Erschossener Bärenhund Strudel: Verfahren gegen Geldbuße eingestellt

Fehlende Unterschrift wird Angeklagten zum Verhängnis

Das Verfahren um die im Juni 2015 von einem Jäger erschossene Bärenhündin „Strudel“ scheint juristisch abgeschlossen zu sein. Wie ein Sprecher der Landgerichts Neubrandenburg auf Anfrage von JAWINA mitteilt, wurde  „mit Zustimmung des Angeklagten, seines Verteidigers und der Staatsanwaltschaft“ das Strafverfahren „gegen Zahlung eines Betrages von 1.500,- € an den Tierschutzverein vorläufig eingestellt. Das Gericht wendet dabei einen § 153a der Strafprozessordnung an, der es ermöglicht, ein Strafverfahren dann gegen Zahlung einer Geldbuße einzustellen, wenn die „Schwere der Schuld“ des Täters dem nicht entgegensteht.“

In der Vorinstanz war der inzwischen 61 Jahre alte Jäger zu einer Geldbuße von 1.800 Euro und drei Monaten Jagdscheinentzug verurteilt worden. Der Hund war von dem Jäger von einer Ansitzeinrichtung aus erschossen worden, die 500 Meter von dem Ferienhof entfernt steht, der der Hund entstammte. Der Jäger gab an, dass der Bärenhund schon mehrfach bei Wildern beobachtet worden sei. Das Landesjagdgesetz Mecklenburg-Vorpommern erlaubt den Abschuss wildernder Hunde durch Jagdgschutzberechtigte, wenn diese „weiter als 200 Meter vom nächsten Hause angetroffen werden.“ Dennoch hatte der zuständige Richter am Amtsgericht geurteilt, dass der Hund „ohne vernünftigen Grund“ getötet worden sei, was einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz darstelle.

Zum Verhängnis wurde dem angeklagten Jäger vor dem Landgericht jedoch eine Formalie:

Der Angeklagte war nur im Besitz eines „sog. Begehungsscheins“, so das Gericht, nicht jedoch Jagdpächter. Er sei nicht berechtigt gewesen, den Hund zu töten, „weil der Begehungsschein, ein Jagderlaubnisschein nach § 13 des Landesjagdgesetzes, mit dem ein Jagdgast oder Unterpächter seine Befugnis, zu jagen, nachweist, nicht in Ordnung gewesen sei. Es habe die Unterschrift eines Jagdpächters gefehlt.“ Der Hund habe einen Wert von ca. 1000,- € gehabt.

Der Fall „Strudel“ hat, wie bei ruchbar gewordenen Haustierabschüssen beinahe unvermeidlich, für große öffentliche Entrüstung gesorgt und das Ansehen der Jäger nachhaltig geschädigt. Gewohnheitsmäßig wildernde Hunde sind im Umland von Siedlungen ein ernstes Tierschutz-Problem und nicht hinzunehmen. Dennoch ist es schon aus Eigeninteresse empfehlenswert, diese Fälle auf zivilisierte Art zu klären: Ein klärendes Gespräch sollte stets der erste Schritt sein, wenn die Hundebesitzer bekannt sind. Bei ausbleibender Einsicht sollten die Fälle von Wilderei möglichst mit Zeugen oder Foto- bzw. Videoaufnahmen dokumentiert und Anzeige erstattet werden. Auch die Unteren Jagdbehörden können in solchen Fällen zur Tätigkeit verpflichtet werden.

Einen unguten Nachgeschmack hinterlässt aber auch die Verurteilung des Jägers in der ersten Instanz ebenso wie die Einstellung gegen eine saftige Geldbuße. Die Argumentation des Amtsrichters, die Hündin sei „ohne vernünftigen Grund“ und somit tierschutzwidrig getötet worden, ist hanebüchen: Denn wie die Jagdausübung ist auch Jagdschutz ein vernünftiger Grund. Dass der Jäger dann „ersatzweise“ wegen einer fehlenden Unterschrift verknackt wird, scheint in erster Linie den Willen des Gerichts zu dokumentieren, in dem von Medien, Jägern und Tierschützern viel beachteten Verfahren eine Sanktion zu verhängen. SE

Beitragsbild: Hund (Symbolbild). Foto: SE

 

 

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