Erzählt

Bock, Überläufer und Hecht an einem Tag

Ein Tag im Leben von JAWINA-Leserin Katja H. …

3:45 Wecker klingelt… Hunde, Rucksack und Waffe ins Auto… Wegen dem ungemütlichen Ostwind tatsächlich nochmals Winter-Klamotten an.

Um 4:30 langsam Erdkanzel angelaufen.

Paar Minuten später konnte man schon erkennen.. Malbaum unter den Eichen frisch besucht und Kirrung unten in 30m Entfernung in dem Bombenkrater leer geräumt.

4:55 Uhr raschelt es…1 m hinter mir kommt ein Fuchs zurück zum Bau.

5:05…. Überläufer-Keiler kommt ganz vertraut parallel von der Autobahn in den Krater und schaut, ob doch noch ein Maiskorn übrig ist.

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Louise Gray: Die anständige Fleischfresserin

Louise Gray hat ein Sachbuch geschrieben, das mit ein wenig Augen-Zudrücken auch als Bildungsroman durchgehen würde: Ausgangspunkt der bemerkenswerten Entwicklung, die die Autorin durchläuft, ist die im Kreis ihrer urbanen Freunde halb im Scherz ausgesprochene Idee, ein Jahr lang nur Fleisch von Tieren zu essen, die sie selbst getötet hat. Sie merkt gleich, dass sie damit einen Nerv getroffen hat – Freunde und Kollegen sind fasziniert, sie spüren ihre Unwissenheit, wissen nicht, wie man ein Tier findet, schlachtet, verarbeitet und waren zugleich „hungrig nach einer Beziehung zu dem Fleisch, das sie aßen, und zur Natur im Allgemeinen“: „Mir war klar, dass ich meine Idee in die Tat umsetzen musste.“

Die ist der Auftakt zu „Richtig Tiere essen?!“, wobei der englische Originaltitel „The Ethical Carnivore“ (Der ethische / moralische einwandfreie Fleischfresser) das Anliegen des Buchs besser wiedergibt. Als erstes Opfer und Repräsentanten ihrer Idee wählt Gray ein Kaninchen. Es endet im Debakel, jedenfalls fast: Beim Schuss auf das erste von ihr zu tötende Lebewesen ist Gray nervös, sie muckt und trifft zwar das Kaninchen – aber es schlägt noch einen Salto und verschwindet im Gebüsch. Louise Gray fühlt sich, als hätte sie „furchtbar etwas falsch gemacht“, als „schlechter Mensch“, der „furchtbares Leid verursacht“ hat. Watership-Down-Assoziationen suchen sie heim (bezeichnenderweise machen ihr, als sie ihre Mission beginnt, immer wieder vermenschlichte Tierfiguren aus Büchern und Zeichentrickfilmen zu schaffen, die die damit verbundene infantile Gefühlswelt wachrufen), ihre Knie zittern, sie ist den Tränen sehr, sehr nahe. Während ihr Guide Steve die Suche aufgibt und in den Pub fährt, dreht Louise, schon auf der Heimfahrt, noch einmal um und sucht das Kaninchen, instinktiv jene Grundsätze befolgend, die deutsche Jäger als Weidgerechtigkeit bezeichnen. Sie zerreißt sich ihr Sweatshirt am Stacheldraht, zieht sich blutige Kratzer und Dornen im Gestrüpp zu – und findet das Kaninchen. Bei Steve und seinen Kumpels im dörflichen Pub erntet „diese merkwürdige Frau in schlammverdreckten Klamotten mit Blättern im Haar“ dafür ehrliche Anerkennung. Ihre städtische Schwägerin kreischt: „Du hast ein Schmusetier getötet.“

