Erfahrungsbericht: BMW X5 3.0d als All-in-one-Lösung für Alltag und Revier

JAWINA-Leser JG hat einen BMW X5 3.0d, erste Baureihe E53, EZ 2001 – noch mit fester Kraftverteilung zwischen Vorder- Hinterachse und somit ohne „XDrive“, sieben Jahre lang als Fahrzeug für Revier und Straße gefahren. Auf Wunsch der Red. hat er seine Erfahrungen mit dem luxuriösen Allradler für uns aufgeschrieben.

Allgemein:

Angenehmes Reisen, Platz, Raumgefühl, gute Zuladungsmöglichkeiten, starker, ruhig laufender Motor, angenehmes Automatikgetriebe, Fahrverhalten, Langstreckeneignung und Verbrauch lassen keine Wünsche offen.

Schon auf den ersten Blick weniger gut: die schlechte Übersichtlichkeit nach hinten. Dies und den etwas üppigen Wendekreis können andere 4×4-Fahrzeuge dieser Leistungs-/ Größenklasse besser.

Ärgerlich: Die mit dem Gewicht des Fahrzeugs besonders bei Schlechtwegeeinsatz überforderten Fahrwerkskomponenten, Querlenker, Stabistäbe, irgendwelche ausgeschlagenen Teile am Fahrwerk stellen sich schnell und regelmäßig ein. Arbeitszeitaufwand und Ersatzteilpreise liegen auf teils absurd hohem Niveau.

Langzeiterfahrungen

Angeschafft mit knapp 70.000 km hatte ich ihn gut 7 Jahre als All-in-one Lösung für Alltag, Arbeit, Reisen und Jagd genutzt. Jagdlicher Einsatz in Waldrevieren mit immer wieder mal durch Holzeinschlag tief zerfahrenen, verschlammten und in wenigen echten Wintern auch tief verschneiten Waldwegen.

Solange er nicht aufliegt, kommt der BMW X5 mit entsprechenden Reifen gut im Gelände zurecht. Foto: JG

Soweit die Bodenfreiheit reicht und der Wagen nicht mit dem Boden aufliegt, kam er mit angemessen Reifen bemerkenswerterweise wirklich immer und überall durch. Bereifung anfangs gröbere Winterreifen und danach konsequent Ganzjahres-AT-Reifen General Grabber AT.

Aber:

Die aus Aerodynamik- und Geräuschdämmungsplastikabdeckungen bestehende Unterbodenverkleidung blieb schon auf den ersten 10.000km peu a peu auf Waldwegen liegen, wonach ich immerhin einen Stahlunterbodenschutz für Motor und Automatikgetriebe nachrüstete.

Vor allem ist das straßenoptimierte Fahrwerk des schweren Fahrzeugs für einen mehr als wirklich nur ganz gelegentlichen Einsatz jenseits glatter Asphaltspisten offensichtlich zu kurzlebig ausgelegt. Was sich bei meinen Fahrleistungen von ca. 25.000km/ Jahr und hiervon vermutlich gerade mal  1% auf Wald-/ Forstwegen mit im Mittel ein- bis zweimal jährlichen Werkstattaufenthalten allein wegen ausgeschlagener oder sonst verschlissener Fahrwerkkomponenten in Erinnerung bringt.

BMW X5 im Jagdeinsatz. Fotos: JG

Werkstatt- und Ersatzteilpreise des X5 bewegen sich dabei auf gediegenem Niveau. Abschreckendes Beispiel: Das Spiegelglas des X5, elektrisch beheiz- und abblendbar an beiden Außenspiegel kostet bei BMW nach Liste fast 1.000€. Wohlgemerkt ohne Spiegelgehäuse und somit nur die reine Spiegelscherbe für nur eine Seite. Ein Komplettaustausch Scherbe und Gehäuse mit Mechanik kommt auf einen demgegenüber schon fast Rabattpreis von etwas über 2.000€ laut BMW-Preisliste für Material inkl. Lohn, natürlich wieder pro Seite.

Vom Fahrwerk abgesehen gab es natürlich auch andere, teils empfindlich teure Reparaturen immer wieder mal, u.a. Automatikgetriebe bei ca. 75.000km, gefolgt von Turoblader bei ca. 120.000km, gefolgt von Ausfall Kraftstoffförderpumpe, gefolgt von Defekt Achse vorn rechts, gefolgt von gerissener Turbolader-Ansaug- oder Ladeluftbrücke, gefolgt von defekter Lichtmaschine, gefolgt von defektem Innenraum-Hauptgebläse und mittlerweile fast jährlich Defekten bei den Türschlossmechanismen, die mit jeweils ca. 300€ im Teiletausch (freie Werkstatt, nicht BMW) zu beheben sind und die sich bevorzugt  bei Frostgraden einstellen, gefolgt von gebrochener Schiebedachkassette mit der in der Folge massiven Wassereinbruchs ins Fahrzeug-Innere…

BMW-Ersatzteilpreise?

Zum Kopfschütteln! Fotos: JG

Zweifellos alles Reparaturen, die bei der Laufleistung schon mal anfallen können. Sie gehen hier aber wegen der für dieses Modell hohen Ersatzteilpreise und leider oft auch konstruktionsbedingt ausufernden Werkstattzeiten richtig ins Geld und auf die Nerven. Weshalb sich bei nun knapp 265.000 km nun endgültig unsere Wege trennen, obwohl Motor, Innenraum und – von einigen Blessuren abgesehen – auch  Karosse noch erstaunlich frisch geblieben sind und locker für weitere 100.000km gut sein würden.

Rein damit: Fahrkomfort und Ladekapazität überzeugen auch kritische Hunde. Foto: JG

Für den Einsatz als auch nur regelmäßig-gelegentliches Jagdfahrzeug ist der X5 nach meinem Erleben somit nur mit hohem Kosten- und Reparaturaufwand mit dementsprechenden Werkstatt- und Ausfallzeiten am Laufen zu halten und damit vollkommen ungeeignet. JG

Text und Fotos: JG

Die Red. dankt JAWINA-Leser JG für diesen Bericht!

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