Behörden bereiten sich auf ASP-Ausbruch vor

Maßnahmen-Katalog des FLI veröffentlicht – Jagdverbote und Totalabschuss der Wildschweinpopulation vorgesehen

In einem Rundschreiben an die Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsämter des Landes Brandenburg sowie diverse Verbände warnt das Ministerium der Justiz und für Europa und Verbraucherschutz (MdJEV) vor einem möglichen Ausbruch der ASP in Deutschland. In Anbetracht des erhöhten Risikos (JAWINA berichtete) käme der Früherkennung der ASP eine herausragende Bedeutung zu, so das MdJEV. Das Ministerium weist auf die Schweinepest-Monitoring-Verordnung „und insbesondere auf die Beprobung tot aufgefundener Wildschweine einschließlich Unfallwild und krank erlegter Tiere“ hin. Die Anzahl der bisher eingegangenen Proben sei für eine Früherkennung der ASP nicht ausreichend.

Inzwischen ist der Maßnahmen-Katalog des FLI an die Veterinärämter und andere Behörden versandt worden. Das Dokument liegt der Red. vor. Vorgesehen sind unter anderem die Einrichtung von Sperrbezirken bei einem ASP-Ausbruch unter Wildschweinen, in dem ein mehrwöchiges totales Jagdverbot für alle Tierarten angeordnet wird. Anschließend sollen 80 bis 90 Prozent der gesamten Wildschweinpopulation in dem betroffenen Bezirk erlegt werden.

Im folgenden geben wir den Maßnahmen-Katalog im Wortlaut wieder:

Maßnahmen im Falle eines Ausbruchs der Afrikanischen Schweinepest bei Wildschweinen
auf Grundlage der Schutzmaßregeln gemäß Schweinepest-Verordnung, ergänzt durch die
Empfehlungen der niedersächsischen Sachverständigengruppe ASP und der Ergebnisse
des Treffens der Jagd- und Veterinärreferenten der Bundesländer im Januar 2017

Einrichtung von Gebieten

• Einrichtung eines gefährdeten Bezirks mit vorzugsweise 15 km Mindestradius um den
Abschuss- oder Fundort. Gebietsgröße und Grenzverlauf nach Risikobewertung unter
Einbeziehung folgender Kriterien: Habitat, Jahreszeit, Nahrungsangebot,
Wildschweinpopulation, Tierbewegungen, natürliche und künstliche Hindernisse,
Überwachungsmöglichkeiten;

• Einrichtung einer Pufferzone um den gefährdeten Bezirk herum; Radius sollte in etwa dem
Radius des gefährdeten Bezirks entsprechen.

Maßnahmen im gefährdeten Bezirk

• Vollständiges Jagdverbot für mindestens 21 Tage für alle Tierarten (Standstill);

• Beobachtende Ansitze und intensive Fallwildsuche (tote Wildschweine) an
Prädilektionsstellen (Sümpfe, Suhlen u.ä.), ggf. mit Fundprämien und Einsatz von Hunden.
Über auffällige und tot aufgefundene Wildschweine ist die zuständige Behörde unverzüglich
zu informieren;

• Einrichtung von Sammelstellen mit geeigneten Behältern für die Kadaverlagerung sowie
Reinigungs- und Desinfektionsmöglichkeiten; Genehmigung durch die zuständige Behörde.

• Unschädliche Entsorgung von Tierkörpern sowie Knochen und anderen Überresten von
toten Wildschweinen ausschließlich über diese Sammelstellen;

• Probennahme zur virologischen und serologischen Untersuchung auf ASP von jedem tot
gefundenen Wildschwein;

• Verbot der Freilandhaltung von Hausschweinen; Rücknahme der erteilten Genehmigungen;

• Verbot der Verfütterung von Grünfutter aus dem gefährdeten Gebiet an Hausschweine;

• Leinenpflicht für Hunde. Bei jagdlich geführten Hunden ist der Einsatz selbständig
jagender Hunde ohne unmittelbare Hundeführerbegleitung grundsätzlich untersagt. Erlaubt
ist der gezielte Einsatz von kurzjagenden, wildgehorsamen und geprüften Jagdhunden.
Tierseuchenbekämpfung in der Pufferzone

• Tötung des Großteils der Wildschweinpopulation (möglichst über 80-90 Prozent), zum
Beispiel durch gürtelförmige Drückjagden (Schwerpunkt Bachen und weibliche Überläufer),
gezielte Kirrung, Saufänge/ Ferkelfänge und das Anlegen von Jagdschneisen;

