Brandenburger Laienspielschar in voller Aktion

Ein Gastkommentar von Prof. Dr. Hans-Dieter Pfannenstiel

Im Juli 2014 hatte ich in einem Brief an die Landrätin des Kreises Teltow-Fläming angeregt, im Zeichen der heranrückenden Afrikanischen Schweinepest (ASP) die Gebühr für die Trichinenbeschau bei Frischlingen zu erlassen. Damit sollte die Erlegung schwacher Frischlinge stimuliert werden. Nur wenn es gelingt, einen Großteil der Frischlinge eines jeden Jahrgangs abzuschöpfen, kann innerhalb weniger Jahre mit einem Rückgang der Schwarzwildbestände und damit einem geringeren Ausbreitungsrisiko der ASP gerechnet werden. Andernfalls könnte nur eine unbarmherzige Bejagung des Schwarzwildes ohne Rücksicht auf Schonzeiten und auf Schutz führender Bachen bestandssenkend wirken. Eine solche im wahrsten Wortsinn ökologische Jagd lehne ich ab.

Mit einer Flut rechtlicher Bedenken wurde mein Vorschlag damals abgelehnt, obwohl das Bundesland Hessen und einige Landkreise anderer Bundesländern die Gebühr für die Trichinenschau bei Frischlingen bereits seit ein paar Jahren nicht mehr erheben, das also rein rechtlich durchaus möglich ist. Der Landesjagdverband Brandenburg (LJVB) hat dann später die gleiche Forderung erhoben, ist aber auf Landesebene ebenso gescheitert wie ich damals auf Kreisebene.

Um dennoch seinen Mitgliedern etwas zu bieten und Tatkraft an den Tag zu legen, hat der LJVB dann mit dem Ministerium, sprich mit der Obersten Jagdbehörde (OJB), einen Handel abgeschlossen, wonach Frischlinge bis 20 kg Lebendgewicht mit der sog. „Kleinen Kugel“, also mit für Rehwild zugelassenen Kalibern und Patronen, erlegt werden dürfen. Dies wurde dann auch sofort vollmundig in Presse und Fernsehen verkündet. Spontan habe ich mich gefragt, wie soll das eigentlich jagdpraktisch gehen? Man geht ja meist nicht nur raus ins Revier, um schwache Frischlinge zu erlegen. Was macht man, wenn ein anderes Stück Wild kommt, für das die Rehwildpatrone nicht zugelassen ist? Oder sind die Brandenburger Jäger alle so finanzkräftig, dass sie Bergstutzen mit großer und kleiner Kugel führen? Im Übrigen gilt eine solche Regelung bereits seit Jahren in Nordrhein-Westfalen, ohne dass sich die Zahl erlegter Frischlinge sprungartig nach oben verändert hätte. Das liegt aber eben daran, dass kaum jemand aus genannten Gründen mit der „Kleinen Kugel“ auf Frischlinge geschossen hat. Und dann kam noch als bisher krönender Abschluss dieser traurigen Posse heraus, dass die OJB einen wahrhaft monsterhaften Fragebogen entwickelt hat, mit dem jede Erlegung eines Frischlings mit der Rehwildpatrone dokumentiert werden muss. Die Fragebogen sollen dann bei der OJB zur Auswertung eingereicht werden. Geht´s denn noch, liebe OJB?

Die für mein Revier zuständige Untere Jagdbehörde des Kreises Teltow-Fläming leitet nun allerdings die Allgemeinverfügung der OJB ausdrücklich nicht an die Jagdausübungsberechtigten weiter, weil sie formalrechtliche Einwände hat, wie von Jawina auch dargestellt.
Was macht denn nun der biedere Weidmann an der jagdlichen Front? Soll er, darf er, oder soll er besser nicht, weil er nicht darf? Keine Angst, liebe Weidgenossen, Verstöße, also Erlegung eines Frischlings mit der Rehwildpatrone, werden nicht geahndet. Das nenne ich mal Rechtssicherheit.

Als Trostpflästerchen weist der LJVB nun darauf hin, Jawina hat darüber berichtet, man könne ja bei der Abgabe der Trichinenprobe eines mit der „Kleinen Kugel“ erlegten Frischlings einen Antrag auf Gebührenbefreiung einreichen. Die Erlegung von Frischlingen im Zeichen der drohenden ASP diene der Prophylaxe und läge damit im öffentlichen Interesse. Damit sei die Voraussetzung für die Gebührenbefreiung nach Meinung des LJVB erfüllt.

