Wissenschaft

Früheste Darstellungen von (Jagd)Hunden entdeckt

Forscher vom Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte haben in der Wüste Saudi-Arabiens die bislang ältesten Darstellungen von Menschen und Hunden entdeckt – und es sind Jagdszenen, die bei Jubbah und Shuwaymis in den Fels geritzt wurden. Die Felsenkunst in der arabischen Ha’il-Region ist Bestandteil des UNESCO-Weltkulturerbes. Die Darstellungen sind nach Schätzungen zirka 8000 bis 9000 Jahre alt und entstanden somit, bevor der Mensch Ackerbau und Viehzucht betrieb und sesshaft wurde, wie Maria Guagnina, Angela R.Perrib, Michael D.Petragliaa in der Studie „Pre-Neolithic evidence for dog-assisted hunting strategies in Arabia“ schreiben. 147 untersuchte Szenen zeigen Menschen und Hunde in einer Vielzahl von je nach Umweltbedingungen und Topografie unterschiedlichen Jagdszenarien. Die Menschen jagen mit Pfeil und Bogen auf Gazellen und Steinböcke, unterstützt von Hunden. Erstaunlich sei, dass auf einigen der Felsbilder eindeutig Hunde an Leinen zu erkennen seien. Es sind die ersten Abbildungen von Hunden, die an der Leine geführt werden.

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Länger leben dank Jagdhund

Jagdhunde schützen vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Hunde verlängern das Leben ihrer Besitzer, haben schwedische Wissenschaftler in einer landesweiten Studie herausgefunden. In dem auf nature.com veröffentlichten Fachbeitrag „Dog ownership and the risk of cardiovascular disease and death – a nationwide cohort study“ [Hundebesitz und das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Tod] stellen die Studienautoren fest: Hunde tragen dazu bei, das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei ihren Besitzern zu reduzieren, indem sie psychosoziale Stressfaktoren mildern und einen Anreiz zu täglicher Bewegung liefern. Besonders stark profitierten Singles vom Hundebesitz – möglicherweise, weil sie besonders oft mit ihrem Hund draußen sind und interagieren, mutmaßen die Forscher. Und: Besitzer von Rassehunden profitieren stärker als Halter von Mischlingen, besonders positiv wirkt sich der Besitz von Jagdhunderassen wie Terriern, Retrievern, Schweißhunden und verwandten Rassen aus. SE

Beitragsbild: Lebensverlängernde Maßnahme – Jagdhund. Foto: SE

Die Red. dankt JAWINA-Leser AM für den Hinweis!

„Sehr dünne Datenlage“ – DJV weist NABU-Vorwürfe über illegal getötete Vögel zurück

Nach Angaben des Naturschutzbundes (NABU) werden in Deutschland „bis zu 146.000 Vögel“ illegal getötet. Diese Zahl entbehrt jedoch, wie JAWINA bereits berichtete, jeglicher nachvollziehbarer und belastbarer Grundlage. Dies hat der Deutsche Jagdverband bereits im Vorfeld der Veröffentlichung kritisiert.

Eine kürzlich veröffentlichte Studie der Vogelschutzorganisation BirdLife International geht von 146.000 illegal getöteten Vögeln in Deutschland pro Jahr aus. Als nationaler Partner von BirdlLife hatte der NABU den Datensatz für Deutschland erarbeitet. Hauptgrund der Tötung: illegale Jagd. Daraus abgeleitet fordert der NABU ein verbessertes staatliches Monitoring illegaler Verfolgung und die Einrichtung von auf Artenschutzkriminalität spezialisierten Anlaufstellen für Polizei, Staatsanwaltschaften und Gerichte.

Zu der Entwurffassung hatte der DJV bereits im Frühjahr des Jahres über seine europäische Organisation FACE kritisch Stellung bezogen und insbesondere die spärliche Datengrundlage aus Deutschland bemängelt: sie sei einerseits nur schwer nachvollziehbar, andererseits beruhe sie im Wesentlichen auf Einschätzungen bzw. Hochrechnungen von Einzelfällen. Damit seien die Angaben höchst spekulativ und unseriös.

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Studie soll Insektensterben bestätigen

Die im Online-Wissenschaftsjournal veröffentlichte Studie „More than 75 percent decline over 27 years in total flying insect biomass in protected Areas“ soll bestätigen, dass das Insektensterben „nicht die Erfindung einzelner Insektenliebhaber oder Entomologen-Vereine“ ist, wie die FAZ schreibt. Im Juli hatte das Bundesumweltministerium (BMUB) den alarmierenden Befund in einer Antwort auf eine Grünen-Anfrage mitgeteilt, dass der Insektenbestand sich in Deutschland seit 1982 um über 80 Prozent verringert habe. Kurz darauf war Kritik an der Aussage des BMUB laut geworden, da die Zahlen angeblich fast ausschließlich auf den Erhebungen Krefelder Hobby-Insektenkundler beruhten. Nun vermeldet der Nabu, dass Wissenschaftler die These vom Insektensterben bestätigt hätten. Die „erschreckenden Ergebnisse“ beruhten auf wissenschaftlichen Daten, die „zahlreiche ehrenamtliche Entomologen […] zwischen 1989 und 2015 an über 60 Standorten gesammelt“ hätten. Kleines Problem dabei: An der Studie sind die selben Krefelder Hobby-Entomologen maßgeblich beteiligt, deren Ergebnisse durch die Studie „bestätigt“ werden sollen.

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Schmiere, Schleim und Ströme von Maden

Was passiert, wenn drei Tonnen Wildschweine im Wald verrotten

In Anbetracht einer drohenden Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest (ASP nach Deutschland, wird sich der eine oder andere bereits gefragt haben, welche Zustände dann wohl in Wildschwein-Paradiesen (um ein anderes, mit P beginnendes Wort zu vermeiden…) wie zum Beispiel im Berliner Grunewald herrschen. Forscher der A & M University in Texas können darauf eine empirisch angesicherte Antwort geben: Entomologen um Jeff Tomberlin wollten erforschen, wie sich Massensterben von Tieren auf die Umwelt auswirken. Jüngstes Beispiel für ein derartiges Massensterben ist der Tod von 300 Rentieren in Norwegen durch Blitzschlag. Da sich solche Ereignisse jedoch nicht vorhersagen lassen, haben die Forscher in Wäldern der Mississippi State University eins nachgebaut.

