„Die Natur ist eine Kulturlandschaft in der es Regeln gibt“

Am 9. Mai kommt der Dokumentarfilm „Auf der Jagd – Wem gehört die Natur?“ bundesweit in die Kinos. Im Gespräch mit dem DJV verrät Regisseurin Alice Agneskirchner, warum sich der Film sowohl für Jäger, als auch für Zuschauer ohne Jagdschein lohnt.

Alice Agneskirchner ist keine Jägerin. Trotzdem hat sie einen Film über die Jagd gedreht, der diese Woche in über 160 Kinos in Deutschland anläuft. Der Deutsche Jagdverband (DJV) hat mit ihr kurz vor Kinostart über ihren neuen Film „Auf der Jagd – Wem gehört die Natur“ gesprochen.

DJV: Frau Agneskirchner, wie kam es zu der Idee einen Film über die Jagd zu machen?

Agneskirchner: Als Dokumentaristin bin ich Chronistin unserer Gesellschaft und unserer Zeit. Ich war neugierig, wie die Jagd in einem Land, in dem ein hoher Wildbestand vorhanden ist, geregelt wird. Wie leben wir mit dem Wild, was es da draußen gibt?

Was haben Sie dabei über Jagd und Jäger gelernt?

Vielen von uns, die keinen Jagdschein haben, ist gar nicht klar, wieviele Interessensgruppen in der Natur unterwegs sind. Die Natur ist eine Kulturlandschaft, in der es Regeln gibt. Wildtiere fressen, vermehren sich und stören Menschen, die ein Nutzungsinteresse an der Natur haben. Hier stehen landwirtschaftliche und forstwirtschaftliche Interessen vor jedem Wildtier. Die Mehrheit der Menschen macht sich darüber keine Gedanken. Ich wollte zeigen, dass man genauer hingucken muss. In diesem Zusammenhang sehe ich die Jägerinnen und Jäger. Sie haben eine Funktion in der Natur und Freude daran, draußen zu sein. Dies ist manchmal schwer zu vermitteln, weil die Jagd mit einem Tötungsvorgang zu tun hat.

Wie haben Bekannte und Freunde darauf reagiert, dass sie sich in ihrem Film der Jagd widmen?

Mit viel Skepsis: ‚Was willst du denn bei den Jägern, ist das wirklich nötig? Und wie kann man sich mit jemandem beschäftigen, der tötet?‘ Ich finde aber, wenn man Schnitzel isst, kann man auch nachsehen, wo es herkommt.

Warum sollten Jäger sich Ihren Film anschauen?

Warum schauen wir uns gerne Liebesfilme an? Weil wir gerne verliebt sind. Genauso ist es mit diesem Film. Wir waren nah an den Tieren dran, es sind Naturaufnahmen entstanden, die sich jeder Jäger, Förster oder Landwirt gerne ansieht.

Und was nimmt der nicht-jagende Zuschauer mit?

Die Nicht-Jäger verstehen oft nicht, was die Jäger machen, der Film zeigt es. Die öffentliche Haltung ist auch, dass Jäger mit niemandem reden wollen. Meist stimmt das auch, Jäger reden nicht so gern. Aber in diesem Film tun sie es. Wir alle – alle gesellschaftlichen Gruppen – teilen eine Lebenswelt, wir müssen also gemeinsam darüber nachdenken wie wir mit ihr umgehen. Der Film ist ohne lobbyistische Interessen entstanden, keiner hat mir gesagt, wie ich drehen soll. Er bringt alle Meinungen zusammen und stößt so einen Diskurs an. PM

Beitragsbild: Regisseurin Alice Agneskirchner mit Kameramann Johannes Imdahl. Quelle: BROADVIEW Pictures

Ein Gedanke zu „„Die Natur ist eine Kulturlandschaft in der es Regeln gibt“

  1. Gottfried Schnurr

    Ich habe mir den Film am 10.05.18 in einem Berliner Kleinkino angeschaut. Die Reaktionen der etwa 20 Zuschauer aus allen Altersgruppen in einem Kinosaal mit 100 Plätzen, war durchweg beeindruckt bis begeistert. Daß ich für das Anschauen des Films eine Stunde Anfahrtsweg in Kauf nehmen musste ist vor Allem der Tatsache geschuldet, daß dieser Film bisher leider nicht in den vor der Haustüre gelegenen „Blockbusterkinos“ lief.

    Die Handlung des Films „Auf der Jagd – Wem gehört die Natur?“, ist eine möglichst umfassende Darstellung der Jagd und stellt vor Allem die handelnden Personengruppen und das Schalenwild sowie den Wolf in den Mittelpunkt. Solvente Waldbesitzer, einen Berufsjäger, mehrere Privatjäger und besonders „linientreue“ Förster werden sowohl in den Bayrischen Alpen, in deutschen Privatrevieren und in Brandenburgs Landes-Forsten dargestellt. Dazwischen kommen bayrische Naturschützer vom Landesforst und eine nebenamtliche Wolfsbeauftragte aus Brandenburg zu Wort. Eine Gruppe jagender Indianerfrauen, die Algonkin-Sprachen sprechen und im Bereich der amerikanischen Great Lakes leben und jagen, stellen in Wort und Bild eine erfrischend einfache und damit logische Lebensweise im Konsens mit einer völlig selbstverständlichen Jagd zur Fleischversorgung gekonnt dar.

    Die relativ aktuelle, fast wertungsfreie Darstellung der Wolfspopulation in Deutschland, der ganzjährige amtlich angeordnete Abschuß von Gemsen auf bayerischen Schutzwald-Bergflächen und die Arbeit von staatlichen Verbissgutachtern kontrastiert relativ wertend und um Neutralität bemüht, mit den dazu geäußerten Sichtweisen eines bayrischen Berufsjägers, mehrerer Privatjäger und Privatwaldbesitzern. Der Film zieht gemäß eines FAZ-Zitats vom 09.05.2018, „seine Spannung wirklich nicht aus dramatisierten Konflikten, sondern aus der Tatsache, dass er seine Geschichten auf der Folie einer vermessenen und verwalteten Landschaft und zusammen mit der industriellen Landwirtschaft erzählt, in der kein Platz für Unmittelbarkeit ist“.

    Alice Agneskirchners spannendes Debüt „Auf der Jagd – Wem gehört die Natur?“ ist ein faszinierender, sehr aktueller Dokumentarfilm, der VIEL Aufmerksamkeit verdient, sowohl von Jägern als auch vor Allem von Nichtjägern !

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