Thema

Oculi

Am dritten Fastensonntag beginnt die Messe so: Oculi mei semper ad dominum: Meine Augen sind stets auf den Herrn gerichtet.

Oculi, da kommen sie, heißt entsprechend der Merkvers für heute, wobei unsere Augen früher ab diesem Tag jedoch absolut säkular vor allem auf die Schnepfen gerichtet waren. Ab jetzt ist also mit den nach Norden und Osten ziehenden Zugschnepfen zu rechnen und vor allem mit dem eigentlichen Schnepfenstrich. Der abendliche Strich wird allgemein dem Balzverhalten, dem Suchen der Schnepfenhähne nach Hennen zugerechnet. Nur wenige Hennen streichen abends; meist sitzen sie auf dem Boden und machen die Hähne mit leisen Rufen auf sich aufmerksam. Es gibt aber heute auch eine ganz andere Deutung. Doch dazu erst später mehr.

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Baujagd – Artenschutz unter Tage

Ganz hoch im Norden Deutschlands haben sich passionierte Baujäger ganz und gar der Baujagd verschrieben. Wir waren mit ihnen auf Jagd und haben uns über Anliegen und Ziele des Vereins informiert. Aus aktuellem Anlass bringen wir diesen Artikel aus dem JAWINA-Archiv über die unter heftigem Beschuss von Jagdgegnern stehende Bodenjagd.

Alles ist weiß und ein regelmäßiger Piepton das einzige Geräusch. Aber wir sind nicht bei einer spannenden Folge von Emergency Room gelandet, sondern auf einer Baujagd im tief verschneiten Ostfriesland. Claas Janssen hält den Empfänger des Hundeortungsgeräts dicht über den Erdboden: Unbeeindruckt piept das Gerät vor sich hin. Janssen stapft ein paar Schritte weiter, wiederholt die Prozedur. Wieder nichts, es piept, aber nicht richtig. Also weiter. Auf einmal schlägt die regelmäßige Tonfolge in einen aufgeregten Doppelpieps um: „Dor unnen muut ween.“, verkündet Janssen im heimatlichen Plattdeutsch: Da unten muss er sein.

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„Von Furcht weiß ich nichts“

Warum in den Märchen der Brüder Grimm Jäger als harte Burschen voller Mitgefühl gezeichnet werden – ein Text von Robert Saemann-Ischenko.

Teil 2

Noch gefährlicher als Räuber, Wolf & Co.: Zwerge und Zauberinnen, Geister und Dämonen. Dieses Jenseitspersonal verflucht und verwandelt bevorzugt unschuldige Menschen („Jorinde war in eine Nachtigall verwandelt, die sang zicküth, zicküth“; aus „Jorinde und Joringel“), zwischendurch bestraft es aber auch mal aufs Krasseste die Richtigen, etwa das hartherzige Mädchen aus „Die drei Männlein im Walde“:

Da sprachen die kleinen Männer untereinander: »Was sollen wir ihm schenken, weil es so unartig ist und ein böses, neidisches Herz hat, das niemand etwas gönnt?« Der erste sprach: »Ich schenk ihm, dass es jeden Tag hässlicher wird.« Der zweite sprach: »Ich schenk ihm, dass ihm bei jedem Wort, das es spricht, eine Kröte aus dem Munde springt.« Der dritte sprach: »Ich schenk ihm, dass es eines unglücklichen Todes stirbt.«

Überhaupt sind in den frühen Märchen der Grimms drakonische Strafen allgegenwärtig, ebenso Angst und Einsamkeit, Willkür und Rohheit, Gewalt und Tod. Das Leben vieler Figuren ist bis ins Detail bestimmt von einer unerschütterlich erscheinenden und sozial fast undurchlässigen Ordnung – der König war von nahezu gottgleicher Allmacht, aber auch schon Dorfvorsteher oder beispielsweise der Lehrherr hatten die Macht, anderen das Leben zur Hölle zu machen.

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„Von Furcht weiß ich nichts“

Warum in den Märchen der Brüder Grimm Jäger als harte Burschen voller Mitgefühl gezeichnet werden – ein Text von Robert Saemann-Ischenko.

Teil 1

Von fast allem, was sich über die „Kinder- und Hausmärchen“ der Brüder Grimm sagen läßt, trifft auch das Gegenteil zu. Sie huldigen der Tugendhaftigkeit und der Kernfamilie, die Märchen – bersten aber immer noch vor Lebens- und sonstiger Lust. Manche spielen in einer rein literarischen Mittelalterkulisse, andere schildern mit fast schon soziologischer Genauigkeit das bäuerliche Deutschland des 17. und 18. Jahrhunderts („Das Heiraten ist eine Freude und ist auch eine Qual“, heißt’s so schön in „Die drei Männlein im Walde“). Im Wald der Märchen wollen einerseits immerzu Räuber, Tiere und Hexen dem Menschen ans Leben, doch findet er genau und nur dort auch Schutz und Beschützer. Ein Berufsstand allerdings kommt bei den Grimms durchweg und fast ausnahmslos positiv weg, und das sind die Jäger.

