BJV: Größtes Risiko für ASP-Einschleppung ist der Mensch, nicht das Wildschwein

Ist das Wildschwein schuld an der Schweinepest?

Seit rund drei Jahren gilt die Afrikanische Schweinepest, kurz ASP, für Deutschland als eine der größtmöglichen Katastrophen für die heimischen Schweinehalter. Die Angst ist groß, dass Wildschweine die Seuche auch nach Bayern bringen. Der Bayerische Jagdverband warnt vor Hysterie und setzt auf Fakten statt auf Emotionen.

Wild, also auch Wildschweine sind in Bayern ein wesentlicher Bestandteil der heimischen Natur“ steht im Bayerischen Jagdgesetz. Nach dem Bundesjagdgesetz sind die Jäger auch verpflichtet, Wildschweine vor Krankheiten zu schützen. Doch seit die Afrikanische Schweinepest 2014 in Osteuropa aufgetreten ist, herrscht Katastrophenalarm. Landauf, landab wird zum Angriff auf Wildschweine geblasen, obwohl bisher in Deutschland die Afrikanische Schweinepest noch nie aufgetreten ist.

Fakten statt Emotionen

„Aus panischer Angst vor einem möglichen Seuchenfall kochen die Emotionen hoch, die Fakten werden dabei oft übersehen, erläutert Prof. Dr. Jürgen Vocke, Präsident des Bayerischen Jagdverbandes (BJV) die Stimmung im Land beim Thema Afrikanische Schweinepest. Im Rahmen einer Presseveranstaltung im Internationalen PresseClub München zeigt er Verständnis für die bayerischen Tierhalter, warnt aber vor einer Hysterie. Denn es sind keineswegs die Wildschweine, die die Afrikanische Schweinepest von einem Land in ein anderes einschleppen. Das bestätigt auch Dr. Norbert Rehm, Leiter des Referates Tiergesundheit und Tierseuchenbekämpfung im Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz: „Das größte Übertragungsrisiko“, so Rehm, „ist der Mensch.“ Entscheidend sind die Hygienebedingungen im Umgang mit Lebensmitteln aus Schweinefleisch, da sind sich die Fachleute einig. In Polen und Tschechien waren es nachweislich nicht die Wildschweine, die die Seuche eingeschleppt haben. Die Gefahr kommt also nicht aus dem heimischen Wald, sondern von der Straße, von LKWs, nicht ausreichenden gereinigten Viehtransportern oder weggeworfenen Wurstsemmeln.

Wildschweine werden in Bayern intensiv bejagt

Unabhängig von der Afrikanischen Schweinepest fordert und fördert der BJV eine intensive Bejagung des Schwarzwildes. Derzeit erlegen die bayerischen Jäger 60.000 bis 85.000 Schwarzkittel pro Jagdsaison. „Die Jäger in Bayern machen ihre Hausaufgaben“, so BJV-Präsident Vocke. „Der BJV hat unmittelbar nach Bekanntwerden des Seuchenfalls in Ost-Tschechien alle seine Mitglieder in Bayern aufgefordert, die Schwarzwildjagd nochmals zu intensivieren, mit Erfolg: Bis heute – das zeigt das Schwarzwild-Management-Programm BJVdigital – wurden schon genau so viel Schweine erlegt, wie im gesamten letzten Jagdjahr. Ein Jagdjahr geht vom 1. April bis 31. März. Gelungen ist das ganz herkömmlich, also bei der Ansitzjagd, in revierübergreifenden Drückjagden, Erntejagden und Sammelansitzen und damit ganz ohne Genehmigung von umstrittenen Methoden.

Tierschutz muss gewahrt bleiben

In Deutschland gibt es derzeit keinen Seuchenfall. Das heißt, für die aktuelle Wildschweinjagd gilt allein das Jagdrecht, nicht das Seuchenrecht. Deshalb fordert der BJV die Schonung der Leitbache und den unbedingten Muttertierschutz. Denn nur aus Panik vor einem möglichen Seuchenfall darf der Tierschutzgedanke nicht pauschal außer Kraft gesetzt werden.

Jetzt Vorbeugen und effektive Maßnahmen ergreifen!

