man sich den Ablauf in etwa zusammenreimen: Das dunkelbraune Pferd steht in 1,20 m hohem Gestrüpp, die für Wildschweine eher untypischen langen Beine sind folglich nicht zu erkennen, und da es ziemlich dunkel ist, auch nicht Hals und Kopf. Der typische „schwarze Klumpen“ eben. Ganz klar: In dieser Situation verbietet sich ein Schuss. Dass der ortskundige Jäger in dem Wissen, dass er eine aktuell beweidete Pferdekoppel bejagt, trotzdem geschossen hat und dann noch auf diese Entfernung – man begreift es nicht.

Man muss sich nicht wundern, wenn dann Forderungen nach Sehtests und regelmäßigen medizinischen Überprüfungen der körperlichen und mentalen Fitness von Jägern laut werden, wie sie auch Anoush Bargh fordert. In den einschlägigen Foren und sozialen Netzwerken kursieren noch ganz andere Vorschläge. Im Gespräch mit JAWINA räumte Bargh gleichwohl ein, dass auch die beste und amtlich überprüfte Sehkraft nicht hilft – wenn es stockfinster ist. Hier bleibt nur, immer wieder und nachdrücklich an das Verantwortungsbewusstsein jedes einzelnen Jägers zu appellieren, riskantes Verhalten – egal, ob es um gewagte Kunst-, Weit- oder Deutschüsse, eklatante Verstöße gegen Unfallverhütungs-, Transport- oder Aufbewahrungsvorschriften oder grob unwaidmännisches Verhalten geht – im Interesse der gesamten Jägerschaft gefälligst zu unterlassen. Denn jeder Vorfall dieser Art, liefert den Jagdgegnern Munition und ist Wasser auf die Mühlen jener Politiker, die Jagd und Legalwaffenbesitz immer noch stärker einschränken und regulieren wollen. SE

Beitragsbild: Islandpferd im Rennmodus auf der Icehorse Berlin. Foto: SE

Die Red. dankt JAWINA-Leserin JC für den Hinweis und Anoush Bargh für die freundliche Genehmigung zur Veröffentlichung seines Statements!

 

5 Gedanken zu „Erschossenes Islandpferd: Gestütsbesitzer kritisiert Jäger

  1. Paul

    ich habe um dieselbe Zeit auch gesessen.. und konnte um 19;30 Uhr schon das Rehwild nicht mehr sicher ansprechen, wenn auch noch umrißmaßig sichtbar. Obwohl ich (gesetzlich) NICHTS hätte falsch machen können, da sämtliches Rehwild zu dieser Zeit freigegeben ist, habe ich NICHT geschossen::….
    Das jemand auf einer Pferdeweide so ein Risiko eingeht, kann ich nicht verstehen. Um 20 Uhr k a n n man nichts mehr als einen „schwarzen Klumpen “ erkennen ( wenn überhaupt .. )
    Leider kommt die Jägerschaft durch solche VORFÄLLE immer wieder in Verruf ….

    Antworten
  2. Ronbi

    Der Vorfall ist, freundlich ausgedrückt, pikant.
    Und für Fehler gibt es Konsequenzen.

    Man könnte aber auch mehr Sicherheit schaffen durch:
    Nachtsichtgeräte
    Laserzielpunktgeräte
    Schalldämpfer

