Die ASP rückt näher

In den von der Afrikanischen Schweinepest (ASP) betroffenen Ländern breitet sich die Tierseuche weiter aus. Im vom Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) in Zusammenarbeit mit dem Friedrich-Loeffler Institut (FLI) erstellten Radar Bulletin, in dem Informationen zur Ausbreitung der bedeutendsten Tierseuchen zusammengefasst sind, werden in der Ausgabe Dezember 2017/Januar 2018 zahlreiche Neuinfektionen bei Haus- und Wildschweinen gemeldet. Besonders beunruhigend: Neue Infektionsherde bei Wildschweinen sind in Polen in nur noch knapp 400 km Entfernung von der deutschen Grenze aufgetaucht, in Tschechien sind es nur 300 km.

Zur Situation bei Haus- und Wildschweinen heißt es im Radar Bulletin 12/2017 – 1/2018:

„Seit dem letzten Radar Bulletin vom November 2017 meldeten die Ukraine, Polen, Rumänien und Moldawien insgesamt 20 ASP-Ausbrüche bei Hausschweinen. Aus den Baltischen Staaten, Tschechien, Polen, der Ukraine und Moldawien wurden 1.135 ASP-Fälle bei Wildschweinen mit insgesamt 2.192 betroffenen Tieren gemeldet. In Polen ist ein neuer Infektionsherd entstanden, der Verbindung zu einem Geschehen im Westen des Oblasts Kaliningrad der Russischen Föderation haben könnte.

Situation bei Hausschweinen

Im Dezember 2017 und Januar 2018 wurden aus der Ukraine 13 ASP-Neuinfektionen in Hausschweinebetrieben gemeldet. Dabei handelte es sich meist um Kleinbetriebe zwischen 2 und 127 Tieren.

Polen meldete im Januar 2018 drei Ausbrüche in kleineren Betrieben, welche sich in reglementierten Gebieten (Durchführungsbeschluss der EU 2014/709) befanden.
In Rumänien wurde im Januar 2018 ASP in Satu-Mare, 7 km von der Grenze zur Ukraine entfernt, in zwei Kleinbetrieben (34 bzw. 4 Tiere) festgestellt. Beide Betriebe lagen in 600 m Entfernung voneinander. Aufgrund der beiden Ausbrüche hat Ungarn eine Überwachungszone an der Grenze zu Rumänien eingerichtet, in der aktuell eine Bestandsaufnahme und Untersuchung aller Schweinebestände stattfindet.
Auch Moldova meldete im Dezember 2017 zwei ASP-Fälle in zwei Kleinstbetrieben mit 5 und 15 Schweinen.

Situation bei Wildschweinen

Die Anzahl der ASP-Meldungen in ADNS bei Wildschweinen stieg von 316 im Oktober 2017 und 601 im November 2017 im Verlauf des Dezembers 2017 auf 636 (1.163 Individuen). Im Januar 2018 lag die Anzahl der Meldungen am 23. Januar 2018 bei 496 (1.026 Individuen).
In Polen wurde ASP am 16. Januar 2018 bei jeweils drei tot aufgefundenen Wildschweinen in den Gemeinden Braniewski bzw. Bartoszycki in einem bislang noch nicht betroffenen Gebiet unmittelbar südlich der Grenze zum Oblast Kaliningrad der Russischen Föderation bestätigt.

Aus Tschechien wurden im Dezember 2017/Januar 2018 insgesamt 31 ASP-Fälle gemeldet. Am 18. Dezember 2017 wurden erstmals ASP-positive Wildschweine außerhalb des 58 m² grossen Kerngebiets in der Region Zlín gefunden. Insgesamt befanden sich 7 Tiere 1,7 km (6 Fälle) bzw. 3,2 km (ein Fall) südlich der Einzäunung. Diese Befunde stammen somit noch aus dem gemäss Durchführungsbeschluss (EU) 2014/709 gefährdeten Bezirk. In der Pufferzone wurden bislang keine ASP-infizierten Wildschweine gefunden.

Im Berichtszeitraum wurden zudem folgende Meldungen (in Klammern die Anzahl betroffener Wildschweine) an ADNS übermittelt (Stand: 23.01.2018): aus Litauen 420 (993); Lettland 168 (253); Estland 74 (93); Polen 417 (784); Ukraine 22. Auch Moldawien gab am 8.12.2017 den Fund von 3 ASP-positiven Wildschweinen bekannt.“

Die Situation kommentiert das Radar Bulletin wie folgt:

„Das ASP-Geschehen in der Wildschweinpopulation in der Region um Warschau (Polen) betrifft mittlerweile mindestens vier Landkreise. Zudem scheint sich im Grenzgebiet zwischen Polen und dem Oblast Kaliningrad ein neuer Infektionsherd in der Wildschweinpopulation etabliert zu haben, der nur knapp 400 km von der deutschen Grenze (Mecklenburg-Vorpommern) entfernt ist.

Die sieben neuen ASP-Fälle wenige Kilometer außerhalb der Kernzone in der Region Zlín (Tschechien), knapp 300 km von Deutschland (Bayern und Sachsen) entfernt, werfen die Frage auf, ob sich die Infektion jetzt auch außerhalb des bislang betroffenen Gebiets ausbreiten wird. Die intensive Bejagung, bei der zeitweise auch die Polizei mit einbezogen war, wurde mittlerweile eingestellt.