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Studie: Wölfe sollen Kausalzusammenhänge besser als Hunde verstehen

Mit einer Reihe seltsamer Experimente wollen Forscherinnen der Veterinärmedizinischen Universität Wien und der Radboud Universität im holländischen Nimwegen sowie des Wolf Science Centers (WSC) in Ernstbrunn herausgefunden haben, dass Wölfe Kausalzusammenhänge besser begreifen als Hunde. Zu diesem Zweck wurde eine Art Kasperletheater an der Einzäunung des Wolfgeheges aufgebaut, in dem die Wissenschaftlerinnen den Tieren verschiedene Darbietungen präsentierten. Dabei ging es darum, dass die Tiere zwischen zwei Objekten wählen mussten: In dem einen befand sich Futter, in dem anderen nicht. Den Tieren wurden aber Hinweise gegeben, in welchem der Objekte sich das Futter befinden könnte. Die Experimentatorin stellte zum Beispiel Augenkontakt zu einem Tier hin und wies dann mit Nicken oder Gesten auf die vielversprechendere Dose hin. Solche kommunikativen Hinweise verstanden Hunde und Wölfe – im WSC werden übrigens Timberwölfe gehalten – etwa gleich gut. Erfolgte der Hinweis nur durch Gesten, versagten Hunde und Wölfe gleichermaßen.

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Niese, wenn du jagen willst

Eine originelle Abstimmungsmethode haben Wildbiologen um Reena H. Walker bei Afrikanischen Wildhunden in Botswana entdeckt: Niesen. Wie die Autoren im Abstract zu der Studie „Sneeze to leave: African wild dogs (Lycaon pictus) use variable quorum thresholds facilitated by sneezes in collective decisions“ schreiben, ist noch immer weitgehend unerforscht, wie in eher despotisch regierten Tiergesellschaften die Entscheidungsfindung funktioniert. Bei den frei lebenden Afrikanischen Wildhunden in Botswana spielt das Niesen eine große Rolle. Wenn ein Tier versucht, die anderen Rudelmitglieder zu einem Jagdausflug zu unternehmen, kann das so oder so ausgehen: Entweder geht es los, oder die Gruppe zieht es vor, doch lieber zu chillen. Das Niesen der Hunde heißt dabei so viel wie: Ich bin dabei. Die Anzahl der Nieser gibt also Aufschluss darüber, ob eine beschlussfähige Mehrheit vorliegt. Tatsächlich lässt anhand der Nieseranzahl am exaktesten voraussagen, ob die Hunde jagen oder nicht.

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Studie: Klimaerwärmung ist Ursache für Rückgang der Braunbären in Europa

Die Klimaerwärmung ist verantwortlich dafür, dass der Bestand der Braunbären in Europa seit dem Ende der letzten Eiszeit dramatisch geschrumpft ist. Steigende Wintertemperaturen während der letzten 12.000 Jahre haben die Fortpflanzungsrate der Braunbären verringert und zu deren Verschwinden beigetragen, berichtet eine internationale Forschergruppe, darunter ein Senckenberg-Wissenschaftler, im Fachblatt „Scientific Reports“. Die Klimaerwärmung hat dem Braunbären zudem indirekt geschadet: größere Flächen wurden für den Ackerbau nutzbar, was den Lebensraum der Tiere zusätzlich verkleinerte. Einen besonders rasanten Rückgang der Braunbären in Europa verzeichnen die Forscher in den letzten 2.000 Jahren.

Am Ende der letzten Eiszeit vor rund 12.000 Jahren war der Braunbär (Ursus arctos) noch überall in Europa anzutreffen. Im Gegensatz zu vielen anderen seiner damaligen Zeitgenossen hat der Braunbär bis heute überlebt. Jedoch gibt es nur noch vereinzelte Populationen, die in en Pyrenäen, Nordskandinavien und Osteuropa leben. Dass das Verschwinden der Braunbären mit dem Menschen und seiner Landnutzung zusammenhängt, ist schon länger bekannt.

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Elche jagen, um Karibus zu schützen?

Ein Team von Wildbiologen von der Universität Alberta in Kanada hat in einem Experiment die Wirksamkeit einer ungewöhnlichen Artenschutz-Taktik unter Beweis gestellt: In dem von Robert Serrouya​, Bruce N. McLellan, Harry van Oort, Garth Mowat, Stan Boutin im Online-Wissenschaftsjournal PeerJ veröffentlichten Aufsatz „Experimental moose reduction lowers wolf density and stops decline of endangered caribou“ geht es um die gefährdete Population von Bergkaribus (Wildren, woodland caribou, Rangifer tarandus) in der kanadischen Provinz British Columbia. Der übliche Ansatz besteht darin, die Wolfspopulation in dem Gebiet zu bekämpfen, da Wölfe, wie andere Studien zeigten, jährlich 10 bis 15 Prozent einer Karibu-Population töten. Doch diese Maßnahmen zeigten jeweils nur einen saisonal und örtlich beschränkten Erfolg, vermutlich weil es gerade in den abgelegenen Regionen im Gebirgsregenwald, in denen das Wildren beheimatet ist, nicht möglich ist, die Wolfspopulation ausreichend stark zu dezimieren. Wolfsmanagement bekämpfe das Symptom, erklärte Studienautor Dr. Robert Serrouya gegenüber der New York Times, „wir haben versucht, die Ursache anzugehen.“

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Sound-Check im Wald

Forschungsprojekt der Carl-Zeiss-Stiftung soll klären, wie sich europäische Wälder im Klang unterscheiden

Mit rund 200.000 Euro unterstützt die Carl-Zeiss-Stiftung für zwei Jahre ein Forschungsprojekt an der Universität Freiburg, das den Klang von Wäldern untersucht. Der Klang eines Waldes setzt sich aus Lauten und Geräuschen zusammen, die biologischen, geophysikalischen und menschlichen Ursprungs sind. So sollen 60 Waldbestände in Europa untersucht werden, die sich vor allem in der Baumdichte, der Baumartenzusammensetzung und in der Zahl der dort lebenden Tierarten unterscheiden. Die Forscher wollen wissen, wie sich Veränderungen oder Störungen in diesen Klanglandschaften durch eine Intensivierung der Landnutzung, durch Klimawandel oder durch Artensterben verändern. Vielleicht, so ThüringenForst-Vorstand Volker Gebhardt, können sich akustische Indikatoren zumindest zur ergänzenden ökologischen Bewertung von Wäldern eignen. Die Landesforstanstalt befürwortet Forschungsansätze, die Wald ganzheitlich in Wert setzen.

