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Der nächste Wolfs-Fake

Update 22.02.: Walsroder Förster genervt, weil ihm Wolfsvideo zugeschrieben wird

Das unten beschriebene Wolfs-Fake ist mittlerweile in einer präzisierten Version unterwegs: Demnach soll das Video von einem Förster aus der Gegend von Walsrode stammen. JAWINA hat den Mann angerufen: Er ist schwer genervt, weil seit gestern sein Telefon „hundert Mal“, geklingelt habe, sein E-Mail-Posteingang überquillt und das Fax-Gerät heißläuft. „Ja, guten Tag, ich bin auch Jäger, mein Beileid, nun erzählen Sie doch mal – so geht das schon den ganzen Tag!“, stöhnt der Förster. Dabei sähe doch jeder auf den ersten Blick, dass das Video nie und nimmer in der Lüneburger Heide aufgenommen worden sein könne… Er habe das Video wie so viele andere über Whatsapp erhalten und an ein paar befreundete Jäger weitergeleitet – was man sich aber offenbar auch schon gut überlegen müsse… Wohl wahr. SE

Am Wochenende kursierte eine weitere Falschmeldung über Wölfe in Deutschland, nachdem sich die Aufregung über in den Sozialmedien verbreitete Berichte, derzufolge Wölfe einen Jäger in Polen getötet haben sollten (JAWINA berichtete), gerade gelegt hatte. Der neuen Fake-Meldung war ein Video beigefügt, dass von Videokamera (einer sogenannten Action-Cam) aufgenommen wurde, die an der Halsung eines Stöberhunds befestigt war. Das offensichtlich bearbeitete Video (Zeitlupensequenz) zeigte einen Wolfsangriff auf mindestens einen weiteren Hund. Dem Begleittext zufolge soll das Video auf einer Drückjagd im Postleitzahlbereich 29664 aufgenommen worden, es habe sich um eine „Treibjagd“ mit fünf Hunden gehandelt, von denen vier infolge von Angriffen durch Wölfe getötet worden sein sollten. Massive Zweifel waren von Anfang an angebracht: 29664 steht für die niedersächsische Stadt Walsrode in der Lüneburger Heide. Weder die auf dem Video zu sehende Mittelgebirgslage, noch die Wetterbedingungen passten zur angeblichen geografischen Lage, von dem Vorfall hätte man bestimmt auch auf andere Weise gehört, überdies erschien es fraglich, ob Mitte Februar in der Lüneburger Heide noch „Treibjagden“ stattfanden. Ausrüstung der Hunde, Vegetation und Wetter scheinen weit eher nach Skandinavien zu passen.

Und so ist es dann auch: JAWINA-Leser und -Kommentator Anko hat sich die Mühe gemacht, im Netz nach dem (durchaus sehenswerten) Video zu forschen. Mit Erfolg: Im Zuge seiner kongenialen investigativen Recherchetätigkeit stieß Anko (nochmal vielen Dank dafür!) auf die (oder zumindest eine) Quelle für das Video. Es ist bereits im Januar 2015 auf der schwedischen Internetseite Bearplay.de veröffentlicht worden und zeigt einen Vorfall, der sich auf einer Fuchsjagd südlich von Mora abgespielt hat. Wegen des Winds und viel Neuschnee habe Jäger Rasmus Boström nicht sehen können, dass sich Wölfe im Jagdgebiet befänden. Einer seiner Plotthounds ist von dem Wolf angegriffen und verletzt worden, der zweite Hund kam hinzu und wurde ebenfalls attackiert, brachte den Wolf aber wohl letztlich dazu, von dem am Boden liegenden Hund abzulassen.

Fazit: Wolfsfakes zu ersinnen und zu verbreiten scheint eine zunehmend beliebte Freizeitbeschäftigung zu sein, man kann daher nur empfehlen, gegenüber entsprechenden Sensationsmeldungen ein gesundes Misstrauen an den Tag zu legen und (wie oben demonstriert) ein paar Plausibiltätsüberprüfungen und -überlegungen anzustellen. SE

 

5 Gedanken zu „Der nächste Wolfs-Fake

  1. Ju bo

    Jedes Fake Video bring die Jagd in Missgunst das sollten sich die Kollegen mal hinter die Löffel schreiben es ist eh schon viel kaputt mit der ewigen Wolfsjagd . Es ist verboten und aus basta da gibts auch nichts zu jammernbzw Fakten zu fälschen .

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  2. Grimbart

    Wenn solche Meldungen von Jägern in die Welt gesetzt werden machen wir uns unglaubwürdig. Wer drei mal lügt, dem glaubt man nicht.

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    1. Anko

      Tja, da kann man sich dann mal Gedanken machen über die Motive derjenigen, die sich Fakes wie diesen hier ausdenken. Man könnte auf die Idee kommen, dass es diesen Leuten um genau solche Glaubwürdigkeitsschädigung zum Thema Wolf geht.

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      1. Grimbart

        Möglich. Aber denkbar ist auch, dass es Leute gibt, die extrem negativ gegen den Wolf eingestellt sind und die Diskussion so befeuern wollen, aber nicht raffen, dass ihr Handeln vollkommen kontraproduktiv ist. Das gilt z.B. auch für die verbreitete Meldung über einen Todesfall in Polen oder die Geschichte mit der angeblichen Notwehrsituation in der Heide. Die Geschichte kam definitiv von einem Jäger.

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