60 offizielle Wolfsrudel in Deutschland

BfN: Nach wie vor ungünstiger Erhaltungszustand wegen Straßenverkehr und illegalen Abschüssen

Aktuell sind in Deutschland 60 Wolfsrudel bestätigt. Das geht aus einer neuen Erhebung des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) und der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Wolf (DBBW) hervor. Die Wolfs-Vorkommen konzentrieren sich derzeit weiterhin vor allem auf das norddeutsche Tiefland, das sich von der sächsischen Lausitz in nordwestlicher Richtung über Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Thüringen bis nach Niedersachsen erstreckt.

Die Zahl der 60 von den Bundesländern bestätigten Rudel des aktuellen Monitoringjahres 2016/2017 in Deutschland ist im Vergleich zum vorherigen um 13 gestiegen. Allerdings ist die Zahl der Wolfspaare im selben Zeitraum von 21 auf 13 und die Zahl der sesshaften Einzelwölfe ist von vier auf drei gesunken. Die meisten Tiere leben heute in Brandenburg und in Sachsen, wo im Jahr 2000 erstmals nach der Ausrottung der Art in Deutschland vor 150 Jahren ein Wolfspaar aus Polen zugewandert ist.

Für den Naturschutz seien diese Zahlen zwar erfreulich, jedoch weise die Art noch immer eine insgesamt ungünstige Erhaltungssituation auf“, behauptet BfN-Präsidentin Prof. Beate Jessel: Vor allem der Straßenverkehr gefährde den Wolf in seinem Bestand; daneben stellten illegale Abschüsse ein erhebliches Problem dar, so Jessel. Das sehen viele anders, zum Beispiel der Landwirtschafts- und Umweltminister Mecklenburg-Vorpommerns, Dr. Till Backhaus, der unlängst feststellte, dass mit über 60 Rudel und ca. 1000 Individuen der günstige Erhaltungszustand längst erreicht sei.

Von den in Deutschland seit dem Jahr 2000 insgesamt 201 tot aufgefundenen Wölfen sind 140 durch den Straßenverkehr ums Leben gekommen und 26 illegal getötet worden. Im Vergleich zum Monitoringjahr 2015/2016 ist die Zahl der illegalen Tötungen von zwei auf fünf angestiegen.

Die Daten, die das Bundesamt für Naturschutz jährlich im Herbst veröffentlicht, werden von den Bundesländern jeweils für ein Monitoringjahr erhoben. Dieses läuft jeweils vom 1. Mai bis zum 30. April des darauffolgenden Jahres und deckt sich zeitlich mit einem biologischen „Wolfsjahr“, von der Geburt der Welpen bis zum Ende des ersten Lebensjahres. Die Daten werden anschließend jeweils noch überprüft und durch das BfN und die DBBW bundesweit zusammengeführt. Diese Zusammenführung erfolgt jährlich im Herbst bei einem Treffen der im Monitoring erfahrenen Personen von Bund und Ländern.

„Die Rückkehr des Wolfes stellt uns in unserer heutigen Kulturlandschaft vor eine besondere gesellschaftliche Herausforderung. Die Angst der Menschen vor direkten Begegnungen und die Sorgen der Weidetierhalter müssen wir sehr ernst nehmen. Wir unterstützen mit wissenschaftlich fundierten Beiträgen und Handlungsempfehlungen zum Wolf und informieren so die Bundesländer, bei denen in Sachen Wolf die Vollzugshoheit liegt“, so die BfN-Präsidentin. Einen wichtigen Beitrag leistet dabei die DBBW, die der Bund im Jahr 2016 eingerichtet hat, um insbesondere Daten aus den Bundesländern zusammenzutragen und die Fachbehörden zu beraten.

Mittlerweile wurden in 13 Bundesländern Wolfsmanagementpläne sowie entsprechende Leitlinien, Konzepte oder Leitfäden veröffentlicht. Darin ist in der Verantwortung der Länder unter anderem festgelegt, wie für den Schutz von Weidetieren die Prävention und auch Kompensation geregelt sind. „Ein flächendeckender Herdenschutz, der sich an den vom BfN empfohlenen Schutzstandards orientiert, ist essentiell, um in weiteren potenziellen Ausbreitungsgebieten für die Ankunft des Wolfes gewappnet zu sein. Um Übergriffe auf Weidetiere weitgehend zu reduzieren, müssen Herdenschutzmaßnahmen konsequent umgesetzt und dafür auch ausreichend finanziert werden“, sagt Prof. Beate Jessel. Die Ausgaben der Bundesländer mit Wolfsvorkommen betrugen im Jahr 2016 insgesamt 1.100.963 Euro für Herdenschutzmaßnahmen. Im Vergleich dazu lagen die Schadenausgleichszahlungen, bei denen ein Wolf als Verursacher nachgewiesen oder nicht ganz ausgeschlossen werden konnte, bei rund 135.140 Euro. PM/SE

Hintergrund

Die DBBW Die DBBW wird von einem Konsortium aus mehreren wissenschaftlichen Institutionen getragen: Unter der Führung der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung (SGN) arbeiten darin das Senckenberg Museum für Naturkunde Görlitz (SMNG), das LUPUS Institut für Wolfsmonitoring und -forschung in Deutschland, das Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung Berlin (IZW) und das Senckenberg Forschungsinstitut, Standort Gelnhausen. Das Bundesamt für Naturschutz betreut die DBBW fachlich und finanziert deren Arbeit mit Mitteln des Bundesumweltministeriums.

Beitragsbild: Junges Wolfspaar. Copyright: Lupus

2 Gedanken zu „60 offizielle Wolfsrudel in Deutschland

  1. Ronbi

    Nehmen wir einmal 8 Wölfe pro Rudel an, so haben wir bereits bei 60 Rudel 480 Tiere. Die wirklichen Zahllen werden wohl höher liegen.
    Schweden hält 250 Wölfe für ausreichend.
    Der genetische Austausch deutscher Wölfe ist über Polen und anderen Wanderwegen bis nach Russland und weiter gegeben.
    Außerdem wandern, via Schweiz und Frankreich, italienische Wölfe zu.
    Die geringen Verluste über die Jahre, durch Verkehr und illegale Tötung, können wohl vernachlässigt werden.
    Warum wird also an der Fiktion „günstiger Erhaltungszustand“ festgehalten?

    Etwa, weil man sich damit vor zwingend notwendigen Entscheidungen drücken kann?

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  2. Hans-Dieter Pfannenstiel

    Die Zahl der Wolfspaare hat abgenommen, weil viele der im letzten Jahr gezählten Paare inzwischen Nachwuchs haben und deshalb zu Rudeln geworden sind. Das BfN wird einfach nicht schlauer und setzt die Verarschungskampagne, Stichwort „Günstiger Erhaltungszustand“, in Sachen Wolf fort. Ich betrachte den Wolf nach wie vor als Bereicherung unserer Fauna, verstehe aber nicht, weshalb man ihm nicht seine Schranken in unserer Kulturlandschaft aufzeigen darf, wie es viele unserer europäischen Nachbarn tun, ohne der Art zu schaden.

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