    Antworten
  3. Greta

    Dieser Vorfall hinerlässt mich als Pferdehalterin sprachlos.
    Eine Grundsatzdiskussion, ob Pro oder Contra Jagd, steht hierbei für mich gar nicht nicht im Vordergrund, sondern viel mehr der verantwortungsbewusste und rücksichtsvolle Umgang von allen freiwillig und unfreiwillig Beteiligten.
    Als Pferdehalterin stehe ich seit Jahren fassungslos vor „unserem“ Jagdpächter, welcher trotz mehrerer Gesprächsversuche immer wieder in Konflikte mit uns Pferdehaltern gerät, da er nicht verstehen möchte/kann, dass die Ausübung der Jagd (insbesondere der Treibjagden) ein immenses Gefahrenpotential beinhaltet und zwar für die Tiere und auch für Unbeteiligte, falls es zu einem Ausbruch in Panik kommen sollte. Jegliche Vorsichtsmasnahmen seitens der Pferdehalter – und dies hat Herr Bargh wunderbar beschrieben – nützen NICHTS, wenn Jäger keine verantwortungsvolle Rücksichtsnahme in ihrem Jagdverhalten vorweisen. Hier einige Vorfälle der letzen Jahre als Beispiel: Treibjagdtermine werden nur nach mehrmaligen Nachfragen samt – leider unsinniger- Kommentare widerwillig durchgegeben (weil man dazu offiziell nicht verpflichtet zu sei)Leider kann ich dann meine Pferde nicht rechtzeitig von den Weiden nehmen; Pferdeweiden werden betreten und mit Hunden „durchstöbert“; 15 Männer plus Treiber und Hunden positionieren sich an (Haus!-) Weidezäunen, obwohl die Pferde sichtbar auf eben dieser Weide stehen und das Rasen beginnen; es wird geschossen, obwohl ich mich sichtbar in unmittelbarer Nähe (ca. 30 Meter Abstand von der Paddockbox bis zum Gartenzaun) bei einem Pferd im Paddock aufgehalten habe, um es zu beruhigen und festzuhalten; Drückjagden morgens um 4 am Sonntag; nicht hörende Jagdhunde, die durch Gärten und Pferdeweiden laufen und alles in Aufruhr versetzen;über Häuser schießende Jäger;in Pferdeweiden nach Tauben schießende Jäger; im Wald der Jäger, der nicht einmal seine Flinte ablegt und statdessen seinen Hund zum Stöbern losschickt, als er uns sieht (Yeehaw!…)…
    Dieses Verhalten lässt mich direkt an der Vernunft einiger verzweifeln.
    Ich bin kein Jagdgegner. Aber ich bin gegen diese Form des Praktizierens der Jagd.
    Leider finden Veränderungen meist erst dann statt, wenn etwas Schreckliches passiert ist. Ich hoffe sehr, dass dieser unsinnige und qualvolle Tod des Pferdes dazu führen wird, dass es endlich zu einem Umdenken kommt und die physische Eignung von Waffenträgern Einzug in das Jagdgesetz erhält.

    Antworten
    1. admin Beitragsautor

      Als Jäger UND Reiter sehe ich da beide Seiten in der Pflicht: Natürlich gibt es Jäger, wie den Islandpferde-Schießer, die schreckliche Fehler begehen und noch einige mehr, die unfreundlich und unkooperativ oder sonstwie blöd sind. Aber: Es gibt mindestens genau so viele Reiter, die mindestens ebenso rücksichtslos und pampig sind und sich bei ihren Ausritten aufführen, als gehörte das ganze Land ihnen. Reiter, die auf ausdrücklich gesperrten Wegen an Spaziergängern vorbeisprengen, abseits der Wege durch Wildeinstände und Dickungen reiten, über frisch eingesäte Äcker und bewirtschaftete Wiesen galoppieren, ihre Pferde nicht im Griff haben und anderen die Schuld daran geben, die gerade gegenüber dem bösen Jäger eine Unfreundlichkeit und Arroganz an den Tag legen, dass es einem die Sprache verschlägt und, und, und… Da werden die Pferde auf die Koppeln gestellt, gerade weil und wenn Jagden stattfinden (das ist schließlich unser Recht, wir bezahlen doch auch Pacht…), da muss ausgerechnet in den frühen Morgen- und späten Abendstunden im Wald ausgeritten werden, wenn und weil der Jäger ansitzt usw. Es gibt da eine von manchen Leuten liebevoll gepflegte Feindschaft und Frontstellung zwischen Jägern und Reitern, die unnötig, für beide Seiten nervig, und völlig fehl am Platz ist. Mit ein bisschen gegenseitigem Verständnis und gegenseitiger Rücksichtnahme lässt sich prima miteinander auskommen.

