Brandenburg schreibt Werkvertrag für staatlichen Wolfsjäger aus

Auf dem Vergabeportal des Landes Brandenburg ist ein Werkvertrag ausgeschrieben, die im Rahmen des Vertrags zu erbringenden Leistungen sind mit „Ermittlung und Bewertung verhaltensauffälliger Wölfe und Vergrämung, Fang und Entnahme verhaltensauffälliger Wölfe im Land Brandenburg“ etwas sperrig beschrieben. Das LfU bestätigte gegenüber JAWINA die Authentizität der Ausschreibung. Unter dem Punkt „Vertragsgegenstand“ heißt es in der (der JAWINA-Redaktion vorliegenden) Ausschreibung: „Der Vertrag beinhaltet die Ermittlung und Bewertung von vermehrten Kontakten des Wolfes zum Menschen sowie die Erarbeitung eines gutachterlichen Vorschlags zum Umgang mit solchen Tieren. Auf dieser Grundlage entscheidet die Fachbehörde für Naturschutz über den weiteren Umgang mit solchen Tieren. Fällt die Entscheidung zur Vergrämung, zum Fang oder zur sonstigen Entnahme aus der Natur, wird der Auftragnehmer in die weiteren Maßnahmen mit eingebunden. Der Vertrag wird als Rahmenvertrag (01.12.2017 bis 30.11.2020) geschlossen und nach tatsächlich erbrachter Leistung abgerechnet.“

Das Vorgehen sieht so aus, dass die beim Landesamt für Umwelt (LfU), dem Umweltministerium (MLUL) oder der Schadenhotline eingehenden Meldungen über Wolfsrisse und -Konflikte von LfU und MLUL zunächst bewertet werden. Dann wird der Auftragnehmer je nach Einschätzung der Lage mit verschiedenen Maßnahmen beauftragt. „Daten zur unmittelbaren Kontaktaufnahme mit dem Auftragnehmer werden der Öffentlichkeit im Vorfeld der Einsatzentscheidung nicht bekannt gegeben“, heißt es in der Ausschreibung.

Der Auftragnehmer hat dann je nach Situation und Auftrag folgende Leistungen zu erbringen:

a) Aufnahme aller über die Risshotline oder andere Meldewege (Telefonkontakt Ordnungsämter, Polizei, Tierärzte, Jäger etc.) eingehenden Meldungen von verhaltensauffälligen Wölfen; Rufbereitschaft an 365 Tagen im Jahr; Im Urlaubsfall hat der Auftragnehmer eine Vertretung zu bestimmen. Dabei muss es sich um geeignete fachlich qualifizierte Person(en) handeln. Die Person(en) ist im Angebot zu benennen und die entsprechenden Referenzen sind vorzulegen.

b) Bestätigung der Meldung und Kontaktaufnahme mit dem Melder/Ansprechperson vor Ort innerhalb von 2 Stunden nach Eingang der Meldung; sofortige Abstimmung mit LfU über Einsatz vor Ort, in Ausnahmefällen (keine Erreichbarkeit einesAnsprechpartners innerhalb des LfU, Gefahr im Verzug) eigenständige Entscheidung mit anschließender Information des LfU.

c) Durchführung von Befragungen der Melder und weiterer involvierter Personen und Behörden; Recherche der Begleitumstände und Vorgeschichte der Beobachtung(en); Protokollierung und (fotografische) Dokumentation der Gesprächsinhalte.

d) An- und Abfahrt zum Meldeort mit eigenem Fahrzeug.

e) Aktives problemorientiertes Monitoring durch Installation eines dichten Netzes an Fotofallen. Die Fotofallen werden vom Gutachter gestellt.

f) Gewährleistung eines ständigen Kontakts zur Bevölkerung und Verwaltung vor Ort (Rufbereitschaft).

g) Bewertung und Dokumentation aller Vorkommnisse und Meldungen hinsichtlich ihrer Gefährlichkeit auf Grundlage des aktuellen Wolfsmanagementplans, der jeweils gültigen Brandenburgischen Wolfsverordnung und der Empfehlungen der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW).

h) Erarbeitung eines begründeten Vorschlags für das weitere Handeln auch unter Einbeziehung weiterer Spezialisten (Vergrämung, Besenderung, Entnahme).

i) Zeitnahe Überstellung aller Dokumente und Protokolle als pdf-Dateien an das LfU.

j) Der Auftragnehmer ist für ausreichenden Versicherungsschutz und Arbeitsschutz im Rahmen seiner gutachterlichen Tätigkeit verantwortlich.