In einem Bericht der DEFRA zur ASP-Situation in Osteuropa wird angenommen, dass die Ursache der zu beobachtenden gebietlichen Ausbreitung in der Wildschweinpopulation in der illegalen Verfütterung von kontaminiertem Schweinefleisch begründet ist. Zudem gäbe es zunehmend Hinweise auf seropositive Wildschweine, was vermuten lässt, dass die Tiere die Infektion länger überleben und damit als Reservoir fungieren können. Gemäss FAO (2017) könnten auch die Jagdaktivitäten zu einer Verbreitung der ASP beitragen.

Ein Ausbruch von ASP in Deutschland hätte verheerende Folgen für Tiergesundheit und Handel. Das ASP-Virus kursiert in mindestens sechs EU-Staaten und ist sehr lange in der Umwelt haltbar, vor allem in Blut, Fleischprodukten und Kadavern von infizierten Haus- und Wildschweinen.
Es wird deshalb eindringlich vor dem Verbringen von Schweine- oder Wildschweinefleisch bzw. Fleischerzeugnissen (Schinken, Salami, usw.) aus den betroffenen Ländern gewarnt, da von Produkten, die vermehrungsfähiges ASP-Virus enthalten, eine hohe Ansteckungsgefahr ausgeht. Auch das Eintragsrisiko durch Jagdtourismus darf nicht unterschätzt werden. Werden Jagdreisen nach Tschechien, Polen, Estland, Lettland, Litauen, Moldawien, Weißrussland, Ukraine und Russland unternommen, müssen potentiell kontaminiertes Schuhwerk, Kleidung, Gerätschaften, Fahrzeuge sowie Trophäen vor der Rückkehr sorgfältig gereinigt und desinfiziert werden.

Tot aufgefundene Wildschweine sollten an die zuständige Veterinärbehörde oder über das Tierfund-Kataster (https://www.tierfund-kataster.de/favicon.ico) gemeldet werden.
Insbesondere Jäger werden aufgefordert, ein vermehrtes Auftreten von totem Schwarzwild der zuständigen Behörde zu melden und Proben (v. a. Blut, Lymphknoten, Milz, Lunge) amtlich untersuchen zu lassen. Eine vereinfachte Probennahme wird im Merkblatt „Früherkennung der Afrikanischen Schweinepest bei Wildschweinen“ beschrieben. Sie ist im Einzelfall mit der zuständigen Behörde abzustimmen.“

Beitragsbild: ASP Neuinfektionen Dezember 2017 bis Januar 2018. Quelle: Radar Bulletin, hrsg. v. Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV)

2 Gedanken zu „Die ASP rückt näher

  1. Heinz Bökamp

    Bisher völlig ausgeblendet wird bei Verbreitung der ASP die Rolle der NATO-Truppen bei Manövern im Baltikum vor den Toren Russlands. Nahrung, Panzer, Fahrzeuge, Truppen und Gerät werden im Gelände bewegt in dem auch infizierte Wildschweinem vorkommen. Der gesamte ASP Verbreitungsweg, ausgehend von Georgien über Russland,
    dem Baltikum bis Polen und Tschechien -so stellte ein Virologe fest- steht stets mit Armeestandorten in Verbindung. Diese Manöver scheinen -neben der möglichen Verbreitung durch kontaminierte Wanderwölfe- die Hauptursache der Verbreitung zu sein. Immerhin steht der Sprung der ASP von über 600 km -aus dem Baltikum bis nach Tschechien- verdachtsweise mit dem Austausch von Mitärtruppen im Zusammenhang. Da auch Deutsche an diesen Manövern beteiligt sind, wäre wäre es vordringlich beim sporadischen Truppenaustausch sämtliches Gerät zu desinfizieren und Nahrungsreste zu entsorgen. Am besten solltren diese Manöver insgesamt eingestellt werden.
    Einseitig nur Jäger, Jagdtouristen oder Fernfahrer in die Pflicht zu nehmen, dürfte der Problematik nicht gerecht werden.

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  2. J. Körner

    Ich denke auch, daß nicht das Schwarzwild — wie es in der Presse dem Bürger vermittelt wird — der Verursacher ist, sondern im Gegenteil Leidtragende sind. Für die Verbreitung der Krankheit sind andere Wege ursächlich.
    In Dänemark besteht seit Jahrzehnten die Reinigungs- und Desinfektionspflicht aller mit Tiertransporten betroffener Fahrzeuge. Der Rest der EU hat so etwas nach meinen Informationen nicht.
    Auch sind die Stallanlagen in Deutschland für jedermann frei zugänglich, ein zu durchfahrendes Desinfektionsbad wie zu Zeiten der LPG-Tierproduktion findet man nirgends (mehr). Hygienemaßnahmen existieren lediglich als Empfehlung, nicht aber als Vorschrift…
    So können dann LKW mit Futtermitteln, Tiertransporter und sonstige Fahrzeuge ohne Desinfektionsmaßnahmen sich auf den Hofflächen frei bewegen. Lohnunternehmer — Stichwort Gülleausbringung —, die etliche Betriebe anfahren, können auch zur Verbreitung von Krankheiten beitragen.
    Wenn Bauernverbände mit völlig abstrusen Forderungen an die Jägerschaft in der örtlichen und überregionalen Presse herantreten reicht es dann! Die sollen ihre Hausaufgaben (s.o.) machen und Druck auf die EU und Länderregierungen ausüben damit endlich sinnvolle Maßnahmen ergriffen werden.

    Ich als Jäger bin nicht für die ASP und deren Verbreitung verantwortlich!

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