Wissenschaft

Seinen Jagdinstinkt zu leugnen, kann psychisch krank machen

Der amerikanische Autor James A. Swan hat sich auf der NRA-Seite American Hunter unter dem Titel „An Accurate Psychology Of Hunting“ mit der Psychologie von Jägern und Jagdgegnern beschäftigt (mehr dazu hier). Swan geht von dem Sachverhalt aus, dass zwar 79 Prozent der Amerikaner eine ethische, nachhaltige Jagd befürworteten, es aber dennoch in Amerika heute nur so viele Jäger gäbe wie vor 50 Jahren, als das Land nur halb so viele Einwohner hatte. Warum jagen so wenige Leute, fragt er, zumal es doch reichlich Wild gebe. Studien hätten darauf in der letzten Zeit verschiedene Antworten geliefert: Zum einen führen die Befragten als Gründe für ihre Jagd-Abstinenz zu wenig Freizeit bei zunehmenden familiären und beruflichen Verpflichtungen an, und auch, dass sie keinen Zugang zur Jagd fänden.

Aber es gibt noch einen anderen Grund: 56 Prozent der von dem Psychologen Simon Bronner Befragten führten an, dass sie mit Anti-Jagd-Einstellungen und Jagdgegnern konfrontiert worden sein. Die schlechte Nachricht ist also, dass die Anti-Jagd-Propaganda bei einigen Leuten funktioniert: Sie kommen nicht auf die Idee, einen Jagdschein zu machen oder verkneifen sich den Wunsch, weil sie fürchten, von militanten Jagdgegnern zu unmoralischen oder psychisch gestörten Personen (Sadisten, Lustmördern, man kennt das…) erklärt zu werden. Wollen wir doch mal sehen, wer hier psychisch krank ist, mag sich James A. Swan gedacht haben – und ist der Psychologie von Jagd und Jagdgegnern vor dem Hintergrund „seiner Erfahrung als pensionierter Professor für Psychologie und Umwelttechnik an vier Universitäten“ nachgegangen – mit interessanten- und für Jagdgegner eher unerfreulichen – Ergebnissen.

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Schweißhunde überflüssig? Menschlicher Geruchssinn besser als gedacht

In dem Aufsatz „Poor human olfaction is a 19th-century myth„, auf deutsch: Schlechter menschlicher Geruchssinn ist ein Mythos aus dem 19. Jahrhundert“ verteidigt John McGann (Rutgers University in New Brunswick, New Jersey) die menschliche Nasenleistung. McGann hat verschiedene Studien berücksichtigt, in der das menschliche Riechvermögen wissenschaftlich untersucht wird. Auf der Kunstfährte (zehn Meter, ein 45-Grad-Haken) mussten die Probanden zum Beispiel einer Fährte aus künstlichem Schokoladenaroma folgen, wie die FAZ in einem lesenswerten Beitrag berichtet. Ergebnis: Sie können es besser als gedacht, zwei Drittel der Schnüffler schafften es auf Anhieb, mit etwas Training ließen sich Spurtreue und Fährtenwille noch steigern. Die unterschiedliche Duftstoffkonzentration in den Nasenlöchern ermögliche es, durch eine Art Richtungsriechen der Spur zu folgen. Durch den aufrechten Gang und die dadurch bedingte Entfernung der Nase vom Erdboden habe sich die Bedeutung des Riechens für Menschen jedoch abgeschwächt, mutmaßen Forscher.

