Brandenburg: Polizei verschlampt erlaubnispflichtige Waffen

Bei der Brandenburger Polizei sollen hunderte von Waffen abhanden gekommen. Das berichtet die Berliner Lokalzeitung Tagesspiegel. Demnach erhielt im Jahr 2013 der Zentraldienst der Polizei (ZDPol) von der Staatsanwaltschaft Neuruppin den Auftrag, den Verbleib von beschlagnahmten Waffen bei der Potsdamer Polizei zu überprüfen. Laut Tagesspiegel erfolgte dies, weil intern von „Bezügen zum NSU-Terrortrio“ und einem mit Waffen handelnden Polizisten die Rede war. Der ZDPol kam zu dem Ergebnis, dass für 1550 Waffen, darunter 219 erlaubnispflichtige, „der Verbleib nicht vermerkt“ sei. Beschlagnahmte oder im Rahmen der Amnestieregelung abgegebene WBK-pflichtige Waffen müssen vor der Zerstörung mit Fabrikat, Kaliber und Seriennummer erfasst werden. Doch diese Angaben seien „teils schon unvollständig gewesen, als die Polizei die Waffen an den Zentraldienst übergab.“ Scharfe, geladene (!) Waffen seien als Spielzeug deklariert gewesen und umgekehrt. Die Untersuchung habe „zerrissene Waffenprotokolle, falsche Datensätze,  „massive Probleme“ und „erhebliche Defizite“ in der Dokumentation“ zutage gefördert. Es sei versucht worden, die Nachweise nachträglich zu erbringen.

Angeblich, so der Tagesspiegel, seien laut internen Anmerkungen die fehlerhaften Akten rekonstruiert, die lückenhaften Datenbanken ergänzt oder berichtigt worden, wodurch der Verbleib der meisten Waffen habe geklärt werden können. Es bestehe jedoch der Verdacht, dass diese Waffen „nachträglich einfach früheren Aktionen zur Vernichtung zugeschrieben worden“ seien. Der Verbleib von 219 erlaubnispflichtigen Waffen bleibe daher zweifelhaft. Vier Waffen seien gänzlich „unauffindbar.“

Als Gründe für dieses eklatante Behördenversagen wurden dem Zeitungsbericht zufolge die fehlende Dokumentationsordnung, Arbeitsüberlastung und „emotionale Gleichgültigkeit“ der Mitarbeiter“ angeführt. Der Chef-Beschaffer des ZDPol soll nach der Untersuchung angeordnet haben, dass eine Suche nach Schuldigen und eine Befragung der zuständigen Mitarbeiter zu den verschwundenen Waffen „nicht vorgesehen“ sei.

Ach ja, und der seit 2012 amtierende Behördendirektor, der 2013 auch mit den Waffen befasst war, wurde Mitte 2018 als Abteilungsleiter ins Potsdamer Innenministerium befördert. SE

Beitragsbild: So läuft es in der Bananenrepublik, in der wir gut und gerne leben: Bürger werden überwacht, kontrolliert, kujoniert und abkassiert, während sich Behörden unfassbare Schlampereien erlauben. Gebührenbescheid für Regelüberprüfung eines Legalwaffenbesitzers in Brandenburg (bearbeitet).

2 Gedanken zu „Brandenburg: Polizei verschlampt erlaubnispflichtige Waffen

    1. Keule

      Da steht dasselbe drin wie in dem Artikel, nur anders formuliert: Sie behaupten, die Waffen sind vernichtet worden, sie wissen es aber nicht. Sollte man sich mal als Legalwaffenbesitzer erlauben.

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