Brandenburg: Erneut Wolfsriss im Kuhstall

Bereits zum zweiten Mal hat ein Wolf ein ca. 60 Kilogramm schweres Kalb in einem Kuhstall der Agrargenossenschaft in Lindenau (Landkreis Oberspreewald-Lausitz) gerissen. Wenige Wochen zuvor war bereits ein Kalb im Stall der Lindenauer Agrargenossenschaft gerissen worden, Ende April wurde ein 100 Kilo-Kalb von Wölfen aus einem Stall der Agrargenossenschaft Trebitz – Klein Muckrow bei Lieberose (Landkreis Dahme-Spreewald) gezerrt. Bei dem aktuellen Vorfall wurde ein frisch geborenes Kalb in einem Stall mit 100 Mutterkühen gerissen, berichtet die Lausitzer Rundschau (LR). Damit hätten sich „die schlimmsten Befürchtungen und Ängste der Frauendorfer Tierwirte erfüllt“, so die LR. Mittlerweile ist durch DNA-Untersuchungen zweifelsfrei bewiesen, dass ein Wolf der Verursacher des ersten Rissvorfalls in Lindenau war. Die Landwirte haben bereist Konsequenzen aus dem Wolfsriss gezogen: Früher waren die Mutterkühe schon im April auf der Weide, jetzt müssen sie im Stall bleiben. Weil Nachtwachen nicht finanzierbar sind, wird erwogen, die Ställe nachts „gänzlich dicht zu machen“, so die LR. Dies vertrage sich aber nicht mit artgerechter Tierhaltung.

In der Agrargenossenschaft denke man „intensiv über Lösungsansätze nach“, da von der Politik keine kämen, so der Betriebsleiter der Lindenauer Agrargenossenschaft gegenüber der LR. SE

Beitragsbild: Headline des verlinkten Beitrags in der LR (Screenshot).

Die Red. dankt JAWINA-Leser JS für den Hinweis!

4 Gedanken zu „Brandenburg: Erneut Wolfsriss im Kuhstall

  1. Hans-Dieter Pfannenstiel

    Weil Tierschutz und Artenschutz verwechselt werden,
    weil Politik und Gesetzgeber Fakten über den Wolf in der Kulturlandschaft weitestgehend als unnötigen Ballast empfinden,
    weil Politik und Gesetzgeber die vom ideologischen Naturschutz geschickt manipulierte öffentliche Meinung fürchten und
    weil Reproduktions- und Ausbreitungsdynamik von Canis lupus nicht zu Ende gedacht werden
    passiert genau das, was zu erwarten war. Während Wild der Landeskultur angepasst werden muss, muss die Landeskultur an den Wolf, der ja kein Wild im Sinne von Jagdgesetzen darstellt, angepasst werden. Verkehrte Welt. Und das alles unter dem Deckmäntelchen des Artenschutzes. Wann endlich spricht sich herum, dass der Wolf keine bedrohte Tierart ist? Sollte sich zudem herausstellen, dass ein Teil unserer „Wölfe“ Hund-Wolf-Hybriden sind, – die Anzeichen dafür werden ja auch hartnäckig geleugnet – dann ist unser Artenschutz ein Beitrag zur Vernichtung der Art Wolf!

    Antworten
    1. Ralf

      @ Prof. Pfannenstiel:
      Musste gerade schmunzeln. Hatte gestern im Fernsehen Herrn Lindner von der FDP gesehen und habe das nochmal recherchieren können (nebenbei: habe bislang noch nicht FDP gewählt…). Und ich muss sagen, dass seine Aussage den Kern trifft:

      „Jetzt, so Lindner weiter, sei Führung gefragt. „Leadership“ also, wie er es hier natürlich ausdrückt. Genau daran nämlich lasse es Merkel vermissen. Und das, obwohl dieses „Nein. Vielleicht. Später“ längst zu wenig sei zur Rettung Europas. „Wenn Helmut Kohl und Hans-Dietrich Genscher 1989 die gleiche Zögerlichkeit gezeigt hätten, hätte es die deutsche Einheit nie gegeben“, schimpft Lindner. Das Ergebnis: rauschender Beifall.“
      ( http://www.sueddeutsche.de/politik/fdp-parteitag-europa-lindners-neuer-sehnsuchtsort-1.3977027 )

      „Man“ hat heute Angst, mutige, aber dennoch sinnvolle und notwendige Entscheidungen zu treffen. „Man“ geht lieber im vermeintlichen Mainstream mit, anstatt dafür zu sorgen, dass Wölfe bei auftretenden Problemen wie oben dargestellt, unbürokratisch dezimiert werden können. Ja nicht irgendwo anecken.

      Hatte mal eine Reportage aus Brandenburg vor eingen Jahren gesehen, in der eine Biologin vergeblich versuchte, ein Wolf-Hund-Hybridrudel einzulappen und einzufangen. Ich würde doch auch sehr gerne wissen wollen, wie hoch der Hybridenanteil unter den „Wölfen“ ist. Die vermehren sich weiter. So gesehen ist die Sichtweise des Artenschutzes, auf den Wolf bezogen, wirklich hinfällig.

      @Prof. Pfannenstiel: Wie ist das mit dem gentischen Nachweis von Wolf-Hund-Hybriden bei Tierrissen? Kommt dabei „Wolf“ oder „Hund“ oder vielleicht „nicht nachweisbar“ im Ergebnis raus?

      Antworten
  2. Ronbi

    Gibt es wirklich noch keine menschliche Opfer durch Wölfe?
    Und ist nicht die gegebene Einschränkung menschlicher Aktivität durch Wölfe, bereits eine Verletzung.

    Antworten
  3. Hans-Dieter Pfannenstiel

    Im Laufe der mehrtausendjährigen Domestikationsgeschichte des Hundes wird es vermutlich immer wieder mal zu Hund-Wolf-Verpaarungen gekommen sein. Insofern wird auch der genetische Nachweis Hund oder Wolf nicht so einfach und im einen oder anderen Fall auch unsicher sein. Schließlich gehören Hund und Wolf immer noch zu einer Art. Mit der Untersuchung mitochondrialer DNA, die ausschließlich über die Mutter vererbt wird, lässt sich die Hybridisierungsfrage jedenfalls nicht klären. Wenn auch nur der leiseste Verdacht besteht, dass heute genutztes DNA-Vergleichsmaterial bereits von Hybriden stammt, dann muss 1. dieser Punkt gründlich und von mehreren Labors unabhängig voneinander untersucht und 2. müssen die Resultate allgemein zugänglich gemacht werden. Es wäre wünschenswert und sachdienlich, wenn endlich generell alle DNA- und auch sonstigen Daten zum Wolf in einer Datenbank publiziert würden, die jeder Interessierte ansehen kann. Die Verdachtsmomente, die aus der „Geheimhaltung“ genetischer Daten zum Wolf entstanden sind, ließen sich durch eine allgemein zugängliche Datenbank ausräumen, hoffe ich.

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.