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Bundesumweltministerin: „Wolfsjagd hilft nicht gegen Nutztierrisse“

+++ Indien: 15 Menschen getötet – 50 Mann starkes Wildhüter-Team tötet aggressiven Elefanten +++ CDU-Politiker werben für Bündnis mit den Grünen +++

Nachdem Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) sich bereits mit der Forderung nach einer Abschussquote für Wölfe (JAWINA berichtete) hervorgewagt hat, denkt angesichts wachsender Wolfs-Skepsis in der Bevölkerung nun auch der baden-württembergische Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU) über eine Bejagung von Wölfen nach, wie die Schwäbische Zeitung berichtet. Demgegenüber erteilt Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) der Forderung nach einer Bejagung der Wölfe weiterhin eine klare Absage: Im Interview mit NWZonline erklärte sie, die Forderung nach einer Bejagung sei „rechtlich nicht haltbar.“ Zudem helfe „die Jagd nun einmal nicht, Risse bei Nutztieren zu vermeiden“.  Das Ausmaß der Schäden an Nutztieren sei weder von der Größe des Wolfsbestandes noch von der Anzahl der Nutztiere in einem Gebiet abhängig. Entscheidend sei vielmehr, wie gut oder schlecht die Nutztiere geschützt seien. Außerdem kritisierte Hendricks die illegale Tötung des tot aus dem Schluchsee geborgenen Wolfs (JAWINA berichtete): Der illegale Abschuss eines Wolfs sei eine Straftat, […], es gehe nicht, „dass sich Menschen über das Gesetz erheben und damit nach Wild-West-Manier handeln.“

Abgesehen davon, dass es doch zunehmend drollig wirkt, wenn Vertreter einer Bundesregierung, die sich z.B., in der Euro- und Flüchtlingskrise seit Jahren leichthändig über geltendes Recht und geschlossene Verträge hinwegsetzt (und somit durchaus als Vorreiter und Vorbild im Handeln nach Wild-West-Manier gelten kann), an die Rechtstreue der Bevölkerung appelliert, abgesehen auch davon, dass Hendricks‘ Behauptung, dass die Jagd auf Wölfe Nutztierrisse nicht vermeide, klar kontrafaktisch ist – schließlich hat die lokale Ausrottung des Wolfs in Deutschland die Anzahl der Nutztierrisse durch diese Art nachweislich auf null gesenkt – abgesehen davon bleibt die Frage bestehen, warum die Bejagung der Wölfe gegen Nutztierrisse nicht helfen soll.

Die Begründung dafür bleibt Hendricks schuldig, weshalb wir hier eine wissenschaftlich fundierte Begründung nachliefern – und damit zugleich ein schönes Beispiel für die Nutzbarmachung sorgsam selektierter wissenschaftlicher Erkenntnisse im politischen Tagesgeschäft bringen.

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„Stichwort Obergrenze“

Das im Auftrag von WLV und VJE von Prof. Dr. Pfannenstiel erstellte Wolfsgutachten – jetzt zum Download auf JAWINA

Das von Prof. Dr. Hans-Dieter Pfannenstiel im Auftrag des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbands (WLV) und des Verbands der Jagdgenossenschaften und Eigenjagden in Westfalen-Lippe (VJE) erstellte Gutachten „Der Wolf (Canis lupus L. 1758) Stellungnahme zum Umgang mit dieser Tierart in der Kulturlandschaft Deutschlands“ steht nun zum Download auf JAWINA bereit. Die Lektüre dieses fundierten Gutachtens sei hiermit jedem Jäger und jedem Naturinteressierten nachdrücklich ans Herz gelegt.

Aus dem Gutachten (S. 5f.)

„Wenn der Wolf in absehbarer Zeit regulär bejagt werden wird, gebietet es die Rationalität, das in unserem Land langjährig erprobte und in der Mehrheit der Fälle gut funktionierende System zur Regelung der Bejagung zu nutzen und daneben kein weiteres außerhalb des Rechtskreises Jagd aufzubauen. Fachliche Unterstützung der Jagdbehörden bei der Überwachung des Populationszustandes und bei der Festsetzung von Abschussplänen für den Wolf könnten unabhängige Institutionen der Bundesländer bzw. ein Bundesinstitut zusätzlich geben.

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Jagdhundezucht: Weg ins Verderben ?

Ein Gespräch mit Prof. Dr. Jörg T. Epplen, Humangenetiker an der Ruhr-Universität Bochum und Mitglied im wissenschaftlichen Beirat des VDH, über verbrecherische Zuchtstrategien, die Gefahren der Inzucht,  den Einfluss von Genen, Umwelt und Erziehung auf die Leistung von Hunden und „die hohe Kunst des Züchtens“.

JAWINA: Wenn ich als Züchter oder Zuchtverband einer kleinen Spezialhunderasse diese Rasse durch züchterische Methoden und Entscheidungen möglichst stark schädigen wollte – wie müsste ich da vorgehen?

Prof. Dr. Epplen: Puh. Mit Geschwistern züchten und möglichst nur mit einem Geschwisterpaar. Oder Sie könnten es natürlich auch teuer machen und sagen, ich kloniere bzw. kopiere den Hund, der den Prototyp der Rasse darstellt für jeweils 56.000 Dollar. So ist es durchaus möglich, die Rasse zu Grunde zu richten.

JAWINA: Ähnelt das letztere nicht auf fatale Weise der Zuchtstrategie in manchen Vereinen, wo hochprämierte Rüden besonders häufig zum Zuchteinsatz kommen?

Prof. Dr. Epplen: Ja.

