Reise

Gatter-Löwen und Frankenstein-Zuchten

DJV distanziert sich von unethischen Abschuss-Praktiken

Während der weltweit größten Reisemesse, der Internationalen Tourismusbörse in Berlin, fand die inoffizielle Deutschlandpremiere des Dokumentarfilms „Blood Lions“ statt. Darin wird das blutige Geschäft mit der tausendfachen Zucht von Löwen in Südafrika geschildert, das bei den männlichen Tieren oft mit dem kommerziellen Abschuss hinter hohen Zäunen endet. Die Löwenknochen werden für medizinische Zwecke Gewinn bringend nach Asien verkauft. Von den Praktiken dieser blutigen Industrie, die unter dem Begriff „Jagd“ Geld verdient, distanziert sich nach dem südafrikanischen Jäger- und Berufsjägerverband auch der Deutsche Jagdverband (DJV) nachdrücklich: Der Abschuss von eigens für diesen Zweck gezüchteten, handzahmen Löwen fügt dem Ruf nachhaltiger Jagd und verantwortungsbewusster Jäger auch hierzulande schweren Schaden zu.

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Auf Bock in Brandenburg – mit Ausländer-Jagdschein

Ein Gastbeitrag von Tomas Slesar – unser Autor ist gebürtiger Slowake, lebt und arbeitet aber in Finnland. Im ersten Teil seines Beitrags beschreibt er, was man als Auslandsjäger in Deutschland bzw. als Gastgeber beachten muss. Im zweiten Teil schildert er, was er auf seiner Jagd in Brandenburg erlebt hat.

Meine erste Einladung zur Bockjagd bekam ich von einem Bekannten vor einem Jahr. Einerseits Freude, anderseits ein Haufen Arbeit mit den Papieren. Es gibt grundsätzlich zwei Möglichkeiten für Ausländer, die in Deutschland jagen möchten – den Tages-Jagdschein (gilt 14 Tage) oder – je nach Vergleichbarkeit der Prüfungen – auch den Jahresjagdschein. Zuerst habe ich den Tages-Jagdschein beantragt, da ich keine Einladungen für den Herbst hatte und eigentlich auch nicht geplant habe. Ich habe meinen (Ausländischen) Jagdschein in der Slowakei gemacht und kann sowohl den Tages- als auch Jahresjagdschein beantragen. Mein Gastgeber geht zu der Jagdbehörde und fragt nach Details. Der Beamte fragt: „Der Gute (ich) lebt in Finnland, also hat er einen Finnischen Jagdschein oder?“ „Nein“, antwortet mein Bekannter. „Er hat einen Slowakischen Jagdschein.“ „Gut“, sagt der Beamte, „weil mit dem Finnischen Jagdschein darf er nur einen Tagesjagdschein beantragen, aber der Slowakische wird in Deutschland anerkannt, und daher kann er auch den Jahresjagdschein beantragen.“ Also sollte jeder zuerst prüfen, ob sein ausländischer Jagdschein anerkannt wird oder nicht.

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Was wird der Bockansitz bringen – außer reichlich Anblick von Damwild? Fotos: Tomas Slesar

Nach dem geklärt ist, welchen Jagdschein man beantragen wird, muss der Antrag ausgefüllt werden, die Zeugnisse beglaubigt kopiert und noch ins Deutsche übersetzt werden. Da ich Deutsch kann, fiel es nicht schwer, jedoch für einige andere Gäste, kann es problematisch sein. Ein Foto muss auch beigelegt sein. Daher rate ich, schon gute zwei Wochen für diesen Papierkram einzuplanen. Alle Unterlagen wurden eingeschickt, und da dies mein erster Deutscher Jagdschein war, kostete die Erstellung des Jagdscheins 25€, 25€ der 14-tägige Tages-Jagdschein und ca. 17€ die Versicherung.