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Nachsuche am Hochzeitstag

Eine Jagdgeschichte von JAWINA-Leser TB

Vor einigen Jahren, an einem schönen warmen Juniabend gegen halb acht, bestieg ich mit meiner lieben Sippe den Wagen, um in unserem Lieblingsrestaurant unseren Hochzeitstag zu feiern. Frau, Tochter, deren Freund , unser DD und ich – ausnahmsweise im feinen Zwirn.
Kaum auf dem Weg, bekam ich einen Anruf. Am anderen Ende der Leitung war der Vorsitzende der Jagdgenossenschaft eines Nachbardorfes, in dem ich damals jagte. Neben ihm stünde ein Jäger, der gegen 17:30 Uhr ein Schmalreh beschossen hat und es nun nicht finden kann. Es wird dringend ein Hund zur Nachsuche gebraucht. Darauf ließ ich mir vom Schützen selbst die Situation beschreiben. Er erklärte mir, dass der Anschuß 80 bis 90 Meter westlich der Kanzel lag und er diesen ordnungsgemäß an einer kleinen Kiefer verbrochen hätte. Bei der Nachsuche könne er nicht helfen, da er schon auf dem Heimweg sei. Da es für uns nur ein kleiner Umweg war, sagte ich in meinem jugendlichen Leichtsinn zu.

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„Von Furcht weiß ich nichts“

Warum in den Märchen der Brüder Grimm Jäger als harte Burschen voller Mitgefühl gezeichnet werden – ein Text von Robert Saemann-Ischenko.

Teil 2

Noch gefährlicher als Räuber, Wolf & Co.: Zwerge und Zauberinnen, Geister und Dämonen. Dieses Jenseitspersonal verflucht und verwandelt bevorzugt unschuldige Menschen („Jorinde war in eine Nachtigall verwandelt, die sang zicküth, zicküth“; aus „Jorinde und Joringel“), zwischendurch bestraft es aber auch mal aufs Krasseste die Richtigen, etwa das hartherzige Mädchen aus „Die drei Männlein im Walde“:

Da sprachen die kleinen Männer untereinander: »Was sollen wir ihm schenken, weil es so unartig ist und ein böses, neidisches Herz hat, das niemand etwas gönnt?« Der erste sprach: »Ich schenk ihm, dass es jeden Tag hässlicher wird.« Der zweite sprach: »Ich schenk ihm, dass ihm bei jedem Wort, das es spricht, eine Kröte aus dem Munde springt.« Der dritte sprach: »Ich schenk ihm, dass es eines unglücklichen Todes stirbt.«

Überhaupt sind in den frühen Märchen der Grimms drakonische Strafen allgegenwärtig, ebenso Angst und Einsamkeit, Willkür und Rohheit, Gewalt und Tod. Das Leben vieler Figuren ist bis ins Detail bestimmt von einer unerschütterlich erscheinenden und sozial fast undurchlässigen Ordnung – der König war von nahezu gottgleicher Allmacht, aber auch schon Dorfvorsteher oder beispielsweise der Lehrherr hatten die Macht, anderen das Leben zur Hölle zu machen.

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„Von Furcht weiß ich nichts“

Warum in den Märchen der Brüder Grimm Jäger als harte Burschen voller Mitgefühl gezeichnet werden – ein Text von Robert Saemann-Ischenko.

Teil 1

Von fast allem, was sich über die „Kinder- und Hausmärchen“ der Brüder Grimm sagen läßt, trifft auch das Gegenteil zu. Sie huldigen der Tugendhaftigkeit und der Kernfamilie, die Märchen – bersten aber immer noch vor Lebens- und sonstiger Lust. Manche spielen in einer rein literarischen Mittelalterkulisse, andere schildern mit fast schon soziologischer Genauigkeit das bäuerliche Deutschland des 17. und 18. Jahrhunderts („Das Heiraten ist eine Freude und ist auch eine Qual“, heißt’s so schön in „Die drei Männlein im Walde“). Im Wald der Märchen wollen einerseits immerzu Räuber, Tiere und Hexen dem Menschen ans Leben, doch findet er genau und nur dort auch Schutz und Beschützer. Ein Berufsstand allerdings kommt bei den Grimms durchweg und fast ausnahmslos positiv weg, und das sind die Jäger.