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Wolfskacke suchen mit Laura und Maple

Wissenschaft ganz unten bzw. ganz hinten: Das Senckenberg-Institut im hessischen Gelnhausen setzt bei der Suche nach Losungsproben von Wolf, Wildkatze und Luchs im Rahmen von Wildtiermonitoring und Naturschutzforschung auf die Nasenleistung von Spürhunden. Die Verhaltensforscherin Laura Hollerbach schreibt ihre Promotion über „Einsatz von Suchhunden für Wildtierforschung und -Monitoring“. Unverzichtbare Mitarbeiterin ist ihre Labrador-Hündin  Maple, die auf das Finden von Wolfs- und Luchslosung konditioniert wurde. Mit Erfolg: Während menschliche Probanden in einem 176 Quadratkilometer großen Untersuchungsgebiet gerade einmal zehn Proben sammelten, kamen Laura und Maple auf über 50. Mit Hilfe von DNA-Untersuchungen des aufgefunden Materials können einzelne Individuen identifiziert und wieder erkannt werden, was Aussagen über deren genetische Herkunft, Rudelzugehörigkeit oder Wanderbewegungen wie bei den Lausitzwölfen ermöglicht.

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Berlin: Stadtschweine stehen auf Naturkost

Städtische Wildschweine bevorzugen natürliche Nahrung – anders als vermutet kommen Wildschweine nicht nach Berlin, um dort Mülleimer zu plündern oder andere Nahrungsquellen aus menschlicher Herkunft zu nutzen. Im Gegenteil, auch Stadtschweine ernähren sich vorzugsweise von natürlichen Ressourcen. Das ist das überraschende Ergebnis einer Studie des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (IZW), die von National Geographic und der Stiftung Naturschutz Berlin unterstützt wurde. Die ForscherInnen untersuchten Mägen von 247 Wildschweinen aus Berlin und dem Umland. Die Forschungsergebnisse wurden jetzt in der wissenschaftlichen Zeitschrift „PLOS ONE“ veröffentlicht.

Immer mehr Wildtiere leben in Städten, auch in Berlin, das als „Hauptstadt der Wildschweine“ bekannt ist. Aufgeteilt in vier Forstgebiete sind 20 % des Berliner Stadtgebiets von großflächigen Wäldern bedeckt, ideal für Wildtiere aller Art. Allerdings leben Berliner Wildschweine nicht nur in diesen Stadtwäldern, sondern werden auch regelmäßig in innerstädtischen Parks oder Gärten gesichtet und bringen dort sogar Frischlinge auf die Welt.

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„Fakten statt Naturschwärmerei“ – der neue Pfannenstiel

In der Einleitung zu seinem neuen Buch „Heute noch jagen?“ beschreibt Prof. Dr. Hans-Dieter Pfannenstiel die von Wald umgebenen Felder in der Nähe des Bauernhofs im Rhein-Main-Gebiet, wo er aufwuchs: „Beschaulichkeit und Stille dort [wurden] vom allgegenwärtigen Jubilieren der Feldlerchen noch betont. Wiesen waren bunt blühende Teppiche mit darüber schwebenden Wolken von Schmetterlingen und anderen Insekten. Lief man durch eine solche Wiese, stand alle paar Meter ein Hase auf, und an den Feldrändern waren immer wieder Rebhuhnketten zu beobachten. […] Heute ist der weitaus größte Teil dieser Flächen zugebaut, und das Dröhnen der Flugzeugturbinen des nahen Flughafens hat das Jubilieren der Lerchen abgelöst. […] Und da stellt sich dann die Frage, ob man in einer solchen Situation überhaupt noch jagen darf.“

Das ist der Ausgangspunkt. Was Hans-Dieter Pfannenstiel am Beispiel jener Wiesen und Felder beschreibt, ist als Befund ja verallgemeinerbar – sowohl in Hinblick auf die tatsächliche Naturzerstörung, als auch auf die daraus abgeleitete Stimmungslage. Wir alle sind einem unablässigen Bombardement mit ökologischen Hiobsbotschaften ausgesetzt: Artensterben, Klimawandel, Abholzung der Regenwälder, Ozonloch, Versauerung der Weltmeere, Erosion, Überbevölkerung uvm. Viele können in ihrer Umgebung beobachten, wie aller schönen Lippenbekenntnisse zum Trotz, immer mehr Flächen versiegelt werden, immer mehr Natur und Kulturlandschaft für neue Autobahnen, Umgehungsstraßen, Wohn- und Gewerbegebiete verschwinden oder mit Windrädern verspargelt werden. Vor diesem Hintergrund erscheint vielen die Bejagung von Wildtieren als Frevel, als Anachronismus und Atavismus, als zusätzliche und unnötige Gefährdung einer bedrohten Natur – und Forderungen nach Käseglocken-Naturschutz und Jagdverboten oder Jagdbeschränkungen aller Art, vom Kürzen des Katalogs jagdbarer Arten bis zu Jagdruhezonen in Nationalparks, als logische Konsequenz.

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„Sicherung der Biodiversität durch einen angemessenen Umgang mit Rotwild“

TU Dresden und Hegegemeinschaft entwickeln Managementkonzept für Rotwild im Erzgebirge

An der Technischen Universität Dresden läuft ein Projekt, dass sich der „Entwicklung eines integrierten Wildtiermanagementkonzeptes auf wildbiologischer Grundlage am Beispiel der Hegegemeinschaft Erzgebirge“ widmet. Das Forschungsvorhaben wird im Wesentlichen aus Mitteln der Jagdabgabe finanziert, einen großen Beitrag leisten aber auch die zahlreichen ehrenamtlichen Leistungen aller Beteiligten. Am 10. Juni wurde der erste Workshop mit den Mitgliedern der Hegegemeinschaft abgeschlossen.

Mittelfristig soll  zusammen mit der Hegegemeinschaft ein Wildmanagementkonzept erarbeitet werden, welches den Anforderungen der Land- und Forstwirtschaft, des Naturschutzes, des Tierschutzes, des Tourismus und der Jagd gerecht wird und welches in der vorliegenden Konfliktlage zwischen forstlichen, jagdlichen und Artenschutzinteressen eine für alle Beteiligten akzeptable Lösung darstellt.

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Studie: Die erworbene Schläue der Leittiere

Diese wissenschaftlichen Erkenntnisse können viele Jäger bestätigen: Ein Forscherteam der kanadischen University of Alberta hat sich mit dem Lernverhalten weiblichen Rotwilds beschäftigt. Je älter die Tiere werden, desto geschickter weichen sie menschlichen Jägern aus.