„Zur Vorbeugung“, betont Veterinärdirektor a.D. Dr. Günther Baumer, BJV-Vizepräsident, „ist jetzt auch der Staat gefordert. Es sind jetzt und heute effektive Maßnahmen nötig, um eine Einschleppung der gefährlichen Tierseuche zu verhindern. Wenn die Seuche erst einmal ausgebrochen ist, ist es dafür zu spät.“

Der Staat nimmt jetzt 1,5 Millionen Euro in die Hand, in enger Abstimmung mit dem BJV, um die hohen Kosten, die bei der Schwarzwildjagd für den Jäger entstehen, etwas auszugleichen. Denn allein die Trichinenuntersuchung, die für jedes erlegte Wildschwein vom kleinen Frischling bis zur Bache durchgeführt werden muss, kostet in Bayern zwischen fünf und 30 Euro pro Tier.

Das fordert der BJV:

„Das ist der richtige Ansatz“, betont BJV-Präsident Vocke. „Doch jetzt vor dem Hintergrund der drohenden Gefahr, müssen noch mehr Taten folgen. Deshalb fordert der BJV:

– Verstärkte Unterstützung der Jäger durch die Landwirte bei der Anbauplanung und der Anlage von Bejagungsschneisen.

– Grenzkontrollen und eine offensive Aufklärung, um die Einschleppung von infizierten schweinefleischhaltigen Lebensmitteln zu verhindern

– Flächendeckend in ganz Bayern staatliche Konfiskat-Sammelstellen, und zwar jetzt so schnell wie möglich

– Noch mehr Unterstützung, um den hohen Aufwand bei der Schwarzwildjagd wie etwa die hohen Gebühren für die Verkehrssicherung bei einer Drückjagd auszugleichen.

– Eine verpflichtende Fachschulung und einen Befähigungsnachweis für das Betreiben eines so genannten Saufangs. So wie er bei der Fallenjagd sonst auch notwendig ist.

– Die Schonung der Leitbache und führender Bachen und unbedingten Muttertierschutz, denn nur aus Panik vor einem möglichen Seuchenfall darf der Tierschutzgedanke nicht pauschal außer Kraft gesetzt werden.

Jetzt müssen alle mithelfen, die Schweinepest erst gar nicht zuzulassen, vom Schweinehalter, über den Händler und den Reisenden bis zum Jäger. Die Jäger müssen auf besondere Hygiene rund um die Wildschweinjagd achten. Für die Schweinehalter ist entscheidend, dass sie ihre Bestände gegenüber Wildschweinen abschotten. PM BJV

Beitragsbild: Erlegte Sauen (u.a.). Foto: SE

Ein Gedanke zu „BJV: Größtes Risiko für ASP-Einschleppung ist der Mensch, nicht das Wildschwein

  1. Hans-Dieter Pfannenstiel

    Wie wäre es denn, wenn man die tonnenweise Einfuhr von in Polen erlegten Wildschweinen nach Deutschland verbietet? Ich kann mir nicht vorstellen, dass jedes importierte Stück eine Unbedenklichkeitsbescheinigung hat! Zudem erhöhte das wohl die Chancen für den Absatz der heimischen Sauen. Was soll der Wildbretverbraucher denken, wenn schon Jagdverbände (z. B. LJV Brandenburg) davon reden, Wildbret von Schwarzwild sei derzeit unverkäuflich?
    Und wie wäre es denn, wenn die Bauern uns Jägern bei der Bejagung der Sauen auf den riesigen Feldschlägen durch das Anlegen von Schneisen und andere Maßnahmen entgegen kommen, sozusagen aus Solidarität mit ihren Kollegen, die Sauen zu Zehntausenden auf engstem Raum halten (z. B. Kreis Vechta oder Kreis Cloppenburg)?
    Die trotz der Lage relativ gelassene Haltung vieler Landwirte wird allerdings verständlich, wenn an bedenkt, wie rasch jeweils Verluste der Landwirte dem Steuerzahler aufgehalst werden. Zuletzt gab es dem Vernehmen nach 600 Millionen Euro für Milchviehhalter, denen die damals niedrigen Milchpreise an die Existenz gingen. Dass die Milchpreise nach Wegfall der Milchquote deshalb ins Rutschen kamen, weil teilweise auf Teufel komm raus aufgestallt wurde, scheint in Vergessenheit geraten zu sein.

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