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Simbabwe: Elefant tötet PH

Am 15. April ist der Professional Hunter (PH) Ian Gibson von einem angreifenden Elefantenbullen getötet worden. Gibson war für das Safariunternehmen Chifuti Safaris mit einem Jagdgast in Chewore North im unteren Tal des Sambesi unterwegs. Auf Africahunting.com schildern Tom und Dave von Safari Classics, die Chifuti Safaris in Amerika repräsentieren, den Vorfall folgendermaßen: Die Jäger folgten schon seit mehreren Stunden einem Elefantenbullen, als sie beschlossen, eine Pause zu machen und dem Jagdgast etwas Erholung zu gönnen. Während der Jagdgast rastete, versuchten Ian Gibson und sein Tracker näher an den Bullen zu kommen, um einen Blick auf das Elfenbein zu werfen. Gibson bemerkte, dass der Elefant in der Musth war, in die die Bullen deutlich aggressiver sind. Als die Jäger sich dem Elefanten auf 50 bis 100 Meter genähert hatten, drehte dieser unvermittelt um und griff sofort an. Es gelang Gibson noch, auf kürzeste Entfernung einen Schuss loszuwerden, doch der Elefant trampelte ihn zu Tode. Ian Gibson war einer der erfahrensten Berufsjäger Simbabwes. SE

Beitragsbild: Die Meldung vom Tod Ian Gibsons auf africahunting.com, Copyright: africahunting.com

Guns of London

Teil 1: Rigby und die Remembrance Poppies

London – das war die Traum-Destination meiner verkorksten Jugend. Musik, Movies, Mode, moderne Literatur – sprich: alles, was wirklich wichtig war – kam aus London oder stand in inniger Verbindung zu dieser Stadt, dem heiligen Gral der Anglophilen. Der Zeitgeist schien über den Wassern der Themse zu schweben, das Zentrum der Erdanziehungskraft irgendwo zwischen Hampstead und Greenwich zu verorten zu sein. Und war es nicht schon lange so? London sei die größte und großartigste (the biggest, and the greatest) Stadt der Welt, schrieb Joseph Conrad, Paris, verglichen mit London, nur „ein Quark, urteilte Fontane und wer Londons überdrüssig sei, sagt Samuel Johnson, der sei des Lebens überdrüssig: When a man is tired of London, he is tired of life.

Es wäre keine Zeitverschwendung, sich wochenlang einfach nur durch die Straßen dieser faszinierend lebendigen, vielfältigen, geschichtsträchtigen, boomenden Metropole treiben zu lassen, die unzähligen Museen und Galerien rechtfertigten ein Auslandssemester, die Kneipen, Bars und Pubs ein weiteres. Vor all diesem urbanen Glanz mag die Geschichte der berühmten Londoner Waffenmanufakturen nur als ein Randaspekt erscheinen. Doch auch für Kenner und Liebhaber feinster Jagdwaffen ist London ein einzigartiger Ort, stellt die London Best Gun den Höhepunkt traditionellen Büchsenmacherhandwerks auf allerhöchstem Niveau dar. Wir haben uns in den Showrooms der legendären Hersteller einmal umgesehen.

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Sie nennen mich Willi – ein Schweißhundwelpe erzählt

Eine Kolumne von Robert Saemann-Ischenko

Folge 10a (außerplanmäßig): Kleinanzeige

Haaaaaaaaaalooooooooooooo da draußen! Hört mich jemand? Hiiiiilfeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeee! Mayday, all stations, BGS in Not, mayday! Diese Pfeifen! Schwächlinge! Halbe Heringe! Einfaltspinsel, zweibeinige!

Die fahren womöglich im Herbst nicht nach Schottland! Was mir ja eigentlich schnurzpiepe sein kann, nur habe ich noch keinen Frühlingsschein oder wie das heißt, so dass ich auf die Nulpen angewiesen bin. Heißt: Ich komme auch nicht nach Schottland, wenn die nicht fahren, und das würde ich kaum überleben, sooooooo schön war das da nämlich letztes Jahr, au weia, ich darf gar nicht dran denken, sonst laufe ich gleich los.