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Weißwedel-Hirsch als Menschenfresser

Lauren Meckel erforscht am Fachbereich Forensische Anthropologie der Texas State University. Für Gerichtsmediziner ist es wertvoll zu lernen, welche Tiere in welchem Zeitraum welche menschlichen Überreste fressen und zersetzen. Dies lässt zum Beispiel Rückschlüsse auf den Todeszeitpunkt einer gefundenen Leiche zu. Um solche Forschungen zu ermöglichen, ist auf Universitätsgelände ein abgesperrter Bereich eingerichtet, in dem 50 menschliche Leichen offen zugänglich verwesen. Neben Insekten, Fleisch- und Allesfressern haben die Forscher nun erstmals auch einen Pflanzenfresser beim Abnagen menschlicher Gebeine erwischt. Beweise haben Lauren Meckel, Chloe McDaneld und Daniel J. Wescott in einer Fallstudie unter dem Titel „White-tailed Deer as a Taphonomic Agent: Photographic Evidence of White-tailed Deer Gnawing on Human Bone“ im Journal of Forensic Sciences veröffentlicht. Auf Foto- und Videoaufnahmen der Forscher ein Weißwedelhirsch beim wenig artgerecht erscheinenden Äsen an Leichenteilen zu sehen. Vermutlich versorgen sich die Tiere auf diese Weise mit Mineralien, die sie während der Brunft und in der Phase des Geweihwachstums benötigen. SE

Video: GlobalNews/YouTube

Wölfe: Jagd erhält „natürliche“ Scheu

Mitte der Neunziger Jahre wurden 31 Wölfe aus Kanada im Yellowstone Nationalpark (YNP) ausgewildert, mittlerweile leben auf den 2,2 Millionen Acres (890.308 Hektar) zehn Rudel mit ungefähr 100 Individuen. Damit sei es an der Zeit, ein „Keine Zimmer frei“-Schild aufzuhängen, schreibt Jim Robbins in dem in der New York Times (NYT) erschienenen Artikel „The New Threat to Wolves in and Around Yellowstone„: Experten halten die Biotop-Kapazität für erschöpft. In den US-Bundesstaaten um den YNP ist Zahl frei lebender Wölfe auf 1700 Stück angewachsen. Nutztierrisse nehmen zu und bringen (nicht nur) Farmer gegen Naturschützer auf. Nach Idaho und Montana wird daher nun auch Wyoming im Herbst eine offizielle Jagdzeit für Wölfe einführen. Ziel ist selbstverständlich nicht, die Wölfe wieder auszurotten, sondern durch nachhaltige Bejagung eine angemessene Populationsgröße zu gewährleisten.

Die in PLOSone erschienene Studie „Implications of Harvest on the Boundaries of Protected Areas for Large Carnivore Viewing Opportunities“  beschäftigt sich mit der Frage, wie sich die Bejagung von Wölfen und anderen Großprädatoren auf die Sichtbarkeit der Wölfe in den Nationalparks (neben dem YNP Denali und Grand Teton) auswirkt. Diese ist dort nämlich ausdrücklich erwünscht, da die Möglichkeit, die Raubtiere zu beobachten, scharenweise Touristen – und deren Dollars – in die Nationalparks bringt. Die Ergebnisse der Studie erlauben interessante Rückschlüsse auf die Frage, wie die Sichtbarkeit von Wölfen minimiert werden kann, wo sie nicht erwünscht ist: Im Siedlungsbereichen unserer Kulturlandschaft zum Beispiel. Auch über die Prävention von Nutztierrissen ist hier einiges zu lernen.

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Studie: Städtische Wildschweine bevorzugen natürliche Nahrung

Anders als vermutet kommen Wildschweine nicht nach Berlin, um dort Mülleimer zu plündern oder andere Nahrungsquellen aus menschlicher Herkunft zu nutzen. Im Gegenteil, auch Stadtschweine ernähren sich vorzugsweise von natürlichen Ressourcen. Das ist das überraschende Ergebnis einer Studie des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (IZW), die von National Geographic und der Stiftung Naturschutz Berlin unterstützt wurde. Die ForscherInnen untersuchten Mägen von 247 Wildschweinen aus Berlin und dem Umland. Die Forschungsergebnisse wurden jetzt in der wissenschaftlichen Zeitschrift „PLOS ONE“ veröffentlicht.