In der Verhaltensforschung ist es ein entscheidendes Anliegen, zwischen angeborenem und erworbenem Verhalten zu unterscheiden. In der Studie „Learning from the mistakes of others: How female elk (Cervus elaphus) adjust behaviour with age to avoid hunters“ wollten Henrik Thurfjell, Simone Ciuti und Mark S. Boyce herausfinden, ob unterschiedliche Verhaltensmuster von Rottieren unterschiedlichen Alters eher darauf zurückzuführen sind, dass bei der Bejagung überwiegend unvorsichtige Stücke geschossen werden, so dass die (angeborenerweise) vorsichtigen, misstrauischen Stücke übrig bleiben – also alt werden. Oder ob auch Lernprozesse dazu führen, dass die Tiere im Lauf ihres Lebens immer vorsichtiger werden und besser auf die Bejagung reagieren können. Zu diesem Zweck wurde das Verhalten mit GPS-Sendern ausgestatteter Stücke in einem Jagdgebiet ausgewertet. Ergebnis: Lernprozesse spielen eine entscheidende Rolle und sind verantwortlich dafür, dass Rottiere älter als neun oder zehn Jahre „fast unverwundbar“ durch menschliche Jäger („almost invulnerable to human hunters“) sind. Um das zu erreichen, haben sie ein erstaunliches Repertoire an Verhaltensweisen entwickelt:

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Gebietsfremde Arten: Inseln und Küstenregionen am meisten gefährdet

Erstmals haben Wissenschaftler  globale Hotspots für nicht-einheimische Arten identifiziert. Die meisten gebietsfremden Tier- und Pflanzenarten kommen demnach auf Inseln und in Küstenregionen vor, so das Ergebnis einer großangelegten Studie eines internationalen Teams, an dem auch der Senckenberg-Wissenschaftler Dr. Hanno Seebens beteiligt ist. Weltweiter Spitzenreiter ist Hawaii, in Europa kommen die meisten gebietsfremden Arten in Großbritannien vor. Je stärker eine Region wirtschaftlich entwickelt und besiedelt ist, desto höher ist auch der Anteil gebietsfremder Arten, berichtet das Team aktuell in der Zeitschrift „Nature Ecology and Evolution“.

Das Grauhörnchen in Großbritannien, der Besenginster auf Neuseeland und die Wolfsbandnatter Lycodon capucinus auf den Weihnachtsinseln – alle haben etwas gemeinsam: Sie sind in ihrem jetzigen Lebensraum ursprünglich nicht heimisch. Wie viele andere Tier- und Pflanzenarten ist es ihnen – begünstigt durch menschliches Handeln gelungen – diesen neuen Lebensraum zu besiedeln.

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Minderwertiges Leckerli? Nicht mir mir – ungerechte Behandlung machen Hunde und Wölfe nicht mit

Nicht nur Hunde, sondern auch Wölfe reagieren, ähnlich wie Menschen oder Primaten, auf ungleiche Behandlung. Das bestätigt eine neue Studie von VerhaltensforscherInnen der Vetmeduni Vienna. Im Versuch weigerten sich Wölfe und Hunde mitzuarbeiten, wenn nur der Partner mit einem Leckerli belohnt wurde oder sie selbst ein minderwertigeres bekamen. Da dieses Verhalten bei Wölfen wie bei Hunden gleichwertig ausgeprägt ist, ist diese Sensibilität gegenüber ungleicher Behandlung kein Effekt der Domestikation, wie bislang vermutet, sondern eine vererbte Fähigkeit gemeinsamer Vorfahren. Die Ergebnisse wurden in Current Biology veröffentlicht.

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Mecklenburg-Vorpommern: Wolfsfähen aus Lübtheener Rudel unternehmen erste Exkursionen

In Mecklenburg-Vorpommern wurden mittlerweile vier Wölfe mit einem Peilsender markiert. Im Oktober 2015 gelang es erstmals, den männlichen Wolfswelpen „Arno“ aus dem Rudel in der Lübtheener Heide mit einem GPS-Gerät auszustatten. Dieser wurde ein Jahr später illegal geschossen. Ein Jahr später, im Oktober 2016, wurde den Wolfsfähen „Naya“ und „Emma“ aus dem gleichen Rudel ein Halsband angelegt. Vor kurzem kam ein Rüde „Torben“ in der Ueckermünder Heide hinzu. Im Frühjahr 2017 haben die beiden Schwestern „Naya“ und „Emma“ erste Exkursionen unternommen.

Am Morgen des 13. März bewegte sich „Emma“ erstmals außerhalb des Territoriums des Lübtheener Rudels und durchwanderte den Lebensraum des angrenzenden Kalißer Rudels Richtung Südosten. Am frühen Morgen des 15. März überquerte sie dann bei Lütkenwisch/Jagel die Elbe und erreichte nach kurzem Besuch in Brandenburg die nördlichste Spitze von Sachsen-Anhalt. Von dort aus durchschwamm sie kurz darauf den Elbebogen ein zweites Mal, um wieder in Brandenburg anzulanden. Nach kurzem Aufenthalt westlich von Perleberg kehrte sie am 21. März nach Lübtheen zurück.

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Studie: Wie beeinflussen Freizeitaktivitäten das Verhalten von Auerhühnern?

Freizeitaktivitäten im Wald, seien es Wandern,  Mountainbike-Fahren, Pilze- und Beerensammeln im Sommer oder Skilaufen und Schneeschuhwandern im Winter, nehmen räumlich und zeitlich an Intensität zu und können einen Einfluss auf die im Wald bewohnenden Tiere haben. Welchen Einfluss sie speziell auf das Verhalten von Auerhühnern haben, hat ein Forschungsteam der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) mit Hilfe von Funksendern im Schwarzwald untersucht. Im Mai hatte die FVA bereits eine Studie zu Einfluss von Freizeitaktivitäten auf das Rotwild vermeldet. Im Vordergrund stand bei der Auerhahn-Studie die Frage, wie Auerhühner von Erholungssuchenden beeinflusst werden, die sich auf klaren Linien oder Flächen bewegen, wie beispielsweise auf Wanderwegen, Loipen oder Pisten. Zudem wurde analysiert, wie dieser Einfluss im Verhältnis zu anderen Lebensraumfaktoren steht. Dabei wurde zwischen Sommer und Winter unterschieden.

