Die Rettung der Welt in fünf Schritten – was Sie dafür tun können.

Ein Gastbeitrag von JAWINA-Leser JS, inspiriert durch Besuche einschlägiger Foren

1. Stellen Sie ihr Konsumverhalten um, werden Sie Veganer!

Wenn alle Menschen Veganer werden, gibt es kein Tierleid mehr und die Weltbevölkerung lässt sich viel einfacher und ohne Klimaschädigung ernähren! Das erzählen zumindest die Veganer. Die Tiere, die bei der landwirtschaftlichen Bodenbearbeitung verstümmelt oder getötet werden, lassen Sie besser unter den Tisch fallen. Solche Kollateralschäden müssen bei der Rettung der Welt in Kauf genommen werden.

Ganz wichtig! Erzählen Sie jedem – gefragt oder ungefragt – von Ihrer veganen Lebensweise! Nur so tritt die einzig vertretbare Lebensweise ins Bewusstsein der übrigen Bevölkerung. Wenn man Sie nach Mangelerscheinungen fragt, tun Sie das als Falschinformation der Fleischerzeugerlobby ab! Wenn Ihr Gegenüber das Gespräch abbricht oder den Blick senkt, wenn Sie auf Veganismus zu sprechen kommen, ist dies ein Zeichen des schlechten Gewissens. Sie sind auf dem richtigen Weg!

Vergessen Sie nicht, einen Vorrat Nahrungsergänzungsmittel mit in den Urlaub zu nehmen. Diese sind im Ausland häufig nicht so leicht verfügbar, wie im Szenebezirk Ihrer Großstadt.

2. Suchen Sie Mitstreiter!

Alleine lässt sich die Welt nicht retten. Nur gemeinsam können die notwendigen Weichenstellungen eingeleitet werden.

Mitstreiter finden Sie im Internet in den einschlägigen Foren. Erzählen Sie sich gegenseitig davon, wie naturverträglich Sie leben und wie böse die übrige Welt um Sie herum ist. Geben Sie sich gegenseitig Tipps, wie Sie ihre Lebensweise noch verbessern können. Verbünden Sie sich gegen ihre Widersacher und die allmächtigen Lobbyorganisationen, die sich die Zerstörung der Welt zum Ziel gesetzt haben. Bestätigen Sie sich gegenseitig in Ihren Auffassungen. Keine Sorge, seien Sie ruhig ganz offen dabei! In diese Foren wird sich niemand verirren, der Ihre Auffassungen nicht teilt.

Sie werden nach einiger Zeit feststellen, dass Sie nun wirklich der einzig vertretbaren und die Welt wirklich rettenden Lebensweise nachgehen. Alle ihre neuen Freunde bestätigen Ihnen das sogar täglich!

3. Legen Sie sich Argumentationsstrategien zurecht!

Die Welt ist kompliziert. Zu kompliziert, um für jedes Sachargument die passende Antwort bereit zu haben. Halten Sie sich mit so etwas nicht unnötig auf! Durch geschickt eingebrachte Diskussionsbeiträge werden Sie ihre Diskussionspartner sprachlos machen! Ein „Wenn Sie Fleisch essen, dann verschwindet auch der letzte Regenwald!“ oder „Durch die moderne Landwirtschaft gibt es jährlich 2,5 Millionen vorzeitige Todesfälle in der EU!“, und Sie haben in jeder Diskussion die Nase vorne. Zwar können Sie diese Aussagen nicht belegen oder wissenschaftlich begründen, aber darauf kommt es nicht an! Ihr Gegenüber kann Ihnen nicht sofort das Gegenteil nachweisen, darum geht es! Je abstruser Ihre Behauptungen, desto einfacher bringen Sie Ihren Gegenüber zum Schweigen. Kontern Sie jedes Sachargument damit, dass dies Behauptungen irgendeiner Lobby sind, egal wie stark das wissenschaftliche Fundament ist oder wie sachkundig der Vertreter ist! So sind Sie argumentativ auf der Gewinnerseite!

Wenn Ihr Diskussionspartner plötzlich behauptet, dass durch die Umstellung auf vegane Ernährung und auf ökologische Landwirtschaft wahrscheinlich 2 Milliarden Menschen verhungern und wenigstens 500.000 Arten aussterben werden, verlassen Sie wegen eines dringenden Termins die Runde. Auf diesem Niveau kann man schließlich unmöglich diskutieren!

4. Mischen Sie sich ein!

Sie haben sich gut vorbereitet, um zur Rettung der Welt in die Offensive zu gehen. Beginnen Sie im Internet, dem modernsten und leistungsfähigsten Medium!

Schmuggeln Sie sich beispielsweise in ein Diskussionsforum ein, in dem sich Tierhalter über die Verbesserung von Haltungsbedingungen austauschen. Mit einem an der richtigen Stelle eingebrachten „Artgerecht ist nur die Freiheit!“ ist Ihnen nicht nur die Aufmerksamkeit aller gewiss, man wird Sie auch sofort als kompetenten Ansprechpartner bei Tierhaltungsfragen anerkennen. Oder besuchen Sie ein Forum, in dem aktive Artenschützer über das Für und das Wider und die Methoden und Wege von Prädatorenmanagement zum Erhalt seltener Arten diskutieren. Mit „Die Natur regelt alles von alleine!“ weisen Sie sich als Fachmann für die komplizierten Mechanismen in der Kulturlandschaft aus. Sie werden ein gefragter Gesprächspartner werden. Ohne Sie würden sich die Diskussionen nur um lästige Detailfragen drehen. Die wirklichen Schwerpunkte setzen jetzt Sie!

Vergessen Sie trotz der anstrengenden und zeitaufwändigen Diskussion nicht, Ihre Katze rechtzeitig zu füttern.

5. Nehmen Sie den Kampf in der Öffentlichkeit auf!

Die Zeit ist nun gekommen, an vorderster Front für Tier- und Artenschutz zu kämpfen. Warten Sie auf den Beginn der Grillsaison. Suchen Sie sich einen noch handwerklich arbeitenden Fleischer in einer Kleinstadt aus. Nur hier treffen Sie die wahren Täter! Nichts wird durch anonyme Plastikverpackungen geschönt, hier kann man wirklich noch das blutige Handwerk, Tod und die Ausbeutung von Tieren erleben! Gerade bei der Verarbeitung von Tieren aus Biohaltung ist die Heimtücke besonders groß, da sich diese Tiere nie als Opfer des carnivor-handwerklichen Komplexes gesehen haben!

Stürmen Sie an einem Freitag-Nachmittag – spärlich bekleidet und mit veganem Ketchup besudelt – in den Verkaufsraum. Klären Sie die auf die Leichenteile (vulgo „Grillsteaks“) wartenden Kunden über die Herkunft ihres Essens und die Folgen für die Welt auf. Beschimpfen Sie den Fleischermeister als gedungenen Mörder und sein Angestellten als Mittäter! Machen Sie mit ihrem veganen Smartphone Bilder und posten Sie diese in Ihrer Facebookgruppe. Sie werden dort zum Helden, ach was, zum Märtyrer! Ihr Kampf ist so gut wie gewonnen, die Fleischfreunde bekehrt und die Welt gerettet! Rollen Sie sich gut ab, wenn die Grillfreunde Sie im hohen Bogen aus dem Laden auf die Straße werfen!

Beitragsbild: Kampfplatz Fleischtheke. Foto: SE

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