Interessant wird es dann unter Punkt Teilleistung 2: Vergrämung, Fang und Entnahme verhaltensauffälliger Wölfe:

a) Kontaktaufnahme und Abstimmung mit zuständigem Amtsveterinär, Ordnungsbehörden und weiteren zuständigen Behörden (uNB); Nutzung des Amtsveterinärischen Bereitschaftsdienstes auch am Wochenende/Feiertage.

b) An- und Abfahrt zum Meldeort mit eigenem, ggf. für den Transport von immobilisierten Wölfen ausgerüstetem Fahrzeug (Transportkäfig, Verdunkelung).

c) Federführendes Agieren vor Ort in enger Abstimmung mit LfU unter Beachtung des gesetzlichen Rahmens (Artenschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung).

d) Fang: Aufbau und kontinuierliche Überwachung der Lebendfallen; bei erfolgreichem Lebendfang sofortige Rücksprache mit LfU.

e) Immobilisierung und Besenderung: enge Zusammenarbeit mit zuständigem Amtsveterinär; Einhaltung des gesetzlichen Rahmens (Tierseuchengesetz, Tierschutzgesetz) und Beachtung des Selbstschutzes;

f) Transport eines immobilisierten und besenderten Wolfs in Absprache mit LfU; Vorbereitung und Durchführung der Freilassung.

g) Tötung ohne vorherigen Fang: Tierschutzgerechte Tötung nach Freigabe durch die zuständigen Behörden mittels Distanzwaffe; Kontaktaufnahme zum IZW Berlin, Kontaktstelle Wolfstotfundmonitoring und Transport des Kadavers zum IZW.

h) Tötung eines lebend gefangenen Wolfs: Tierschutzgerechte Tötung nach Freigabe durch die zuständigen Behörden mittels Immobilisierung und Einschläfern (ggf. durch Hinzuziehung eines Tierarztes); Kontaktaufnahme zum IZW Berlin und Transport des Kadavers zum IZW. ) Dokumentation aller Maßnahmen der Punkte d) bis h) in Schrift und Bild; Fotodokumentation mit GPS-gestützter Kamera zur exakten Lokalisierung der
Aufnahmen.

j) Zeitnahe Überstellung der digitalen Protokolle als pdf-Dateien an das LfU.

k) Der Auftragnehmer ist für ausreichenden Versicherungsschutz und Arbeitsschutz im Rahmen seiner Tätigkeit verantwortlich; er muss die Berechtigung zum Führen von Vergrämungswaffen und Immobilisationswaffen besitzen und die rechtlichen
Voraussetzungen gem. Waffenrecht, Tierschutzgesetz, Jagdrecht beachten.

l) Bereithalten von mindestens fünf Fotofallen zum engmaschigen aktiven Monitoring vor Ort, Vergrämungsmitteln wie Pfefferspray, Knallkörpern etc..
m) Bereithalten der vom Auftraggeber zur Verfügung zu stellenden notwendigen Arbeitsmittel (Fanghandschuh, Fangnetz, Fangschlinge) für die Bergung lebend gefangener Wölfe.

n) Anschaffung und Bereithalten von Vergrämungswaffen (Jagdflinten, Handfeuerwaffen) und geeigneter Vergrämungsmunition (Gummigeschosse, Gummischrot) in ausreichender Menge.

o) Organisation der technischen Ausrüstung und Durchführung der Besenderung lebend gefangener Wölfe (GSM-GPS-gestützte Halsbandsender); Einholung der notwendigen Genehmigungen zur Funknutzung sowie der artenschutzrechtlichen und tierschutzrechtlichen Ausnahmegenehmigung für die Besenderung.

p) Bei Wiederfreilassung eines telemetrierten Tieres: zeitnahe Auswertung der gewonnenen Beobachtungsdaten, auch unter Einbeziehung externer Sachverständiger, und Überstellung der gewonnenen Daten an das LfU.

q) Der Auftragnehmer trägt im Rahmen dieses Leistungskatalogs keinerlei Kosten für Sach- und Dienstleistungen Dritter (Melder, Tierärzte, Labore, Behörden, Jäger etc.).

Bewerber sollen ein erfolgreich abgeschlossenes Hochschulstudium mit einem Diplom- oder Masterabschluss in den Fachrichtungen Umwelt-, Forst- oder Landwirtschaftswissenschaften oder Veterinärmedizin mitbringen sowie „vertiefte Kenntnisse der Biologie des Wolfes und im Monitoring (Zertifikate, Referenzen: eigene Erfassungen/Gutachten, wissenschaftliche Veröffentlichungen) und natürlich einen gültigen Jagdschein und Immobilisierungsbefähigung  sowie Erfahrung im Lebendfang von Wildtieren (Fallenfang).

Bewerbungen sind bis 30.11.2017 16:00 Uhr an das LfU zu richten. SE

Beitragsbild: Leistungsbeschreibung zur Ausschreibung des Werkvertrags für einen „staatlichen Wolfsjäger“. (Screenshot)

6 Gedanken zu „Brandenburg schreibt Werkvertrag für staatlichen Wolfsjäger aus

  1. Jäger69

    Diese Stelle sollte unbesetzt bleiben, mangels Bewerbern. Der Problembeseitiger für die Verursacher zu sein, um dann noch unter Umständen von den Unterstützern verbal, materiell und körperlich angegriffen zu werden? Wer garantiert den Schutz des staatlichen Wolfsjägers? Wieder mal ein Spiegelbild unserer Gesellschaft, daß andere die Suppe auslöffeln sollen.