• Bergung erlegter Wildschweine und Verbringung zu der von der zuständigen Behörde
festgelegten Wildsammelstelle;

• Beobachtende Ansitze und intensive Fallwildsuche (tote Wildschweine) an
Prädilektionsstellen. Über tot aufgefundene Wildschweine ist die zuständige Behörde
unverzüglich zu informieren;

• Unschädliche Entsorgung von Tierkörpern sowie Knochen und andere Überreste von
toten Wildschweinen; Entsorgung von Wildsammelstellen abkoppeln;

• Probennahme zur virologischen und serologischen Untersuchung auf ASP von jedem
erlegten und tot gefundenen Wildschwein;

• Überprüfung der Biosicherheit aller Schweinebestände mit Auslauf / Freilandhaltung;

• Verbot der Verfütterung von Grünfutter aus dem gefährdeten Gebiet an Hausschweine;

• Leinenpflicht für Hunde. Bei jagdlich geführten Hunden ist der Einsatz selbständig
jagender Hunde ohne unmittelbare Hundeführerbegleitung grundsätzlich untersagt. Erlaubt
ist der gezielte Einsatz von kurzjagenden, wildgehorsamen und geprüften Jagdhunden.
Biosicherheit

• Kontamination von Jagdausrüstung, Jagdhunden, Kleidung, Schuhwerk, Gerätschaften und
Fahrzeugen mit Blut vermeiden;

• Hände nach Kontakt zu toten Wildschweinen vor Verlassen des Reviers waschen und
desinfizieren; Kleidung nach Kontakt zu toten Wildschweinen wechseln und bei mindestens
40°C mit Waschpulver waschen; Schuhwerk vor Verlassen des Reviers wechseln und
unverzüglich reinigen und desinfizieren;

• Fahrzeuge reinigen, insbesondere Kontaminationen mit Blut sorgfältig entfernen;

• Zentrale Aufbruchplätze bei Drückjagden einrichten und nach Nutzung desinfizieren;

• Unschädliche Beseitigung von Aufbrüchen (nicht im Wald lassen!);

• Ausweisen von separaten Wildsammelstellen für die Jagd in ASP-Gebieten; Verbot des
Verbringens von Wildschweinen aus ASP-Gebieten in andere Wildsammelstellen;

• Sicherstellen, dass Mülltonnen im gesamten Gebiet – vor allem an öffentlichen Parkplätzen
– kippsicher sind.

Bergung und Entsorgung von toten Wildschweinen/ Tierkörperresten

• Nutzung von Schutzkleidung;

• Ortung und Kennzeichnung der Tierkörper(reste);

• Tierkörper auslaufsicher verpacken;

• Desinfektion der Fundstelle mit einem Peressigsäure-haltigen Handelspräparat;

• Kennzeichnung des Fundortes mit Flatterband.

So läuft die Probenentnahme für das ASP-Monitoring

Die Veterinärämter haben nach Informationen von JAWINA vom MdJE fertige Tüten mit Probeentnahme-Sets bekommen, die an die Jäger weitergereicht werden sollen. Untere Jagdbehörden (UJB) und Veterinärämter erstellen die notwendigen Begleitzettel, auf denen die Probeentnahme erklärt wird und leiten die Sets an die Jäger weiter.

Auch die Digestionstützpunkte (Anlaufstellen für die Trichinenuntersuchungen) nehmen nicht nur Proben an, sondern geben auch diese Sets aus. In einigen Landkreisen wurden bereits an alle Hegegemeinschaften (HG) und die Jagdbezirke, die nicht in HG zusammengeschlossen sind, die Proberöhrchen und Begleitzettel verteilt.

Die Kritik des MdJEV, dass zu wenig Proben eingereicht würden, wies ein Mitarbeiter einer Jagdbehörde gegenüber JAWINA als „nicht nachvollziehbar“ zurück: Abgerechnet werde am Ende und der Hauptschwung komme bei den Ernte- und Drückjagden im Herbst und Winter, bei denen ein Großteil des Wildes gestreckt und beprobt werde.  Wie immer liege die praktische Umsetzung am Engagement der Mitarbeiter der Veterinärämter und der Unterstützung durch die Mitarbeiter der Unteren Jagdbehörden sowie der Hegegemeinschaften. SE

Beitragsbild: Probeentnahme-Set und Begleitschreiben in Brandenburg. Foto: privat

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.