Aus einem historischen Einzugsbereich von über 500 Jahren stammen die Märchen, die Jacob und Wilhelm Grimm zusammengestellt haben. Schwänke finden sich darin ebenso wie mündlich überlieferte Volksmärchen, von Schriftstellern verfaßte Kunstmärchen, Legenden, Ursprungsgeschichten. Eine kleine statistische Auswertung ergibt, dass in 211 Märchen der Grimms Jagd/Jagen/Jäger 31mal erwähnt wird, also in jedem siebten. Und zwar spielt die Jagd naturgemäß in den volkstümlichen Schwänken keine Rolle – eine um so größere aber in den Märchen mit mittelalterlichem Kolorit.

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Bleifreie Büchsenmunition: Fluchtstrecken vervielfacht

Der Bundesverband Deutscher Berufsjäger hat eine eigene Studie zur Tötungswirkung bleifreier Büchsenmunition durchgeführt. 602 Abschussberichte von 40 Berufsjägern flossen in die Studie ein. Nur 42,5 Prozent der Teilnehmer erfüllten vollständig den Projektauftrag: 22,5 Prozent lieferten keine Abschussberichte (etwa weil sie mit der zur Verfügung gestellten Munition keine zufrieden stellende Präzision aus ihrer Waffe erzielen konnten), 35 Prozent stiegen während des Projekts aus. Letzteres dürfte mit den verheerenden Ergebnissen der Studie in Zusammenhang stehen: Die Fluchtstrecken vergrößerten sich bei Einsatz bleifreier Munition deutlich – bei Rehwild verdoppelten, bei Schwarzwild verfünffachten sie sich! Die Ergebnisse hat der BDB in einer Präsentation zusammengefasst, die hier heruntergeladen werden kann.

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Müritz-Nationalpark: Anleitung zum Rufmord

Zum Fall Jagszent ist alles gesagt, könnte man meinen: Die Jagd- und Lokalpresse hat das Thema durchgehechelt, in den einschlägigen Foren gibt es tausende von Wortmeldungen zum Thema, und sogar das Fernsehen war schon da. Ist damit alles gesagt? Wohl kaum: Niemanden scheint zu stören, dass der auf üble Weise öffentlich Angefeindete selbst bisher kaum zu Wort kam. Und wie die unappetitliche Hetzkampagne gegen Jagszent eingefädelt wurde, hat auch noch keiner enthüllt. Holen wir es nach.

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Witz und Wunschdenken: Die „Standortbestimmung Jagd“ des DJV – ein Kommentar

Es soll bitteschön alles so bleiben, wie es war – das ist, kurz gesagt, die Kernaussage des vom DJV auf dem diesjährigen Bundesjägertag verabschiedeten Statements mit dem Titel „Standortbestimmung Jagd“. Nur: Man muss kein Prophet sein, um die Vorhersage zu wagen, dass dieser Wunsch nicht in Erfüllung gehen wird. Die Grundsatzerklärung des DJV ist das Papier nicht wert, auf dem sie (aus)gedruckt wurde.

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Lieber ohne Biber?

Wie schön für die Politik, dass es einen Schuldigen gibt, der bestens dafür taugt, von den Versäumnissen im Hochwasserschutz abzulenken. Gemeint ist der Biber, der nach dem Elbhochwasser dem Populismus geopfert werden soll. Der eigentliche Skandal indes ist, dass für Millionen Euro sanierte Deiche nicht grabesicher sind.

Wir veröffentlichen diesen nach dem Oderhochwasser 2010 geschriebenen Beitrag aus aktuellem Anlass – die Reaktionen der Politik sind nach jedem Hochwasser ohnehin die selben.

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Wald und Wild: Wildproblematik übersteuert

Radikale Reduktion des Schalenwilds gilt als Vorbedingung für den ökologischen Waldumbau. Ein Förster aus dem Rheinland zeigt: Es geht auch ohne erhöhten Abschuss – und ohne Zäune: Entscheidend ist der Waldbau.

JAWINA: Herr Lenzen, welche Ausgangslage fanden Sie vor, als Sie 1978 den Stadtforst Rheinbach übernahmen?

Hans Lenzen: Der etwa 825 Hektar große Stadtwald am Nordostrand der Eifel ist ein Laubholzrevier. Alle Laubholzkulturen und großflächigen Eichen- Naturverjüngungen wuchsen nur in Gattern heran. Bis zu 15 Gatter waren gleichzeitig am Start. Nadelholzanpflanzungen wurden ebenfalls in Gattern oder chemisch oder mechanisch einzeln geschützt.