Immer mehr Wildtiere leben in Städten, auch in Berlin, das als „Hauptstadt der Wildschweine“ bekannt ist. Aufgeteilt in vier Forstgebiete sind 20 % des Berliner Stadtgebiets von großflächigen Wäldern bedeckt, ideal für Wildtiere aller Art. Allerdings leben Berliner Wildschweine nicht nur in diesen Stadtwäldern, sondern werden auch regelmäßig in innerstädtischen Parks oder Gärten gesichtet und bringen dort sogar Frischlinge auf die Welt.

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Marderhund überträgt Fuchsbandwurm und Dunkerschen Muskelegel

Vetmed-Uni Wien: Marderhund akuteres Risiko als Überträger heimischer Parasiten als Waschbär

Mit dem Waschbären und dem Marderhund etablierten sich über die letzten Jahrzehnten in Europa zwei, bisher nicht heimische, Tierarten. Ihre stetig wachsende Zahl machte sie in einzelnen Ländern nicht nur zum bestimmenden Raubtier, sondern rückte sie als Wirte für Krankheitserreger in den Fokus von Parasitologen. Ein Forschungsteam der Vetmeduni Vienna analysierte nun Proben der beiden Wildtiere in Österreich. Der mit dem Fuchs näher verwandte Marderhund dient als zusätzlicher Überträger heimischer Parasiten. Er stellt ein Risiko als Wirt von Zoonosen wie dem Fuchsbandwurm oder Trichinen, also auch für den Menschen relevanten Krankheiten, neben dem heimischen Fuchs dar. Der Waschbär ist dagegen aufgrund seiner ursprünglichen Herkunft aus Gehegehaltung noch weitgehend frei von gefährlichen Parasiten. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Parasitology Research veröffentlicht.

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Klimawandel: Große Bereiche des Great-Barrier-Riffs sind tot

Das Great Barrier Reef (Großes Barriereriff) ist eines der größten Naturwunder der Erde. Noch. Denn das mehr als 2300 Kilometer lange Korallenriff vor der Nordostküste Australiens, UNESCO Weltnaturerbe seit 1981, dessen Struktur noch auf Satellitenfotos zu erkennen ist, ist massiv bedroht. Die Erwärmung der Ozeane infolge des Klimawandels und die Übersäuerung des Meerwassers führt seit den 1980iger Jahren zu einer Folge von Korallenbleichen. Das Ausbleichen der Korallen ist eine Reaktion der Korallen auf den Hitzestress im erwärmten Meerwasser und geht dem Absterben des Korallenstocks voraus. Eine Gruppe von Wissenschaftlern um Terry P. Hughes, der das ARC Center für Korallenriffstudien an der James Cook University in Australien leitet, hat eine Bestandsaufnahme des Riffs durchgeführt und die Ergebnisse im Wissenschafts-Journal nature publiziert. „Im Norden sah ich hunderte von Riffen – buchstäblich zwei Drittel der Riffs – sterben, die jetzt tot sind“, berichtet Hughes in einem lesenswerten Artikel in der New York Times.

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Räuber und Beute — Eberswalder Wissenschaftler untersuchen Interaktionsverhalten von Wolf und Rotwild

Wölfe und Rotwild besendert

Erstmalig gelang es Wildbiologen in Deutschland Rotwild und Wolf im selben Gebiet mit GPS- Halsbandsendern auszustatten. Die Wissenschaftler vom Fachgebiet für Wildbiologie, Wildtiermanagement & Jagdbetriebskunde (FWWJ) der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE) können somit das unmittelbare Interaktionsverhalten des Raubtieres und seiner potentiellen Beutetiere untersuchen. Die Wildtiere leben auf der rund 2.600 Hektar großen Naturerbefläche „Glücksburger Heide“ im Landkreis Wittenberg. Die „Glücksburger Heide“ ist ein historisches Rotwildgebiet, in dem seit 2011 auch wieder Wölfe vorkommen. Derzeit lebt hier ein Rudel mit mindestens neun Tieren.