Man stelle sich das in der Praxis vor. Zunächst wird nach der Erlegung eines solchen schwachen Frischlings mir der „Kleinen Kugel“ ein Fragebogen ausgefüllt und nach Potsdam an die OJB geschickt. Dann wird der Antrag auf Gebührenbefreiung ausgefüllt und die Trichinenprobe kilometerweit zum Veterinäramt gekarrt. Und eventuell bekommt man nach ein paar Wochen einen Bescheid, der die Befreiung entweder bestätigt oder ablehnt.

Liebe Leute, bleibt doch mal auf dem Teppich. So kann das doch nicht funktionieren. Der wirklich entscheidende Punkt wird weder von der OJB noch vom LJVB angesprochen. Das ist die nahezu generelle Weigerung der Jägerschaft, bereits bei den wenige kg schweren gestreiften Frischlingen mit der Bejagung zu beginnen. Hier wird nach wie vor mit zweierlei Maß gemessen. Wir erlegen aus guten Gründen die Fuchswelpen am Bau, ohne sie verwerten zu können. Warum tun wird das nicht bei gestreiften Frischlingen, die nur zwei oder drei kg schwer sind? Die kann man auch nicht verwerten, es fallen aber auch weder Trichinengebühr noch lange Wege zum Veterinäramt an. Aber wenn unser Jagdgesetz die Anpassung von Wildbeständen an die Landeskultur fordert und dies im Falle des Schwarzwildes nur funktionieren kann, wenn möglichst viele Frischlinge erlegt werden, dann muss eben schon mit der Frischlingsbejagung begonnen werden, auch wenn die Verwertbarkeit nicht gegeben ist! Niemand sagt, dass das Freude macht. Aber alles andere ist scheinheilig und heuchlerisch. 1936/37 wurden im damaligen Deutschen Reich ca. 36.000 Sauen erlegt, im Rekordjahr 2008/09 haben wir in Deutschland auf einer ca. ein Drittel kleineren Fläche über 640.000 Sauen erlegt. Diese Zahlen müssten doch eigentlich auch die letzte Schnarchnase aufwecken. HDP

Beitragsbild: Frischlinge – erlegt am 26.04.2009 von Hans-Dieter Pfannenstiel „ohne den Hauch eines schlechten Gewissens.“ Copyright: HDP

2 Gedanken zu „Brandenburger Laienspielschar in voller Aktion

  1. Georg Baumann

    Prof. Pfannenstiel hat in seiner Analyse Recht. An zwei Stellen bedarf es aber einer Klarstellung:

    1. Bei der Zulassung der Kleinen Kugel handelt es sich keinesfalls um einen „Handel“ des LJVB mit der Obersten Jagdbehörde. Wie aus zahlreichen Veröffentlichungen und Stellungnahmen des LJVB hervorgeht, haben wir immer ein Maßnahmenpaket gefordert: a) Befreiung von der Trichinenprobengebühr für Frischlinge b) Erlaubnis der KLeinen Kugel (übrigens wohl wissend, dass dies für viele Jäger/innen keinen Unterschied macht, aber für einige eben doch) c) Beseitigung jagdlicher Beschränkungen in NSG oder anderen Flächen sowie d) die Möglichkeit, unkompliziert Bejagungsschneisen anzulegen
    Leider wurde bisher nur die Kleine Kugel umgesetzt. Noch dazu so, dass es in der Tat zu erheblicher Rechtsunsicherheit führt. Die OJB wurde aufgefordert, hier für Klarhheit zu sorgen. Die anderen Forderungen halten wir selbstverständlich nach wie vor aufrecht.

    2. Wer den Antrag auf Befreiung von der Trichinenprobengebühr als „Trostpflästerchen“ für die Jäger bezeichnet, hat den Sinn nicht verstanden. Wir sind davon überzeugt, dass wir auf diese Weise nachdrücklich auf das Problem aufmerksam machen können. Wenn man mit guten Argumenten nicht durchkommt, muss man eben Taten folgen lassen. Wenn eine Behörde im Monat über 100 Anträge einzeln bescheiden muss, wird man sich vielleicht doch Gedanken machen, wie man den Arbeitsaufwand reduzieren kann. In der Frage sollten wir Jäger uns an unseren Terriern orientieren: Hartnäckigkeit! Also bitte fleißig Anträge mit der Trichinenprobe einreichen. Einen Vordruck gibt’s hier: http://www.ljv-brandenburg.de/wp-content/uploads/bsk-pdf-manager/2016-04-06_159.pdf

    Beste Grüße und Weidmannsheil,
    Georg Baumann, Geschäftsführer LJVB

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