      Angesichts des krassen Fehlverhaltens vieler Reiter lassen sich Deine (ich wähle mal das reiterliche Du) Wünsche nach gesetzlichen Regelungen leicht kontern: Wie wäre es mit einem amtlich vorgeschriebenen Reiterführerschein? Der Basisführerschein (Voraussetzung 16. Lebensjahr, DRA IV, 15 teure Pflichtstunden mit theoretischer und praktischer Prüfung…) würde zum Schrittreiten in Begleitung berechtigen, kostenpflichtige Aufbauseminare dann zum alleine Ausreiten, Trab, Galopp etc. Außerdem wären (kostenpflichtige) amtliche Kennzeichen für Reiter und Pferde zu fordern, damit man sie bei Zuwiderhandlungen anzeigen kann, der Verwaltungsaufwand für all das müsste natürlich mit einer Pferdesteuer finanziert werden. Wie gefällt Dir das?

      Noch leichter lässt sich Dein Wunsch nach einer Überprüfung der physischen Eignung von Jägern kontern: Wie viele Reiter und Reiterinnen gibt es, die auf gar keinen Fall auf einem Pferd sitzen dürften? Weil sie z.B. viel zu fett sind? Viel zu unbeweglich oder völlig talentfrei, weil sie schlicht nicht reiten können und es auch nie lernen werden und sich nicht mal bemühen, etwas dazuzulernen? Die ihrem armen Pferd bei jedem Trabtritt in den Rücken plumpsen, sich an den Zügeln festhalten, es jahrelang mit weggedrücktem Rücken reiten, bis die Spines sich knutschen? Oder drei Monate lang ein lahmendes Pferd reiten, weil sie es gar nicht merken und außerdem auch gar kein Geld für den Tierarzt haben? Du weißt: Das gibt es alles, da muss man auch nicht lange suchen und es ist ganz klar übelste Tierquälerei – und Tierschutz hat Verfassungsrang. Da muss eine regelmäßige (selbstverständlich gebührenpflichtige) amts- und veterinärärztliche Begutachtung inkl. Vorreiten her, und wer die strengen Kriterien nicht erfüllt, muss ein im Amtsblatt veröffentlichtes Reitverbot verordnet bekommen, findest Du nicht auch?

      Ganz ehrlich? Für mich ist das eine Horrorvision, egal ob es ums Jagen oder Reiten geht. Man muss sich einfach entscheiden, ob man in einem Staat leben will, der jeden Lebensbereich reglementiert, überwacht, kontrolliert und abkassiert – dann kann man fleißig weiter nach weiteren Verboten, Regelungen und Einschränkungen für andere rufen, bis es einen irgendwann selber trifft – oder man sagt sich, dass Freiheit und Eigenverantwortung vielleicht doch ganz schön sind. Eigenverantwortung heißt, dass man sich selbst an die (auch ungeschriebenen) Regeln hält, dann kann man es auch von anderen erwarten und theoretisch können alle dann einigermaßen miteinander auskommen. Den Rest regelt das Gesetz. Wäre das nicht schön? SE