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Studie der BOKU Wien: Bleifrei bei der Gebirgsjagd

Die Universität für Bodenkultur Wien hat einen Projektbericht über einen im Auftrag der Tiroler Jägerschaft erstellten Praxistest bleifreier Munition veröffentlicht. Die bleifreien Geschosse wurden unter dem besonderen Aspekt der Brauchbarkeit für die jagdlichen Verhältnisse in Tirol mit Hilfe von Abschussberichten bewertet. Das heißt, es ging vor allem um die bei der Gebirgsjagd üblichen größeren Schussdistanzen, und es wurden Kaliber verwendet, die in Tirol populär sind, dem Bericht zufolge sind das die .308 Win., die .243 Win. und die .270 Win. Die Ergebnisse überraschen insofern nicht, als dass mit vielen Geschoss-Kaliber-Kombinationen auf nahe bis mittlere Distanzen brauchbare oder bedingt brauchbare Ergebnisse erzielt wurden. Zu einer Bewertung als „nicht brauchbar“ führte meistens die Kategorie „wenig Schweiß“ – ein bekanntes Problem bleifreier Geschosse. Auch nicht erstaunlich: Bei Schussdistanzen über 200 Meter waren mit einigen Geschoss-Kaliber-Kombinationen keine brauchbaren Ergebnisse mehr zu erzielen. Teilweise war die Anzahl in die Bewertung eingeflossener Stichproben jedoch sehr klein, so dass entweder keine Beurteilung möglich war oder diese mit Vorbehalt zu betrachten ist.

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Seinen Jagdinstinkt zu leugnen, kann psychisch krank machen

Der amerikanische Autor James A. Swan hat sich auf der NRA-Seite American Hunter unter dem Titel „An Accurate Psychology Of Hunting“ mit der Psychologie von Jägern und Jagdgegnern beschäftigt (mehr dazu hier). Swan geht von dem Sachverhalt aus, dass zwar 79 Prozent der Amerikaner eine ethische, nachhaltige Jagd befürworteten, es aber dennoch in Amerika heute nur so viele Jäger gäbe wie vor 50 Jahren, als das Land nur halb so viele Einwohner hatte. Warum jagen so wenige Leute, fragt er, zumal es doch reichlich Wild gebe. Studien hätten darauf in der letzten Zeit verschiedene Antworten geliefert: Zum einen führen die Befragten als Gründe für ihre Jagd-Abstinenz zu wenig Freizeit bei zunehmenden familiären und beruflichen Verpflichtungen an, und auch, dass sie keinen Zugang zur Jagd fänden.

Aber es gibt noch einen anderen Grund: 56 Prozent der von dem Psychologen Simon Bronner Befragten führten an, dass sie mit Anti-Jagd-Einstellungen und Jagdgegnern konfrontiert worden sein. Die schlechte Nachricht ist also, dass die Anti-Jagd-Propaganda bei einigen Leuten funktioniert: Sie kommen nicht auf die Idee, einen Jagdschein zu machen oder verkneifen sich den Wunsch, weil sie fürchten, von militanten Jagdgegnern zu unmoralischen oder psychisch gestörten Personen (Sadisten, Lustmördern, man kennt das…) erklärt zu werden. Wollen wir doch mal sehen, wer hier psychisch krank ist, mag sich James A. Swan gedacht haben – und ist der Psychologie von Jagd und Jagdgegnern vor dem Hintergrund „seiner Erfahrung als pensionierter Professor für Psychologie und Umwelttechnik an vier Universitäten“ nachgegangen – mit interessanten- und für Jagdgegner eher unerfreulichen – Ergebnissen.

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Schweißhunde überflüssig? Menschlicher Geruchssinn besser als gedacht

In dem Aufsatz „Poor human olfaction is a 19th-century myth„, auf deutsch: Schlechter menschlicher Geruchssinn ist ein Mythos aus dem 19. Jahrhundert“ verteidigt John McGann (Rutgers University in New Brunswick, New Jersey) die menschliche Nasenleistung. McGann hat verschiedene Studien berücksichtigt, in der das menschliche Riechvermögen wissenschaftlich untersucht wird. Auf der Kunstfährte (zehn Meter, ein 45-Grad-Haken) mussten die Probanden zum Beispiel einer Fährte aus künstlichem Schokoladenaroma folgen, wie die FAZ in einem lesenswerten Beitrag berichtet. Ergebnis: Sie können es besser als gedacht, zwei Drittel der Schnüffler schafften es auf Anhieb, mit etwas Training ließen sich Spurtreue und Fährtenwille noch steigern. Die unterschiedliche Duftstoffkonzentration in den Nasenlöchern ermögliche es, durch eine Art Richtungsriechen der Spur zu folgen. Durch den aufrechten Gang und die dadurch bedingte Entfernung der Nase vom Erdboden habe sich die Bedeutung des Riechens für Menschen jedoch abgeschwächt, mutmaßen Forscher.

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Weißwedel-Hirsch als Menschenfresser

Lauren Meckel erforscht am Fachbereich Forensische Anthropologie der Texas State University. Für Gerichtsmediziner ist es wertvoll zu lernen, welche Tiere in welchem Zeitraum welche menschlichen Überreste fressen und zersetzen. Dies lässt zum Beispiel Rückschlüsse auf den Todeszeitpunkt einer gefundenen Leiche zu. Um solche Forschungen zu ermöglichen, ist auf Universitätsgelände ein abgesperrter Bereich eingerichtet, in dem 50 menschliche Leichen offen zugänglich verwesen. Neben Insekten, Fleisch- und Allesfressern haben die Forscher nun erstmals auch einen Pflanzenfresser beim Abnagen menschlicher Gebeine erwischt. Beweise haben Lauren Meckel, Chloe McDaneld und Daniel J. Wescott in einer Fallstudie unter dem Titel „White-tailed Deer as a Taphonomic Agent: Photographic Evidence of White-tailed Deer Gnawing on Human Bone“ im Journal of Forensic Sciences veröffentlicht. Auf Foto- und Videoaufnahmen der Forscher ein Weißwedelhirsch beim wenig artgerecht erscheinenden Äsen an Leichenteilen zu sehen. Vermutlich versorgen sich die Tiere auf diese Weise mit Mineralien, die sie während der Brunft und in der Phase des Geweihwachstums benötigen. SE