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Zusammenarbeit zwischen Mensch und Wildtier

Dass Menschen und ihre Haustiere zusammenarbeiten, um einen gemeinsamen Zweck zu verfolgen, ist nichts ungewöhnliches – das Beutemachen im Team von Jäger und Jagdhund ist ein gutes Beispiel dafür. Kollaborationen zwischen Menschen und Wildtieren sind weitaus seltener. Die südafrikanische Ornithologin Claire Spottiswoode hat einen faszinierenden Fall einer solchen Zusammenarbeit erforscht, wie die New York Times berichtet. Dass sich traditionelle Kulturen in manchen Gegenden Afrikas der Hilfe spechtartiger Vögel – sogenannter Honigführer (honeyguides) –  bedienen, um an den Honig wilder Bienenvölker zu gelangen, sei bekannt, schreibt die NY Times. In ihrer Studie „Reciprocal signaling in honeyguide-human mutualism“ hat Claire Spottiswoode genauer beschrieben, wie diese Zusammenarbeit funktioniert. Demnach bedienen sich sowohl Menschen, als auch die Vögel bestimmter Klänge und Gesten, die nur im Zusammenhang mit der Honigsuche verwendet werden.

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Schleimige Schocker

Electric eels, I might add, do it
Though it shocks ‚em I know

Cole Porter

 Wer eine Phobie vor schleimigen, schlangenartigen Kreaturen hat, die aus dem Wasser schießen und ihren Körper wie einen Elektroschocker gebrauchen können, nun, für den ist die folgende Geschichte und das dazugehörige Video eher nichts, warnt die New York Times (NYT). In der Story geht es um den Forscher Dr. Kenneth Catania, der sich der Erforschung von Zitteraalen widmet. Catania hat eine 200 Jahre alte Erzählung des Weltreisenden, Wissenschaftlers und Entdeckers Alexander von Humboldts überprüft: Dieser hatte berichtet, dass er Fischer in Südmerika gebeten hatte, für ihn einige Exemplare der Gattung electrophorus electricus zu fangen. Zu diesem Zweck trieben die Fischer Pferde und Maultiere in ein flaches Gewässer, die daraufhin von den Zitteraalen attackiert worden seien, indem sich die Fische an die Vierbeiner pressten und sie mit elektrischen Schocks malträtierten. Über 800 Volt bei knapp einem Ampere und somit gut 700 Watt werden bei so einem Angriff freigesetzt.

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Studie: Fördert legale (Wolfs-)Jagd die Wilderei?

Die New York Times (NYT) berichtet über eine Studie der Wildbiologen Guillaume Chapron und Adrian Treves, die zu belegen versucht, dass durch die Lagalisierung der Jagd auf Großkarnivoren wie Wölfe und Grizzly-Bären die Wilderei auf diese Arten zunimmt. Dies steht im Widerspruch zu der von Jägern und der eine Nutzung natürlicher Ressourcen nicht ablehnenden Fraktion von Naturschützern vertretenen Auffassung, derzufolge legale Jagdmöglichkeiten Wilderei vermindern.

Da zu erwarten ist, dass sich jagdfeindliche Kreise auf diese Studie berufen werden, wenn es gilt, etwa die Aufnahme des Wolfs ins Jagdrecht zu verhindern, und NICHT zu erwarten ist, dass hiesige Medien auch nur annähernd so ausgewogen und objektiv darüber berichten wie die NYT Umwelt-Redakteurin Erica Goode, stellen wir deren Beitrag im folgenden vor.

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Warum kann eine Infektion mit dem Fuchsbandwurm (Echinococcus multilocularis) beim Menschen tödlich verlaufen?

Eine aktuelle Untersuchung hat gezeigt, dass viele Füchse mit dem Fuchsbandwurm infiziert sind – warum das für Menschen gefährlich ist, erklärt dieser Gastbeitrag von Prof. Dr. Hans-Dieter Pfannenstiel.