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Nasse Tage in Cowal

Rotkahlwild-„Jagd auf eigene Faust“ in Cowal/Schottland im November 2014 – Ein Reisebericht von Robert Saemann-Ischenko

1. Tag

Naß, nasser, Cowal im November. Selbst die Eingeborenen der Halbinsel im Südwesten Schottlands geben zu, es sei wet. Noch nicht very, aber immerhin quite. Nach einer halben Stunde Ansitz ist das Wachs runter von den Bergschuhen und der Regen drin im altersschwachen Fernglas. Wobei „Anlage“ es besser treffen würde: Ich kauere im Heidekraut und strecke mich nur alle fünf Minuten so weit hoch, dass ich gerade eben durchs Gras über den Horizont schielen kann – ist es schon da, das Rotwild, dessentwegen wir hier sind? Nö. Nur Regen, den der Sturm in so dichten Schauern von links nach rechts über den Kahlschlag treibt, dass er die Fernsicht nimmt wie Nebel. Dabei könnte man hier weit schauen, denn die für die wenig zimperliche schottische Forstwirtschaft typischen Harvester haben hier Dutzende Hektar Fichtenwald in eine Mondlandschaft verwandelt. Das dürre Gras zwischen den Stümpfen würde in Deutschland kein Rotwild interessieren, den schottischen Kollegen aber genügt’s, der Menge an Losung nach zu urteilen.

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Mit der Brandl in die neue Welt

Ein Beitrag von Joachim Ernst

Vor zwanzig Jahren haben meine Frau und ich immer einmal wieder an der GreenCard-Lotterie der USA teilgenommen. Damals wild entschlossen, sofort alles stehen und liegen zu lassen und das eigene Glück in der Neuen Welt zu schmieden. Gewonnen hatten wir nie. Jetzt, zwanzig Jahre später, kommt bei einer Tasse Kaffee das Gespräch auf die alten Zeiten und mehr aus einer Laune, denn aus Ernsthaftigkeit heraus, füllen wir das Bewerbungsformular erneut aus. Es kommt wie es kommen muß. Nach einigen Monaten liegt die Gewinnbenachrichtigung im Briefkasten. Der Schreck war eindeutig größer als die Freude, aber das sich anschließende Auswahlverfahren bei der US-Botschaft, bei dem noch einmal die Hälfte der Gewinner aussortiert wird, wollten wir doch mitmachen. Auch das haben wir erfolgreich überstanden und mussten uns nun entscheiden. Letztlich haben wir uns entschieden und sind samt unseres nun dreieinhalb Jahre alten Brandlbrackenrüden Argos vom Basenberg nach New Hampshire in die USA gezogen.

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Großwildjäger zu Besuch

Ein Gespräch über Jagd und Naturschutz in Afrika

„…Es ist leicht, von Hamburg oder München aus den Erhalt gefährlichen Großwilds zu fordern. Die Menschen vor Ort, die von Löwen gefressen oder deren Felder von Elefantenherden zertrampelt werden, denken anders darüber. Da zahlt übrigens keiner Wildschaden, da geht es um die Existenz. Über Tiere gut zu denken und zu reden, hilft den Tieren nicht, Tierfilme im Fernsehen zu gucken auch nicht. Aber wer in Afrika viel Geld dafür zahlt, einen Leoparden zu schießen, der hilft den Tieren…“

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Von Beeren und Elchen

Eine Reise in die einsamen Weiten Kareliens, in die Moore und Wälder unterm Polarkreis dicht an der russischen Grenze, wo wir vor dem Elchhund auf den Schaufler jagten.

Text und Fotos: Stephan Elison

Teemu und Enska flüstern jetzt nur noch: „237 Meter“, raunt Enska, einer der beiden finnischen Jäger und Hundeführer, die Entfernung vom Display seines Handys ablesend. Teemu wirft einen bedeutsamen Blick auf meine Waffe, das heißt: Mach dich fertig. Lautlos gleitet das Gewehr von der Schulter, ich entsichere und starre konzentriert in das ortsübliche Dickicht aus Birken, Kiefern und Fichten mit ihren vielfarbigen Flechtenbärten, aus dem vielleicht, hoffentlich gleich der Elch hervorbrechen wird.

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