Aus einem historischen Einzugsbereich von über 500 Jahren stammen die Märchen, die Jacob und Wilhelm Grimm zusammengestellt haben. Schwänke finden sich darin ebenso wie mündlich überlieferte Volksmärchen, von Schriftstellern verfaßte Kunstmärchen, Legenden, Ursprungsgeschichten. Eine kleine statistische Auswertung ergibt, dass in 211 Märchen der Grimms Jagd/Jagen/Jäger 31mal erwähnt wird, also in jedem siebten. Und zwar spielt die Jagd naturgemäß in den volkstümlichen Schwänken keine Rolle – eine um so größere aber in den Märchen mit mittelalterlichem Kolorit.

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Alfred Brehm: Der Wolf

„Hier mal was zum Wolf von Alfred Brehm, alt, aber wahrscheinlich aus der Praxis“, schreibt Jawina-Leser AHe, dessen Anregung (danke nochmal dafür!) wir gerne aufnehmen: Im folgenden das Kapitel „Der Wolf“ aus Brehms Tierleben von 1827:

Der Wolf ( Canis lupus) hat etwa die Gestalt eines großen, hochbeinigen, dürren Hundes, der den Schwanz hängen läßt, anstatt ihn aufgerollt zu tragen. Bei schärferer Vergleichung zeigen sich die Unterschiede namentlich in folgendem: Der Leib ist hager, der Bauch eingezogen; die Läufe sind klapperdürr und schmalpfotig; die langhaarige Lunte hängt bis auf die Fersen herab; die Schnauze scheint im Verhältnis zu dem dicken Kopfe gestreckt und spitzig; die breite Stirn fällt schief ab; die Seher stehen schief, die Lauscher immer aufrecht. Der Pelz ändert ab nach dem Klima der Länder, die der Wolf bewohnt, ebensowohl hinsichtlich des Haarwuchses wie bezüglich der Färbung. In den nördlichen Ländern ist die Behaarung lang, rauh und dicht, am längsten am Unterleibe und an den Schenkeln, buschig am Schwanze, dicht und aufrechtstehend am Halse und an den Seiten, in südlichen Gegenden im allgemeinen kürzer und rauher. Die Färbung ist gewöhnlich fahlgraugelb mit schwärzlicher Mischung, die an der Unterseite lichter, oft weißlichgrau erscheint. Im Sommer spielt die Gesamtfärbung mehr in das Rötliche, im Winter mehr in das Gelbliche, in nördlichen Ländern mehr in das Weiße, in südlichen mehr in das Schwärzliche. Die Stirne ist weißlichgrau, die Schnauze gelblichgrau, immer aber mit Schwarz gemischt; die Lippen sind weißlich, die Wangen gelblich und zuweilen undeutlich schwarz gestreift, die dichten Wollhaare fahlgrau. Hier und da kommt eine schwarze Spielart des Wolfes vor. Gebirgswölfe sind am allgemeinen groß und stark, Wölfe der Ebenen merklich kleiner und schwächer, keineswegs aber auch minder raub- oder angriffslustig. In Ungarn und Galizien unterscheidet man ganz allgemein den Rohr- und Waldwolf. Ersterer ist rötlichgrau, nicht stärker als ein mittelgroßer Vorstehhund, lebt meistens in zahlreichen Rotten beisammen und liebt ebene, sumpfige, nicht sehr waldreiche Gegenden; letzterer hat aschgraue Färbung, erreicht eine viel bedeutendere Größe als der Rohrwolf, schlägt sich nur während der Ranzzeit in größere Meuten zusammen, bildet außerdem Trupps von zwei bis fünf Stück und bevorzugt zusammenhängende Waldungen. Beide können wohl nur als Spielarten aufgefaßt werden, ebenso wie der in China hausende Tschango schwerlich als besondere Art sich bewähren dürfte. Ein ausgewachsener Wolf erreicht 1,6 Meter Leibeslänge, wovon 45 Zentimeter auf den Schwanz kommen; die Höhe am Widerriste beträgt etwa 66 Zentimeter. Die Wölfin unterscheidet sich von dem Wolfe durch etwas schwächeren Körperbau, spitzere Schnauze und dünneren Schwanz.