Der adulte Fuchsbandwurm ist etwa zwei bis drei Millimeter lang und besteht aus dem Kopf und drei bis vier Gliedern. Er lebt im Dünndarm von Fuchs, Hund und gelegentlich auch anderen Beutegreifern.

In jedem Bandwurmglied befinden sich männliche und weibliche Geschlechtsorgane. Vorne werden nach und nach neue Glieder gebildet und hinten lösen sie sich auf, wobei die reifen Eier in den Wirtsdarm gelangen. Im Ei haben sich bereits die sog. Hakenlarven entwickelt. Sie sind in einer festen Hülle verpackt (0,03 bis 0,04 Millimeter Durchmesser, mit bloßem Auge nicht sichtbar), überstehen so die Darmpassage und werden mit der Fuchslosung abgesetzt. So können die Eier mit den Larven darin von Kleinsäugern am Boden mit der Nahrung aufgenommen werden. Im Darm dieser Zwischenwirte, meist Mäusearten, schlüpfen die Hakenlarven, die den Kopf des zukünftigen Bandwurms darstellen, aus ihrer Hülle, bohren sich durch den Darm, wandern im Körper der Maus umher und setzten sich schließlich als sog. Finnen irgendwo fest. Wird eine Maus mit Finnen vom Fuchs gefressen, dann entwickeln sich im Fuchsdarm wieder neue Bandwürmer, indem die Köpfe Bandwurmglieder wachsen lassen. Der Entwicklungszyklus ist damit geschlossen. Im Darm sind Fuchsbandwürmer für den Wirt ebenso harmlos wie Finnen für den Zwischenwirt Maus.

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Wildschwein-Forscher der Uni Rostock starten Projekt in Sachsen

„Wildschweine vermehren sich explosionsartig und richten große Schäden in der Landwirtschaft an“, sagt Dr. Hinrich Zoller von der Universität Rostock. Aus ganz Deutschland erhält der Biologe derzeit Anfragen zu „seinem“ Wildschwein-Forschungsprojekt. Er erkundet seit drei Jahren im Auftrag der Hansestadt Rostock und dem Schweriner Landwirtschaftsministerium in und um Rostock die Gewohnheiten der Schwarzkittel vor allem mit dem Ziel, sie künftig von Parks, Straßen, Gärten und Feldern fernzuhalten. Seit über zwei Jahren sind die Ortskerne von Rostock Markgrafenheide und Hohe Düne wildschweinfrei. Dort war das Pilotprojekt zur Wildschwein-Bekämpfung gestartet. Zoller kennt sich auch als Waidmann mit den Gepflogenheiten der Wildschweine bestens aus. Er gehört in Deutschland mit zu den ersten Forschern, die sich so intensiv mit Wildschweinen im städtischen Bereich beschäftigen.

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IWA 2016: Ballistic Plastics – Geschosswirkung plastisch dargestellt

Dr. Carl Gremse hat ein Verfahren entwickelt, zielballistische Prozesse durch dreidimensionale Formen, sogenannte „Ballistische Plastiken“ darzustellen. Dabei kommen modernste Computer-Tomographen und bildgebende Verfahren zum Einsatz, die Plastiken werden von 3D-Druckern modelliert. Das erlaubt eine minutiöse Auswertung von Geschosswirkungen bei verschiedenen Geschwindigkeiten bzw. verschiedenen Distanzen und damit präzise Beschreibung des jagdlichen Einsatzbereichs von Munition.

Mehr Informationen: www.gwsm.eu

Bleifreie Büchsenmunition: Problematische Alternativen

Eine Arbeit zur „Ökotoxizität von Jagdbüchsengeschossen“ kommt zu überraschenden Ergebnissen: Manche „bleifreien“ Geschosse setzen große Mengen Blei frei – bleifreie Alternativen werden teilweise schlechter bewertet als konventionelle Bleigeschosse.