Video: GlobalNews/YouTube

Wölfe: Jagd erhält „natürliche“ Scheu

Mitte der Neunziger Jahre wurden 31 Wölfe aus Kanada im Yellowstone Nationalpark (YNP) ausgewildert, mittlerweile leben auf den 2,2 Millionen Acres (890.308 Hektar) zehn Rudel mit ungefähr 100 Individuen. Damit sei es an der Zeit, ein „Keine Zimmer frei“-Schild aufzuhängen, schreibt Jim Robbins in dem in der New York Times (NYT) erschienenen Artikel „The New Threat to Wolves in and Around Yellowstone„: Experten halten die Biotop-Kapazität für erschöpft. In den US-Bundesstaaten um den YNP ist Zahl frei lebender Wölfe auf 1700 Stück angewachsen. Nutztierrisse nehmen zu und bringen (nicht nur) Farmer gegen Naturschützer auf. Nach Idaho und Montana wird daher nun auch Wyoming im Herbst eine offizielle Jagdzeit für Wölfe einführen. Ziel ist selbstverständlich nicht, die Wölfe wieder auszurotten, sondern durch nachhaltige Bejagung eine angemessene Populationsgröße zu gewährleisten.

Die in PLOSone erschienene Studie „Implications of Harvest on the Boundaries of Protected Areas for Large Carnivore Viewing Opportunities“  beschäftigt sich mit der Frage, wie sich die Bejagung von Wölfen und anderen Großprädatoren auf die Sichtbarkeit der Wölfe in den Nationalparks (neben dem YNP Denali und Grand Teton) auswirkt. Diese ist dort nämlich ausdrücklich erwünscht, da die Möglichkeit, die Raubtiere zu beobachten, scharenweise Touristen – und deren Dollars – in die Nationalparks bringt. Die Ergebnisse der Studie erlauben interessante Rückschlüsse auf die Frage, wie die Sichtbarkeit von Wölfen minimiert werden kann, wo sie nicht erwünscht ist: Im Siedlungsbereichen unserer Kulturlandschaft zum Beispiel. Auch über die Prävention von Nutztierrissen ist hier einiges zu lernen.

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Studie: Städtische Wildschweine bevorzugen natürliche Nahrung

Anders als vermutet kommen Wildschweine nicht nach Berlin, um dort Mülleimer zu plündern oder andere Nahrungsquellen aus menschlicher Herkunft zu nutzen. Im Gegenteil, auch Stadtschweine ernähren sich vorzugsweise von natürlichen Ressourcen. Das ist das überraschende Ergebnis einer Studie des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (IZW), die von National Geographic und der Stiftung Naturschutz Berlin unterstützt wurde. Die ForscherInnen untersuchten Mägen von 247 Wildschweinen aus Berlin und dem Umland. Die Forschungsergebnisse wurden jetzt in der wissenschaftlichen Zeitschrift „PLOS ONE“ veröffentlicht.

Immer mehr Wildtiere leben in Städten, auch in Berlin, das als „Hauptstadt der Wildschweine“ bekannt ist. Aufgeteilt in vier Forstgebiete sind 20 % des Berliner Stadtgebiets von großflächigen Wäldern bedeckt, ideal für Wildtiere aller Art. Allerdings leben Berliner Wildschweine nicht nur in diesen Stadtwäldern, sondern werden auch regelmäßig in innerstädtischen Parks oder Gärten gesichtet und bringen dort sogar Frischlinge auf die Welt.

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Marderhund überträgt Fuchsbandwurm und Dunkerschen Muskelegel

Vetmed-Uni Wien: Marderhund akuteres Risiko als Überträger heimischer Parasiten als Waschbär

Mit dem Waschbären und dem Marderhund etablierten sich über die letzten Jahrzehnten in Europa zwei, bisher nicht heimische, Tierarten. Ihre stetig wachsende Zahl machte sie in einzelnen Ländern nicht nur zum bestimmenden Raubtier, sondern rückte sie als Wirte für Krankheitserreger in den Fokus von Parasitologen. Ein Forschungsteam der Vetmeduni Vienna analysierte nun Proben der beiden Wildtiere in Österreich. Der mit dem Fuchs näher verwandte Marderhund dient als zusätzlicher Überträger heimischer Parasiten. Er stellt ein Risiko als Wirt von Zoonosen wie dem Fuchsbandwurm oder Trichinen, also auch für den Menschen relevanten Krankheiten, neben dem heimischen Fuchs dar. Der Waschbär ist dagegen aufgrund seiner ursprünglichen Herkunft aus Gehegehaltung noch weitgehend frei von gefährlichen Parasiten. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Parasitology Research veröffentlicht.

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Klimawandel: Große Bereiche des Great-Barrier-Riffs sind tot

Das Great Barrier Reef (Großes Barriereriff) ist eines der größten Naturwunder der Erde. Noch. Denn das mehr als 2300 Kilometer lange Korallenriff vor der Nordostküste Australiens, UNESCO Weltnaturerbe seit 1981, dessen Struktur noch auf Satellitenfotos zu erkennen ist, ist massiv bedroht. Die Erwärmung der Ozeane infolge des Klimawandels und die Übersäuerung des Meerwassers führt seit den 1980iger Jahren zu einer Folge von Korallenbleichen. Das Ausbleichen der Korallen ist eine Reaktion der Korallen auf den Hitzestress im erwärmten Meerwasser und geht dem Absterben des Korallenstocks voraus. Eine Gruppe von Wissenschaftlern um Terry P. Hughes, der das ARC Center für Korallenriffstudien an der James Cook University in Australien leitet, hat eine Bestandsaufnahme des Riffs durchgeführt und die Ergebnisse im Wissenschafts-Journal nature publiziert. „Im Norden sah ich hunderte von Riffen – buchstäblich zwei Drittel der Riffs – sterben, die jetzt tot sind“, berichtet Hughes in einem lesenswerten Artikel in der New York Times.

