Brandenburg: Wolf reisst Kalb in Mutterkuhstall

In Lindenau (Landkreis Oberspreewald-Lausitz) ist ein Wolf in einen Mutterkuhstall mit 250 Mutterkühen und 100 Kälbern eingedrungen und hat ein Kalb gerissen. Das berichtet die Lausitzer Rundschau (LR)). Als der Tierpfleger um 5.30 Uhr morgens den Stall aufschloss, traf er den Wolf noch auf einem Futtertisch stehend an. Der Wolf ergriff dann die Flucht. Der Chef der Agrargenossenschaft sprach angesichts des Wolfsrisses in einem Stall von einer neuen Qualität und warnte vor den Folgen für die Tierhaltung: Die Ställe zu verrammeln, um die Kühe vor Wölfen zu schützen, widerspreche artgerechter Tierhaltung. Kühe bräuchten Luft, Licht und Auslauf. In Lindenau mache sich Angst breit, so die MAZ, schließlich liege der Kuhstall nicht abseits, sondern „gleich neben den ersten Häusern am Dorfrand“.

Im benachbarten Landkreis Dahme-Spreewald nehmen die Schäden durch Wolfsrisse zu, Nutztierhalter fürchten um ihre Existenz, berichtet ebenfalls die Lausitzer Rundschau. Allein in Südbrandenburg „von der Neiße bis zur Elbe“ leben nach Auffassung eines in der LR zitierten „Wolfsexperten“ ca. 100 Wölfe. Ein Eingriff in die Population sei nicht notwendig, die maximale Populationsdichte sei erreicht – was indes fraglich erscheint, da die Dichte der Beutegreifer von der Dichte der Beutetiere bestimmt wird. Solange die Wölfe genug Wild- und Nutztiere finden, werden sich wohl auch neue Rudel in entsprechend kleineren Streifgebieten ansiedeln können.

Die Nachfrage für Schutzmaßnahmen auch für Kuhweiden stelle das Land vor finanzielle Herausforderungen, so die LR: Es sei fraglich, ob das Budget für 2018 ausreiche.

Wirkung zeigt indes die bürokratische und langsame Bearbeitung der Schadensersatzzahlungen für Wolfsrisse: Obwohl die Anzahl der Schäden im Landkreis zunahm, vermutet ein Wolfsbeauftragter in der LR eine hohe Dunkelziffer, weil die Tierhalter frustriert seien und Schäden nicht meldeten.

Allein in den drei nördlichen Bundesländern Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern haben Wölfe im Jahre 2017 mehr als 500 Nutztiere gerissen, wie der Spiegel unter Berufung auf einen Bericht der Neuen Osnabrücker Zeitung meldet. Dies bedeute eine deutliche Steigerung gegenüber dem Vorjahr. SE

Die Red. dankt JAWINA-Leser JS für die Hinweise!

Beitragsbild: Headline des verlinkten Artikels in der LR (Screenshot)

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