Baden-Württemberg: LJV kritisiert Wolfsmanagement des Umweltministeriums

„Wir fühlen uns regelrecht ausgegrenzt!“

Wie kürzlich bekannt wurde, wollen die obersten Naturschutzbehörden der Bundesländer Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland beim Herdenschutz und beim Wolfsmanagement enger zusammenzuarbeiten (JAWINA berichtete) und dazu eine Kooperationsvereinbarung abschließen. Wölfe kennen keine Landesgrenzen, deshalb ist eine länderübergreifende Vereinbarung zu einem effektiveren Wolfsmanagement durchaus sinnvoll, kritisiert der Landesjagdverband Baden-Württemberg (LJV), fragt aber, ob eine Vereinbarung zwischen vier Ländern überhaupt ausreict: Die letzten Wölfe, die in Baden-Württemberg bestätigt wurden, seien aus Niedersachsen gekommen.

Der Landesjagdverband Baden-Württemberg ist verärgert, dass bei den vorgesehenen Steuerungs- und Managementgruppen weder Landwirte noch Jäger einbezogen werden sollen. Auch eine Abstimmung mit dem Landwirtschaftsministerium fand in Baden-Württemberg bisher nicht statt. Der Wolf unterliegt zwar dem Naturschutzrecht (und somit sind die Naturschutzbehörden zuständig), aber von Einwirkungen des Wolfes betroffen sind Landwirte, Schafhalter und Jäger. „Eine länderübergreifende Kooperation ohne Einbeziehung der Betroffenen ist deshalb ein Schritt in die falsche Richtung“, sagte  Landesjägermeister Jörg Friedmann. „Wir fühlen uns regelrecht ausgegrenzt, obwohl wir uns seit Jahren für ein Wolfsmanagement im Land einsetzen.“

Jägerinnen und Jäger sind flächendeckend im Land in den Jagdrevieren präsent, sie sind für das Wolfsmonitoring prädestiniert. „Wir lehnen es aber vehement ab, dass über unsere Köpfe hinweg in den von uns gepachteten Revieren bewaffnete Eingreiftrupps Jagd auf Problemwölfe machen sollen. Der Versuch, sich eine alleinige Zuständigkeit zu sichern, ist politisch motivierter Aktionismus“, so Friedmann weiter.

Die Zahl der Wölfe im Land und damit die Probleme werden zunehmen. Trotzdem weigert sich das UM seit Langem, den Handlungsleitfaden Wolf zu einem umfassenden Managementplan weiterzuentwickeln. Es hat den Anschein, dass das Umweltministerium in Baden-Württemberg deutlich machen will, wer beim Wolf den Hut aufhat! Das ist aber nicht der richtige Weg – Wildtiermanagement ist mehr als das Beharren auf Zuständigkeiten! Außerdem sind die Pläne ein unnötiger Vorgriff: Der Bund – so sieht es der Koalitionsvertrag zwischen CDU und SPD vor – will ohnehin eine bundeseinheitliche Regelung schaffen. PM

Beitragsbild: Kooperationsvereinbarung Wolf (Screenshot).

3 Gedanken zu „Baden-Württemberg: LJV kritisiert Wolfsmanagement des Umweltministeriums

  1. Hans-Dieter Pfannenstiel

    Jetzt muss doch dem letzten Gesinnungsoptimisten klar sein, wo die Reise mit Isegrim & Co. im Naturschutz hingehen soll. In den letzten Jahren hat sich neben unserem Jagdsystem, das sich trotz seiner Fehler und Fehlerchen im Großen und Ganzen bewährt hat, eine weitere Säule im amtlichen Naturschutz, getrieben vor allem vom ideologischen Naturschutz verschiedener NGOs, etabliert. Mit den dort entwickelten Instrumenten werden Tierbestände in unserer Kulturlandschaft auf den selben Flächen „gemanaget“, auf denen auch regulär gejagt wird. Paradebeispiele sind Biber und Wolf. Und obwohl die „Entnahmen“ von Bibern beispielsweise in Bayern ihrem Wesen nach reguläre Jagd darstellen, kocht der Naturschutz sein eigenes Süppchen. Und immer geht es in die selbe Richtung: Der Mensch und die von ihm geschaffene Kulturlandschaft müssen sich an Wolf, Biber & Co. anpassen. Wildtiere dagegen müssen laut Jagdgesetz an die Landeskultur angepasst werden. Die Eigentümer der Flächen, die Jagdrechtsinhaber, bleiben meist außen vor, wie man in den Wolfsmanagementplänen der Bundesländer nachlesen kann. Wenn wir nicht aufpassen, wird das beim Wolf weiter in die selbe Richtung gehen: amtliche Wolfsjäger tauchen in Jagdbezirken auf, jagen dort den Wolf, und weder die dort Jagdausübungsberechtigten noch die Jagdgenossen werden gefragt.
    Jetzt, da der Druck aus dem ländlichen Raum und vor allem von Weidetierhaltern für die Politik immer spürbarer wird und sich abzeichnet, dass der Wolf bejagt werden muss, schließen sich Naturschutzbehörden von Bundesländern zusammen. Motto: Gemeinsam sind wir stark, Heißt: Gemeinsam wehren wir die Übernahme des Wolfs ins Jagdrecht ab. Schließlich wollen auch manche NGOs nicht die Millionen abschreiben, die sich mit der Wolfsindustrie und der urbanisierten Bevölkerung verdienen lassen. Das Motto im ländlichen Raum muss nun lauten: Steht auf und wehrt Euch gegen urbanisierte Ökofantasten! Durch die Starrköpfigkeit vieler Naturschutzideologen wird leider die Akzeptanz Isegrims im ländlichen Raum weiter schwinden, und das wird der Art nicht nützen. Im Gegenteil.

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    1. Ralf

      Im Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung soll die Absichtserklärung der Forderung zur Überprüfung des Schutzstatus der Wölfe in der EU, verbunden mit möglicher Herabstufung, festgeschrieben sein.

      Wir liegen auf einer Wellenlinie, wenn es darum geht, dass nicht in die Rechte von Bauern, Landwirten, Waldbesitzern, Schäfern und Jägern eingegriffen werden darf . Die Frage, die sich mir stellt: Wie kann man einen Weg finden, die Druckerhöhung auf vernünftige Weise zu organisieren? Macht es Sinn, dass jeder Einzelne mehr oder weniger planlos etwas macht oder würde es eher Sinn machen, das etwas zentral angeschoben wird? Haben sich die Interessenverbände schon an einen Tisch gesetzt und einen Forderungskatalog entworfen, der der Bundesumweltministerin mit NABU-Mitgliedschaft übergeben werden kann?

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  2. Hans-Dieter Pfannenstiel

    Man muss seinem(r) Bundestags- und seinem(r) Landtagsabgeordneten nahezu jeden Tag in den Ohren liegen, dann kann jeder Einzelne schon etwas tun. In der gerade offenen Petition aus Südtirol wird die geregelte „Entnahme“ von Wölfen nach EU-Richtlinien gefordert. Das ist der Grund, weshalb ich diese Petition nicht unterschreibe. Ich plädiere für Bejagung des Wolfes im Rahmen unserer Jagdgesetze! Wie viele Beispiele in Europa zeigen, schadet das der Art Canis lupus nicht, und die Wölfe lernen, sich von menschlichen Ansiedlungen und von Weidevieh fernzuhalten.

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