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  2. J. Körner

    Bei Teilleistung 2 k) wird es doch interessant, denn hier wird das Jagdausübungsrecht(„Jäger“) wie auch das Jagdrecht(Grundeigentümer, Eigentumsrecht) ausgehebelt.
    OK, der Wolf ist bislang nicht flächendeckend in’s Jagdrecht aufgenommen worden aber falls das passieren sollte sind rechtliche Streitigkeiten vorprogrammiert.
    Schön, wenn jemand den „Wolfsjägerjob“ übernimmt und ich mich als Jagdausübungsberechtigter nicht mit irgendwelchen Wolfsrechtlern herumschlagen muß. Aber es bleibt ein ungutes Gefühl wenn die Jagd auf diese Art und Weise mehr und mehr in staatlich lizensierte Hände gelegt werden soll: Wehret den Anfängen!

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  3. Ralf K.

    Sehe ich es richtig, dass die Aushebelung des Jagdausübungsrecht ein Fall für das Bundesverfassungsgerichtes ist?

    Der eurpopäische Wolf ist „Wild“ und hat aufgrund des gegebenen günstigen Erhaltungszustandes mit 30% jährlicher Bestandszunahme
    (Fragen diesbezüglich bitte zu richten an den Gutachter: Univ. Prof. Dr. Hans Dieter Pfannenstiel, Diplom Biologe, [Adresse entfernt, admin.])
    dem Jagdrecht zu unterliegen.
    Ich kann dem LJV Brandenburg nur raten, sich mit dem DJV für eine Klage vor dem Bundesverfassungsgericht zusammen zu tun! Wenn diese Regelung so umgesetzt wird und von anderen Bundesländern übernommen wird, dann muss man sich mit dem Gedanken anfreunden, dass der staatliche Wolfjäger in Zukunft auf dem Hochsitz sitzt, auf dem man eigentlich selber jagen wollte.

    Aus dem Bauch heraus muss das staatliche Interesse eigentlich eher daran liegen, dass die Jäger (weil flächendeckend und ortskundig und kostenneutral) den Wolfabschuss erledigen. Aus meiner Sicht überwiegt das Gewicht der Rechtes auf Ausübungen des Jagdrechtes durch die Bevölkerung gegenüber dem Interesse von Umweltministerien (Bund/Länder) zur teilweisen Übernahme des Jagdrechtes durch den Einsatz von staatlichen Wolfjägern.

    Ich fordere die Jagdverbände auf, Rüchgrat zu zeigen und sich klarer zu positionieren! Es kann und darf nicht sein, dass Erlasse und Verordnungen nur noch im Hinblick auf die Vermeidung von zu erwartenden Klagen durch BUND NaBu oder WWF etc. erstellt werden und der eigentlich weiter notwendigen Jagd die Rechtsgrundlage Stück für Stück entzogen wird.
    Wir haben ein Recht auf Jagdausübung!

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  4. Peter

    Das deutsche Jagdrecht, nach dem jedermann das Recht und die Möglichkeit hat die Jagd auf alles Wild, Hoch- und Niederwild, auszuüben ist ein hohes Gut und ein zutiefst demokratisches Bürgerrecht.
    Dieses Recht soll hier beschnitten werden, indem ein Umweltadel sich die Wolfsjagd auf jeglichem Grundbesitz aneignen will.
    Es sind immer noch die Eigentümer der Flächen einer Gemeinde in den Jagdgenossenschaften und die Eigenjagdbesitzer, vor allem Bund, Land und Kirche, die bestimmen wer auf ihrem Grund jagt. Wenn wegen der nicht mehr beherrschbaren Wolfssituation gehandelt werden muss, so kann das nur im Rahmen des geltenden Jagdrechts durch die Inhaber des Jagdrechts erfolgen. Beeinträchtigungen von gültigen Pachtverträgen durch erwerbsmäßige Wolfshascher sind wertmindernd und nicht hinnehmbar.
    Wenn überhaupt, kann das Land nur einen Werkvertrag für Leistungen an seinem Eigentum ausschreiben. Das sind zwar die landeseigenen Flächen, nicht aber die Wölfe, die sind herrenlos.

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  5. Anko

    365 Tage im Jahr Rufbereitschaft und 2 Stunden Reaktionszeit landesweit inkl. Einbindung einer Urlaubsvertretung, Vergütung aber nur nach tatsächlichem Einsatz.

    Na das muss ja klappen 😉

    Und die Duldungspflicht der von den Aktionen betroffenen Landeigentümer, Landnutzer und Jäger für die beschriebenen Maßnahmen wie Fallenjagd, Überwachung, Fotofallen, Erlegung mit Fernwaffen (…) ergibt so woraus genau?

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