In Heft 22/2015 der Forstfachzeitschrift „AFZ-Der Wald“ ist ein bemerkenswerter und hoch interessanter Beitrag mit dem Titel „Ökotoxizität von Jagdbüchsengeschossen“ von Julian Fäth und Prof. Dr. Axel Göttlein erschienen (Download am Ende dieses Beitrags). Es handelt sich um eine Zusammenfassung der ambitionierten Bachelorarbeit von Julian Fäth, die am von Prof. Dr. Göttlein geleiteten Fachgebiet für Waldernährung und Wasserhaushalt des Wissenschaftszentrums Weihenstephan für Ernährung, Landnutzung und Umwelt der TU München angefertigt wurde.

Für die Arbeit wurden elf bleifreie Geschosse nach einem standardisierten Verfahren, „mit dem sich die Schwermetallionenfreisetzung von Jagdbüchsengeschossen im Boden möglichst realitätsnah simulieren lässt,“ im Hinblick auf ihre Ökotoxizität untersucht. Zum Vergleich wurden auch zwei konventionelle Bleigeschosse (Brenneke TUG, RWS DK) herangezogen.

Bei den bleifreien Projektilen handelt es sich um vier Geschosse, die lt. Hersteller aus Reinkupfer oder Kupferlegierungen bestehen (Barnes TTSX, Lapua Naturalis LR, Sax KJG-HS, Sellier & Bellot Exergy), vier beschichtete Kupfergeschosse (Norma Kalahari, RWS HIT, Brenneke TAG, Reichenberg HDB), ein Messinggeschoss (Möller MJG) und zwei Zinngeschosse (Brenneke TUGnature, Geco Zero).

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Österreich: Neues, auf Menschen übertragbares Bakterium in Fuchs entdeckt

Neue Zoonose von Zecken übertragen – erste Erkrankung beim Menschen 2010

Zecken übertragen verschiedene Krankheiten auf den Menschen, aber auch auf Tiere. Einige bekannte Krankheiten sind beispielsweise FSME und Borreliose. ForscherInnen der Vetmeduni Vienna sind den Krankheitserregern, die von Zecken übertragen werden, auf der Spur. In einem Rotfuchs aus Vorarlberg entdeckten die ParasitologInnen nun eine neue Form des Bakteriums Candidatus Neoehrlichia. Der Erreger ist möglicherweise auch auf den Menschen übertragbar. Die Ergebnisse wurden im Fachblatt Parasites & Vectors veröffentlicht.

Adnan Hodžić vom Institut für Parasitologie an der Vetmeduni Vienna ist auf der Suche nach Krankheitserregern, die von Zecken übertragen werden. Insbesondere interessiert er sich für wild lebende Fleischfresser (Füchse und Wölfe), die nach einem Zeckenbiss Reservoire von Krankheitserregern werden können.

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Wissenschaftlich erwiesen: Klimawandel für Populationsanstieg von Wildschweinen verantwortlich

Wildschweine auf dem Vormarsch – Klimaerwärmung fördert Populationswachstum

Die Wildschweinpopulation in Europa wächst. Warum das so ist, war bisher unklar. Das Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie (FIWI) der Vetmeduni Vienna hat nun herausgefunden, dass die Klimaerwärmung dabei eine wichtige Rolle spielt. Nach milden Wintern wächst die Zahl der Wildschweine besonders stark. Auch die verfügbare Nahrung ist ausschlaggebend. Nach Jahren mit besonders hohen Bucheckernerträgen gibt es auch mehr Wildschweine. Die Forschungsergebnisse sind im Journal Plos One nachzulesen.

Seit den 1980er Jahren wächst die Wildschweinpopulation in Europa stetig. Das wird immer häufiger zum Problem für die Landwirtschaft, wenn die Tiere auf der Suche nach Nahrung die Felder plündern. „Wie viele Wildschweine es tatsächlich in Europa gibt, ist gar nicht so leicht zu erheben“, meint der Wildtierbiologe und Erstautor der Studie, Sebastian Vetter. „Deshalb haben wir Jagd- und Verkehrsunfallstatistiken ausgewertet und konnten so das Wachstum der Wildschweinpopulation nachvollziehen.