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Räuber und Beute — Eberswalder Wissenschaftler untersuchen Interaktionsverhalten von Wolf und Rotwild

Wölfe und Rotwild besendert

Erstmalig gelang es Wildbiologen in Deutschland Rotwild und Wolf im selben Gebiet mit GPS- Halsbandsendern auszustatten. Die Wissenschaftler vom Fachgebiet für Wildbiologie, Wildtiermanagement & Jagdbetriebskunde (FWWJ) der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE) können somit das unmittelbare Interaktionsverhalten des Raubtieres und seiner potentiellen Beutetiere untersuchen. Die Wildtiere leben auf der rund 2.600 Hektar großen Naturerbefläche „Glücksburger Heide“ im Landkreis Wittenberg. Die „Glücksburger Heide“ ist ein historisches Rotwildgebiet, in dem seit 2011 auch wieder Wölfe vorkommen. Derzeit lebt hier ein Rudel mit mindestens neun Tieren.

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Zusammenarbeit zwischen Mensch und Wildtier

Dass Menschen und ihre Haustiere zusammenarbeiten, um einen gemeinsamen Zweck zu verfolgen, ist nichts ungewöhnliches – das Beutemachen im Team von Jäger und Jagdhund ist ein gutes Beispiel dafür. Kollaborationen zwischen Menschen und Wildtieren sind weitaus seltener. Die südafrikanische Ornithologin Claire Spottiswoode hat einen faszinierenden Fall einer solchen Zusammenarbeit erforscht, wie die New York Times berichtet. Dass sich traditionelle Kulturen in manchen Gegenden Afrikas der Hilfe spechtartiger Vögel – sogenannter Honigführer (honeyguides) –  bedienen, um an den Honig wilder Bienenvölker zu gelangen, sei bekannt, schreibt die NY Times. In ihrer Studie „Reciprocal signaling in honeyguide-human mutualism“ hat Claire Spottiswoode genauer beschrieben, wie diese Zusammenarbeit funktioniert. Demnach bedienen sich sowohl Menschen, als auch die Vögel bestimmter Klänge und Gesten, die nur im Zusammenhang mit der Honigsuche verwendet werden.

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Schleimige Schocker

Electric eels, I might add, do it
Though it shocks ‚em I know

Cole Porter

 Wer eine Phobie vor schleimigen, schlangenartigen Kreaturen hat, die aus dem Wasser schießen und ihren Körper wie einen Elektroschocker gebrauchen können, nun, für den ist die folgende Geschichte und das dazugehörige Video eher nichts, warnt die New York Times (NYT). In der Story geht es um den Forscher Dr. Kenneth Catania, der sich der Erforschung von Zitteraalen widmet. Catania hat eine 200 Jahre alte Erzählung des Weltreisenden, Wissenschaftlers und Entdeckers Alexander von Humboldts überprüft: Dieser hatte berichtet, dass er Fischer in Südmerika gebeten hatte, für ihn einige Exemplare der Gattung electrophorus electricus zu fangen. Zu diesem Zweck trieben die Fischer Pferde und Maultiere in ein flaches Gewässer, die daraufhin von den Zitteraalen attackiert worden seien, indem sich die Fische an die Vierbeiner pressten und sie mit elektrischen Schocks malträtierten. Über 800 Volt bei knapp einem Ampere und somit gut 700 Watt werden bei so einem Angriff freigesetzt.

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Studie: Fördert legale (Wolfs-)Jagd die Wilderei?

Die New York Times (NYT) berichtet über eine Studie der Wildbiologen Guillaume Chapron und Adrian Treves, die zu belegen versucht, dass durch die Lagalisierung der Jagd auf Großkarnivoren wie Wölfe und Grizzly-Bären die Wilderei auf diese Arten zunimmt. Dies steht im Widerspruch zu der von Jägern und der eine Nutzung natürlicher Ressourcen nicht ablehnenden Fraktion von Naturschützern vertretenen Auffassung, derzufolge legale Jagdmöglichkeiten Wilderei vermindern.

Da zu erwarten ist, dass sich jagdfeindliche Kreise auf diese Studie berufen werden, wenn es gilt, etwa die Aufnahme des Wolfs ins Jagdrecht zu verhindern, und NICHT zu erwarten ist, dass hiesige Medien auch nur annähernd so ausgewogen und objektiv darüber berichten wie die NYT Umwelt-Redakteurin Erica Goode, stellen wir deren Beitrag im folgenden vor.

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Warum kann eine Infektion mit dem Fuchsbandwurm (Echinococcus multilocularis) beim Menschen tödlich verlaufen?

Eine aktuelle Untersuchung hat gezeigt, dass viele Füchse mit dem Fuchsbandwurm infiziert sind – warum das für Menschen gefährlich ist, erklärt dieser Gastbeitrag von Prof. Dr. Hans-Dieter Pfannenstiel.

Der adulte Fuchsbandwurm ist etwa zwei bis drei Millimeter lang und besteht aus dem Kopf und drei bis vier Gliedern. Er lebt im Dünndarm von Fuchs, Hund und gelegentlich auch anderen Beutegreifern.

In jedem Bandwurmglied befinden sich männliche und weibliche Geschlechtsorgane. Vorne werden nach und nach neue Glieder gebildet und hinten lösen sie sich auf, wobei die reifen Eier in den Wirtsdarm gelangen. Im Ei haben sich bereits die sog. Hakenlarven entwickelt. Sie sind in einer festen Hülle verpackt (0,03 bis 0,04 Millimeter Durchmesser, mit bloßem Auge nicht sichtbar), überstehen so die Darmpassage und werden mit der Fuchslosung abgesetzt. So können die Eier mit den Larven darin von Kleinsäugern am Boden mit der Nahrung aufgenommen werden. Im Darm dieser Zwischenwirte, meist Mäusearten, schlüpfen die Hakenlarven, die den Kopf des zukünftigen Bandwurms darstellen, aus ihrer Hülle, bohren sich durch den Darm, wandern im Körper der Maus umher und setzten sich schließlich als sog. Finnen irgendwo fest. Wird eine Maus mit Finnen vom Fuchs gefressen, dann entwickeln sich im Fuchsdarm wieder neue Bandwürmer, indem die Köpfe Bandwurmglieder wachsen lassen. Der Entwicklungszyklus ist damit geschlossen. Im Darm sind Fuchsbandwürmer für den Wirt ebenso harmlos wie Finnen für den Zwischenwirt Maus.

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