      Antworten
  4. Greta

    Ich stimme Dir in einigen, wenn auch wenigen Punkten, absolut zu (ich bleibe auch beim „DU“ ;))
    Es gehören die Reiter mit ihren Pferden in den Wald, die wissen was sie tun. Dies benötigt (eigentlich) keine gesetzliche Legitimation, sondern oftmals einfach einen gesunden Menschenverstand und auf jeden Fall reiterliches Können (und die Fähigkeit, diese auch einschätzen zu können). Der gesunde Menschenverstand und die Bodenständigkeit fehlen häufig…bei Reitern…bei vielen Menschen oftmals…bei Jägern… und sicherlich auch (mal ;)) bei mir. Ich treffe falsche Einschätzungen. Ich entscheide falsch. Doch wenn es um Gefährdungen geht, von anderen, von mir, von meinen Pferden, so hoffe ich, durch Umsicht vieles eindämmen zu können. Dies ist doch ein Anliegen von – zum Glück – vielen Reitern und Jägern! Aber was ist mit denen, die den Schuss einfach nicht hören wollen und können? Erträgt man diese? Führt Gespräche, die wieder zu nichts führen? Lässt gewähren, trotz mehrerer gefährlicher Vorfälle? Was tun?
    Auch geht es überhaupt nicht um ein Behindern der Jagd oder darum jemanden „eins auszuwischen“. Dies hast Du zwar mit Genuss ausgeweidet, aber das ist überhaupt nicht der Kern des Dilemmas. Sieh es mal von der anderen Seite: Wenn ich weiß, dass Treibjagd ist, gehe ich nicht ins Gelände. Ich reite mal gar nicht. Ich stelle die Pferde rein. Sitzt der Jäger auf dem Hochsitz (Auto ist ja oftmals bereits von weitem zu sehen), biege ich einfach mal ab. Ob mit Hund oder Pferd. Warum sollte ich Stress wollen? Dies will ich ja grad überhaupt nicht! Ich will, dass es funktioniert. Ebenso wie die anderen Pferdehalter in unserem Dorf. Und es soll bitte so ablaufen, dass niemand gefährdet ist. Aber -und nun kommt die andere Seite -: Was sollen wir als Pferdehalter und Reiter tun, damit der „arrogante, herrschaftliche Jäger“, der denkt, dass meine Pferdeweiden ihm zu jeder Zeit auch gehören, nicht gewillt ist, seinen gesunden Menschenverstand einzuschalten? Nicht gewillt ist mal eben kurz auf der Abendtour zu sagen: „Nächste Woche ist Treibjagd am Samstag! Wir sind auch hier unterwegs. Und am Hofttor schießen wir nicht mehr.“ Auf Nachfragen antwortet: “ An einem Montag!“
    Ich werde es nie verstehen, weshalb Menschen mit Waffen, das Recht besitzen sollten in unmittelbarer Nähe meinserseits und meiner Pferde zu schießen ohne mich darüber überhaupt in Kenntnis zu setzen und mich auf meinem Hof mal einfach nicht sehen wollen und einfach weiter ihre Jagd betreiben dürfen. Ich kann meine Pferde und mich nicht mal in Sicherheit bringen ( damit meine ich nicht Feld und Flur, sondern das Hofgelände!), da der Jagdpächterja keine Informationen rausgeben will, da gesetzlich – seiner Meinung nach – nicht verankert. Wo gibt´s denn so etwas?! Da wird übers Hausdach geschossen, weil der Fasan im Baum sitzt und wir sind draußen. Hältst Du das für ein jägerlich korrektes Verhalten Pferdehaltern bzw. Anwohnern gegenüber?
    Und jetzt kommen die Gesetze und die elendigen Regeln und Überprüfungen ins Spiel. Mal ehrlich: Oftmals denke ich, es wäre für viele Beteiligten schmerzhaft, aber letztendlich besser. Ich nehme mich da gar nicht aus. Soll sich doch mein Stall angeschaut werden, soll ich doch meine Pferde vorreiten. Wat soll´s?! Ich kann doch auch Dinge verändern, falls ich zu betriebsblind war, diese selbst zu erkennen! Wenn aber dafür im gleichen Atemzug der den Wald verunsichernde Jäger in seiner (ich übertrag das jetzt mal) „jägerlichen Arroganz im SUV sitzend mit Rauhhaardackel und aus dem Auto heraus versuchend Greifvögel und Rehe zu schießen“ für seine Unachtsamkeit ebenso bluten muss: Gerecht! Kann ja nur besser werden! Wenn ich als Kamikazereiter dem Wald entnommen werde und waffentragende nicht einsichtig werdende Jäger auch: Win Win Situation 🙂
    Es geht ums Reden!!! Für meine Situation kann ich nur sagen: Es findet nicht statt. Wir Pferdehalter bitten um Informationen und informieren über Pferde und ihr Verhalten. Ich weiß, dass es auch anders laufen kann! Besser! Umsichtiger! Mit Rücksicht! Habe ich auch kennengelernt. Hier leider nicht.
    Und wenn ein Schnack nicht mehr hilft und ein Jägermeister es nicht mehr richten kann: Bin und wäre ich froh über Gesetze, die Grenzen aufzeigen. Aus meiner eben dieser beschriebenen Situation heraus. Hinfällig werdend bei einem umsichtigeren Verhalten der Jägerschaft.

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.