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Neue Studie: Evaluierung von Monitoringmethoden für Schalenwildbestände

Auf der Internetseite des Umweltministeriums Mecklenburg-Vorpommern steht eine neue wissenschaftliche Studie zum Download bereit, die sich mit der „Evaluierung von Monitoringmethoden für Schalenwildbestände“ befasst. Im Rahmen des Projekts wurden verschiedene Verfahren zur Wildzählung wie das Fang-Markierung-Wiederfang-Verfahren, das distance sampling, Losungszählverfahren und Zähltreiben unter Berücksichtigung der Jagdstrecke verglichen. Die Jäger auf Jasmund haben das Projekt „sehr umfangreich“ unterstützt. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass langfristig angewandte Verfahren wie Losungszählung und Zähltreiben den Damwildbestand „deutlich unterschätzen.“ Abschließend wurde „eine minimale Variante der beiden Verfahren Fang-Wiederfang und distance sampling für Jasmund zur dauerhaften Anwendung empfohlen.“ Diese Variante könne auch „in normal bejagten Gebieten Verwendung finden.“

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Klimawandel: 35.000 Walrosse auf Strand in Alaska

Auf einem Strandabschnitt in Alaska drängen sich 35.000 pazifische Walrosse. Wegen des starken Rückgangs der sommerlichen Packeisfelder vor Alaska – eine Folge des Klimawandels – können die Tier nicht, wie gewohnt, auf Eisschollen rasten. Stattdessen ziehen sie sich auf das Festland zurück. Die NASA ermittelte, dass die Ausdehnung des Packeises den sechtsniedrigsten Wert seit 1978 erreicht hat. Das US-amerikanische Geologische Institut (U.S. Geological Survey) hat die Walrossansammlung bei Zählflügen über dem Areal erstmals am 27. September entdeckt. Vier Tage zuvor waren nur 1500 Walrosse auf dem Strandabschnitt gezählt worden.

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Sensationelle Bilder: Steinadler schlägt Sika

Forschern der britischen Zoological Society of London (ZLS) sind faszinierende Aufnahmen eines Steinadler-Angriffs auf ein Sika-Tier geglückt. Die Biologen nutzen Wildkameras im Lazovskii Nationalpark im Südosten Russlands für das Monitoring des Amur-Tigers. Als Dr. Linda Kerley von der ZLS bei einer Kamera Speicherkarte und Batterien wechseln wollte, entdeckte sie den Kadaver eines Sika:

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Intersex-Reh: Reh mit männlichen und weiblichen Geschlechtsmerkmalen erlegt

In einem Waldgebiet bei Schmallenberg (Hochsauerlandkreis, NRW) hat ein Forscher ein Reh erlegt, das sowohl männliche wie weibliche Geschlechtsmerkmale aufweist: Auf dem Haupt trägt das Tier ein Gehörn wie ein Bock, zugleich ist an seinem Hinterteil die für Ricken typische Schürze, ein Haarbüschel, zu sehen. Unterhalb der Schürze sitzen jedoch in diesem Fall verkürzter Penis und Hoden.

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San-Buschleute aus Namibia lesen Spuren eiszeitlicher Jäger

Die San-Jäger aus Namibia, auch unter der Bezeichnung Buschleute bekannt, gelten als die besten Spurenleser und arbeiten in ihrer Heimat als Fährtensucher und Jagdführer. Zusammen mit einem Team von Wissenschaftlern sollen die Fährten-Fachleute Fuß- und Handspuren vorzeitlicher Jäger deuten, die in abgelegenen Höhlen in den Pyrenäen seit Jahrtausenden unverändert erhalten geblieben sind.

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Fette Beute(macher)

Oft geleugnet, jetzt bewiesen: Eine aktuelle amerikanische Studie zeigt, dass Hauskatzen entscheidenden Einfluss auf den Bruterfolg von Singvögeln ausüben.