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Jagen in der Kulturlandschaft des 21. Jahrhunderts – (M)Ein Leitbild

Ein Gastbeitrag von Dr. Armin Freund, Wildbiologe

Jagd ist ein Recht sui generis, bedarf also keiner eigenen Begründung. Dennoch müssen wir unser Tun in einer Gesellschaft, die sich immer weiter von der Natur und vom Verstehen von Zusammenhängen in der Natur entfernt, verständlich machen, um gesellschaftliche Akzeptanz zu gewinnen. Hier muss vor allem die Tatsache betont werden, dass die Jagd mit dem Entstehen der Kulturlandschaft selbst zu einem ökologischen Faktor geworden ist, also eine unverzichtbare Rolle spielt im komplexen Gefüge unserer mitteleuropäischen Ökosysteme. Man kann nicht einfach aufhören zu jagen.

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Großwildjäger zu Besuch

Ein Gespräch über Jagd und Naturschutz in Afrika

„…Es ist leicht, von Hamburg oder München aus den Erhalt gefährlichen Großwilds zu fordern. Die Menschen vor Ort, die von Löwen gefressen oder deren Felder von Elefantenherden zertrampelt werden, denken anders darüber. Da zahlt übrigens keiner Wildschaden, da geht es um die Existenz. Über Tiere gut zu denken und zu reden, hilft den Tieren nicht, Tierfilme im Fernsehen zu gucken auch nicht. Aber wer in Afrika viel Geld dafür zahlt, einen Leoparden zu schießen, der hilft den Tieren…“

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Zehn Fragen zur Rehwild-Jagd

Ein Gastbeitrag von Dr. Armin Freund, Wildbiologe

1. Frage: Brauchen wir eine Jagdzeit für Rehwild?

Versuch einer Antwort:

Der Mensch ist kein Wolf. Wir jagen heute nicht nur zur Nahrungsbeschaffung. Wir jagen auch nicht nur, um den Wald wachsen zu lassen. Wir jagen nicht nur, um Wildbestände an die Landeskultur anzupassen. Wir jagen vor allem aus Freude am Jagen!

Dennoch ist Jagen nicht grenzenloses Vergnügen. Immer ist uns bewusst, dass unsere potentielle Jagdbeute ein Mitgeschöpf ist, für das wir mehr empfinden als z. B. für eine Pflanze. Aus diesen Überlegungen, die stark in den Bereich hineinspielen, den die Jäger Weidgerechtigkeit nennen, folgen gewisse Einschränkungen der Jagd.

Wir jagen nicht auf hochbeschlagene weibliche Stücke und wir erlegen keine zur Aufzucht der Jungen notwendigen Elterntiere. Aus diesen Restriktionen folgt zwangsläufig eine zeitliche Regulierung der Jagd, nämlich wann was erlegt werden darf.

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Hundstage

Bergen, retten, schießen – im Einsatz mit Seehundjägern

 Endlich der ersehnte Anruf: „Es geht los“, sagt Jan Dohndorf, Mitarbeiter der Seehundstation Friedrichskoog und Seehundjäger: „Um 20 Uhr müssen wir in Schlüttsiel sein.“ Im Transporter der Seehundstation brausen wir durch plattes Land: Köge und Warften rauschen vorbei, flache, dem Meer durch Deichbau abgerungene Marschen. Am Treffpunkt wartet schon Martin Sell, der für diesen Küstenabschnitt zuständige Seehundjäger. Die Hundebox auf dem Heckträger seines Geländewagens enthält eine – zumindest für Bewohner küstenferner Landstriche – ungewöhnliche Fracht:Zwei Heuler, von den Muttertieren verlassene Seehundjunge.

Seehundjaeger

Die Gefangenenübergabe erfolgt wenig konspirativ unter den wachsamen Augen einer Touristengruppe. Die Heulersaison von Anfang Juni bis Anfang Juli fällt zusammen mit der touristischen Hochsaison an der Küste. Die Tätigkeit der Seehundjäger findet folglich in der Öffentlichkeit statt – und muss diese nicht scheuen. Dass sie Verantwortung, Fingerspitzengefühl und vielleicht eine Prise pädagogisches Sendungsbewusstsein erfordert, liegt auf der Hand.

Dohndorf streift sich eine gummierte Schürze und Schutzhandschuhe über. Es folgt die Erstuntersuchung der zwei Seehundwelpen:Der eine scheint eine leichte Neugeborenengelbsucht zu haben, ansonsten sind sie fit und einigermaßen wohlgenährt. Sie bekommen mittels Trichter und Schlauch eine Elektrolytlösung verabreicht und eine Frischwasserdusche. Dann treten sie – jeder für sich in eine runde Mörtelwanne verfrachtet – die Reise in die Seehunde-Auffangstation an.

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