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Vom Versuch, einen Wolf zu zähmen

Unter der Überschrift „Mein Vater hat versucht, einen Wolf zu zähmen“, berichtet Gavin Jenkins auf Vice über das exotische Haustier seines Vaters. Das Thema dieses Berichts, dieser Geschichte ist wohl eher die schwierige Beziehung des Autors zu seinem Vater, in der der Wolf irgend etwas dunkles symbolisiert, das vom „Alpha-Männchen“ zu bezwingende Wilde, etwas Furchteinflößendes, an dem und mit dem trainiert werden kann, keine Angst zu zeigen. Die Geschichte scheint authentisch zu sein, jedenfalls legen das die Bilder nahe, mit denen der Beitrag illustriert ist und die Wolf „Dusty“ mit dem vielleicht fünf Jahre alten Jenkins zeigen.

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Sechs Männer, sechs Sägen: Das Jawina-Timbersports Wochenende

Es ist nicht ungewöhnlich, dass Anrufe in der Jawina-Redaktion eingehen, Anrufe, die eigentlich Hilferufe sind. So auch diesmal: Mit bewegter Stimme berichtete der Anrufer von einem kleinen Reetdachhäuschen, in dem eine arme, vielköpfige Kätnersfamilie ihr armseliges Dasein fristete. Doch das Idyll schien bedroht: Naturgewalten hatten sich verschworen, der armen Bauernsippe das Dasein zu verleiden. Uralte Baumriesen waren wie Zündhölzchen geknickt worden, Baumkronen hingen im Geäst anderer Bäume und drohten, die Heimstatt der verängstigten Schar zu zermalmen. Der Lage war klar: Dies ist ein Fall für das Jawina-Chainsaw-Rescue-Team…

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Oskars Welt: Ein ungenehmigter Ausflug

Also nachdem ich gestern rausgefunden habe, wie tief die Dahlienzwiebeln von Frauchen eingebuddelt sind, habe ich mir heute früh überlegt, ob ich wohl durch den Zaun passe! Mein Frauchen war gerade mit einem Kaffee und dem Gartenschlauch ganz entspannt am sprengen, als mein Kumpel Tobi (du weißt schon, unser Kater) vor meinen Augen durch den Zaun geschlüpft ist. Meinen Hochsicherheitstrakt hinten im Garten durfte ich nämlich verlassen, weil Frauchen sich gedacht hat… na ja, du weißt schon. Also was der kann, kann ich schon lange, hab ich mir gedacht…

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Re(h)alsatire – eine wahre Geschichte

Das Jahr zählte erst wenige Wochen, im Land Brandenburg waren Kitze noch offen. Am Morgen hatte der Jäger Helge K. Weidmannsheil – er streckte ein Stück Rehwild der Altersklasse 0. Soweit völlig legal: K. ist im Besitz eines gültigen Jagdscheins und, wie viele Berliner Weidgenossen, eines Begehungsscheins für das Revier im Nachbarland. Allerdings geriet er durch den Jagderfolg unter Zeitdruck, weil er zur Arbeit musste. Statt das ordnungsgemäß aufgebrochene und für die Verwertung in der eigenen Küche vorgesehene Stück in die etwas abgelegene Kühlkammer zu bringen, bat er einen befreundeten Mitjäger, es vorübergehend auf seinem Balkon zu lagern – bei der kühlen Witterung eigentlich kein Problem.

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