Geschmeidige Muskeln und – dank üblicherweise reichlicher Fütterung – üppige Fettreserven, Vier-Pfoten-Antrieb, grünlich schimmernde, nachtsichttaugliche Augen, samtige Ballen, die lautloses Schleichen ermöglichen, doch aufgrund der ausfahrbaren, dolchartigen Krallen auch zum flinken Erklimmen von Nistbäumen und anderen Brutplätzen geeignet sind, dazu nadelspitze Zähne, auf denen sämtliche Bazillenarten des Universums siedeln – keine Frage: Aus Sicht des boshafterweise Katzendrossel (Graycatbird, dumetella carolinensis) getaufen Singvogels, stellt die gemeine Hauskatze (Felis catus) einen furchteinflößenden Gegner dar. Weiterlesen

Hundstage

Bergen, retten, schießen – im Einsatz mit Seehundjägern

 Endlich der ersehnte Anruf: „Es geht los“, sagt Jan Dohndorf, Mitarbeiter der Seehundstation Friedrichskoog und Seehundjäger: „Um 20 Uhr müssen wir in Schlüttsiel sein.“ Im Transporter der Seehundstation brausen wir durch plattes Land: Köge und Warften rauschen vorbei, flache, dem Meer durch Deichbau abgerungene Marschen. Am Treffpunkt wartet schon Martin Sell, der für diesen Küstenabschnitt zuständige Seehundjäger. Die Hundebox auf dem Heckträger seines Geländewagens enthält eine – zumindest für Bewohner küstenferner Landstriche – ungewöhnliche Fracht:Zwei Heuler, von den Muttertieren verlassene Seehundjunge.

Seehundjaeger

Die Gefangenenübergabe erfolgt wenig konspirativ unter den wachsamen Augen einer Touristengruppe. Die Heulersaison von Anfang Juni bis Anfang Juli fällt zusammen mit der touristischen Hochsaison an der Küste. Die Tätigkeit der Seehundjäger findet folglich in der Öffentlichkeit statt – und muss diese nicht scheuen. Dass sie Verantwortung, Fingerspitzengefühl und vielleicht eine Prise pädagogisches Sendungsbewusstsein erfordert, liegt auf der Hand.

Dohndorf streift sich eine gummierte Schürze und Schutzhandschuhe über. Es folgt die Erstuntersuchung der zwei Seehundwelpen:Der eine scheint eine leichte Neugeborenengelbsucht zu haben, ansonsten sind sie fit und einigermaßen wohlgenährt. Sie bekommen mittels Trichter und Schlauch eine Elektrolytlösung verabreicht und eine Frischwasserdusche. Dann treten sie – jeder für sich in eine runde Mörtelwanne verfrachtet – die Reise in die Seehunde-Auffangstation an.

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Interview: Gemischte Gefühle

Ein Gespräch über die Psychologie von Jägern, Nichtjägern und Jagdgegnern, über die Zusammenhänge von Aggression, Jagdtrieb und Sexualtrieb und die Lust am Töten.

Frage: Herr Prof. Dr. Heubrock, Sie haben sich in verschiedenen Studien mit der Psychologie der Jagd und der Jägerpersönlichkeit beschäftigt. Welche Motivation, welchen Anlass gab es für diese Forschungen?

Prof. Heubrock: Nach den Amoktaten von Erfurt und Winnenden wurde Waffenbesitz in Deutschland zunehmend zum Problem erklärt. Es gab Gruppen besorgter Eltern, die forderten, es dürfe in unserer Gesellschaft keine Waffen geben – weder bei Sportschützen, noch bei Jägern. Da haben wir uns gefragt: Wie gefährlich sind Legalwaffen und deren Besitzer denn wirklich? Also haben wir uns zunächst einmal die Kriminalstatistik angeschaut und den – öffentlich nicht zugänglichen – Waffen- und Sprengstoffbericht der Bundesregierung ausgewertet, in dem es darum geht, welche Tatwaffen bei Tötungsdelikten Verwendung finden.

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